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31/12/2017 11:21 CET | Aktualisiert 31/12/2017 11:58 CET

Rundfunkbeitrag erhöhen? Begründung des ARD-Chefs ist fadenscheinig

Ein wichtiges Argument, mit dem er seine Forderung untermauert, ist gar keins.

  • Der ARD-Chef fordert eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags
  • Die Deutschen würden unbedingt teuren Fußball sehen wollen, sagt er – wollen sie aber gar nicht
  • Im Video oben: So lange arbeitet jeder im Jahr, um den Beitrag zu finanzieren 

Der Rundfunkbeitrag sollte erhöht werden, fordert der neue ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm. Andernfalls werde es Einschnitte im Programm geben, sagt er. “Es würden kurzfristig drei Milliarden Euro fehlen, die wir im Wesentlichen im Programm einsparen müssten.”

Auch beim Fußball. Und das, sagt Wilhelm, wollten die Deutschen ja nun auf keinen Fall.

“Der Fußball muss aufpassen, dass er die gesellschaftliche Bindung nicht verliert, wenn er wesentliche Inhalte ins Pay-TV vergibt.” Bei den Sportrechten spare die ARD schon seit Jahren. Und das könne nicht so weitergehen, denn: “Die Zuschauer wollen gerade die Fußball-Nationalmannschaft bei uns.”

So? Die Zuschauer wollen also Fußball live bei den Öffentlich-Rechtlichen sehen – koste es, was es wolle?

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70 Prozent könnten auf Fußball verzichten

Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Nachrichtenportals “t-online.de” ergibt ein anderes Bild: 

Die überwiegende Mehrheit der Deutschen könnte auf die Übertragung von Fußballspielen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verzichten. 

70 Prozent der Befragten hielten es für eher unwichtig (17,7 Prozent) oder sogar sehr unwichtig (52,3 Prozent), dass ARD und ZDF trotz hoher Kosten Live-Fußball zeigten.

Nur 25,2 Prozent – etwas mehr als ein Viertel der Teilnehmer – gaben an, dass ihnen solche Übertragungen wichtig seien. 4,8 Prozent zeigten sich bei der Umfrage unentschieden.

Ein wichtiges Argument ist also keins

Ein wichtiges Argument, mit dem der neue ARD-Chef seine Forderung nach einer Erhöhung untermauert, ist also gar keins. 

Der Rundfunkbeitrag für ARD, ZDF und Deutschlandradio ist bis 2020 auf 17,50 Euro pro Haushalt im Monat festgelegt. Ob er danach steigt, steht noch nicht fest. 

Ein Gedanke, der der Fairness halber aber noch erlaubt sein muss: Wenn die Fußball-WM im Sommer tatsächlich plötzlich nur noch auf Bezahl-Sendern zu sehen wäre, könnte es sein, dass der eine oder andere unter den 70 Prozent seine Meinung noch mal überdenkt.

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(lm)