POLITIK
13/03/2018 15:45 CET | Aktualisiert 13/03/2018 15:47 CET

Rundbrief ruft zum Mord an Muslimen auf – britische Anti-Terror-Einheit ermittelt

Der Brief beinhaltet ein Punktesystem für Gewalttaten gegen Muslime.

  • In Großbritannien kursiert ein Brief, der zu Gewalt gegenüber Muslimen aufruft
  • Inzwischen beschäftigen sich die Anti-Terror-Einheit und das Parlament mit dem Schreiben

Es ist der Papier gewordene Hass: In Großbritannien verbreitet sich ein Brief mit dem Titel “Punish a Muslim day”, dem Tag, an dem Muslime zu bestrafen seien.

In den Städten Bradford, Leicester, London, Cardiff and Sheffield bekamen Einwohner das in Rot und Schwarz gedruckte Schriftstück. Die weiße Mehrheitsgesellschaft in Europa und Nordamerika, so heißt es darin, werde von jenen überrannt und verletzt, die einen Polizeistaat unter dem Gesetz der Scharia einführen wollten.

Am 3. April sollten die Adressaten Muslime bestrafen. Darunter findet sich eine perverse Punktetabelle, die Übergriffe umso höher bewertet, je brutaler sie sind. Sie reicht von Beleidigungen über Schläge, Folter, Mord bis hin zur Zerstörung der Heiligen Stätte in Mekka. 

Wer noch Fragen dazu habe, so heißt es in dem Brief, solle sich an die Gerichtsaufsicht des Justizministeriums in London wenden.

Die Polizei bestätigte dem britischen Sender BBC, dass sie Hinweise auf die Briefe erhalten habe, je nach Dienststelle zwei bis sechs.

Eine Anti-Terror-Einheit der Polizei geht von einem möglichen Fall von Hasskriminalität aus. Der Chef der Einheit, Martin Snowden, sagte Medienberichten zufolge: “Diese Briefe sollen Muslime verängstigen und beleidigen. Sie sind auch darauf angelegt, uns gegeneinander auszuspielen.” 

Parlament nennt Briefe “verabscheuungswürdig”

Die Labour-Abgeordnete Yasmin Qureshi hat den Fall am Montag im Unterhaus thematisiert. Sie wies auf den massiven Anstieg von Hasskriminalität gegenüber Muslimen hin.

Die Parlamentarier geißelten die Briefe laut BBC als “verabscheuungswürdig”. Die Parlamentarische Staatssekretärin Victoria Atkins, zuständig für Sicherheit, kündigte an, die Polizei entsprechend vor dem Datum zu warnen. 

Der Labour-Abgeordnete Ian Austin versprach, an jenem Tag so viele Moscheen und muslimische Zentren zu besuchen wie möglich, “um ihnen zu zeigen, dass wir an ihrer Seite stehen”.

“Love a Muslim day”

Inzwischen formiert sich eine Gegenbewegung. In den sozialen Netzwerken kursiert nun ein Brief mit dem Titel “Love a Muslim day”. Darin werden Punkte für kleine Aufmerksamkeiten wie ein Lächeln, einen Wochenendtrip zusammen mit muslimischen Kollegen bis hin zu einem Gutschein für eine Reise nach Mekka für eine muslimische Familie vergeben. 

Im Internet finden sich Beiträge von Nicht-Muslimen wie diesem: “Mir wird übel, wenn ich so etwas sehe. Ich bin kein Muslim, aber ich bin einer vorwiegend muslimischen Gegend aufgewachsen, mit vielen muslimischen Freunden. Heute Morgen werde ich meinen Kindern erneut erklären, wie wichtig es ist, jedermanns Glauben zu respektieren.”

Übergriffe in Zusammenhang mit den Briefen

Am Dienstagmittag berichtete die Zeitung “Guardian”, dass vier muslimische Labour-Abgeordnete in den vergangenen zwei Tagen verdächtige Briefe bekommen hätten. Darin war jeweils eine Kopie des “Punish a Muslim day”-Pamphlet enthalten. 

Der Mitarbeiter einer betroffenen Abgeordneten sei vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden, weil sich in dem Brief eine klebrige Substanz befunden habe, die laut Polizei in geringem Maß gesundheitsschädlich sei.

Wie die Abgeordnete twitterte, wurde ihr Mitarbeiter inzwischen wieder aus der Klinik entlassen. 

(amr)