ELTERN
16/08/2018 14:46 CEST | Aktualisiert 16/08/2018 14:55 CEST

Weil sie ihre Ruhe haben wollen: Deutsches Lokal wirft ab 17 Uhr Kinder raus

“Ich weiß, dass unsere Gäste diesen Schritt befürworten.”

  • Ein Restaurant auf der Insel Rügen erlaubt abends keine Kinder mehr.
  • Auf Facebook tobt jetzt eine Debatte über das Kinderverbot.

Das Restaurant “Omas Küche” in Binz auf der Insel Rügen duldet seit diesem Montag ab 17 Uhr keine Kinder unter 14 Jahren mehr. Das schreibt der Betreiber auf seiner Internetseite. “Das erste kinderfreie Restaurant auf ganz Rügen” sei “auf Ruhe, Erholung und entspanntes Genießen spezialisiert”.

“Die Eltern sind das eigentliche Problem”

Kinder sind willkommen, aber eben nur bis 17 Uhr. Danach ist erwachsenenfreundliche Zone”, sagte der Restaurant-Inhaber Rudolf Markl zur Tageszeitung “Die Welt.”

“Ich weiß, dass unsere Gäste diesen Schritt befürworten.”

Eigentlich wollte der Besitzer anfangs gar keine Kinder mehr einlassen. “Das habe ich aber verworfen, weil wir damit die wenigen wirklich gut erzogenen und lieben Kinder benachteiligen würden.” 

Er einigte sich mit seinen Angestellten darauf, zumindest tagsüber noch Kinder zu bedienen.

“Das eigentliche Problem sind nicht die Kinder, sondern die Eltern”, sagte Markl der Lokalzeitung “Nordkurier”. “Die Erziehung vieler Eltern lässt zu wünschen übrig, so dass sich andere Gäste permanent gestört fühlen.”

“Die Freiheit der Kinder hört da auf, wo die Freiheit der anderen Gäste beschnitten wird.“

Er leite das Restaurant seit elf Jahren, doch es sei immer schlimmer geworden – für andere Gäste und für die Angestellten. Kinder hätten im Lokal Fangen gespielt, seien den Kellnern vor die Füße gerannt, hätten unerlaubt Schränke geöffnet und Inventar zerstört.

Umstrittenes Verbot

Vor dem Verbot habe er jahrelang erfolglos versucht, brüllende und tobende Kinder und ihre überforderten oder gleichgültigen Eltern anders unter Kontrolle zu bringen: Mit Malsachen für die Kinder und Hinweisschilder für die Eltern. “Doch die Kinder wissen sich einfach nicht zu benehmen“, führte der Besitzer fort.

Auf der Facebook-Seite des Lokals tobt eine heftige Debatte über die Entscheidung des Restaurants. 

Manche Facebook-Nutzer begrüßen das Verbot: “Sehr gut, dass die Schreihälse draußen bleiben.”

Andere können sich mit dem Kinderverbot nicht abfinden: “Sehr schön ! Wenigstens weiß ich wo ich NICHT hingehe. Unfassbar ! Ich hoffe Ihr ändert noch eure Meinung.”

Andere Nutzer, darunter auch viele Eltern, sehen die Entscheidung differenzierter:

“Ich bin selber 3fache Mutter und ich kann es absolut nachvollziehen, dass der Wirt so handelt. Meine Kinder waren in manchen Situationen als Kleinkind auch nervig für andere Leute, besonders in der Trotzphase. Da reichte oft schon, dass eine Pommes runter fiel oder das Geschwisterkind etwas vermeintlich besseres hatte. Wenn wir heute essen gehen, möchte ich das in Ruhe und ohne Geschrei am Nachbartisch, wo dann mit einem 4jährigen noch stundenlang diskutiert wird.”

Erstes Nichtraucherlokal Rügens

Restaurant-Inhaber Markl erklärte, dass die meisten Gäste den Schritt befürworten würden – bis auf einige wenige. “Aber damit müssen wir leben. Lieber so als die verärgerten Gäste am Abend”, sagte Markl. 

Das Kinderverbot ist nicht die erste polarisierenden Entscheidungen in “Omas Küche”.

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Zur Fußball-Weltmeisterschaft bewarb der Inhaber sein Lokal auf Facebook als “Fußballfreie Zone”. Schon 2007 verbannte er Raucher aus dem Lokal. So sei “Omas Küche” zum damals ersten und einzigen Nichtraucherlokal der Insel Rügen geworden, schrieb der Nordkurier.

► Gegenwind sei Markl also gewohnt. 

Für ein Update seiner Facebook-Seite hatte Markl in diesen turbulenten Tagen anscheinend aber noch keine Zeit. Denn Facebook führt das Lokal noch mit dem Vermerk “für Kinder geeignet” auf. Auch die Kurzbeschreibung lässt schmunzeln, denn diese beginnt mit den Worten: “Gerne denken wir an unsere Kindheit zurück...”

(nc)