LIFE
06/03/2019 13:08 CET

RTL-"Extra": Partnervermittlung – die miese Abzocke mit der Einsamkeit

"Dreist, wie die Hoffnung auf Liebe ausgenutzt wird.“

RTL / Screenshot
Martina suchte die große Liebe und wurde in eine dreiste Falle gelockt.
  • Rentnerin Martina hat nach der großen Liebe gesucht und meldete sich daraufhin auf eine Kontaktanzeige. 
  • Wenig später stellte sich heraus, dass die Frau von einer Partnervermittlung abgezockt wurde. Reporter des RTL-“Extra”-Teams konfrontierten die Betrüger.

Das Geschäft mit der Einsamkeit anderer Menschen ist offensichtlich groß. Das musste auch eine Renterin am eigenen Leib erfahren, wie das RTL-Magazin “Extra” vergangenen Montag berichtete.

Die ehemalige Krankenschwester Martina hat vor fünf Jahren ihre große Liebe Heinz verloren. 30 Jahre war das Paar zusammen. Lange hat sie deshalb mit sich selbst gerungen, bevor sie ihren Mut zusammennahm und beschloss, einen neuen Partner zu finden: “Ich war einsam und wollte einfach jemanden kennenlernen.“

In einer kostenlosen Wochenzeitung sah Martina die Kontaktanzeige eines Mannes und griff zum Telefon. Am Hörer dann die Überraschung: Am anderen Ende sprach eine Frau, die sie direkt in den Club “Singletreff Mikado” einlud.

2-Jahres-Verträge statt Partnervermittlung

“Sie war sehr empathisch und sagte, sie habe ihren Mann auch dort kennengelernt und ich solle vorbeikommen“, erklärte Martina. Sie müsse lediglich Mitglied der Partnervermittlung werden und könne dann mit der Partnersuche starten, hieß es.

Martina vertraute der Frau am Telefon und unterschrieb vor Ort den Vertrag. Sie schloss einen sogenannten Freizeitvertrag in einem Club mit einer Laufzeit von zwei Jahren ab. Monatliche Gebühr: 74 Euro – Geld, das die Rentnerin kaum aufbringen kann.

Bereits hier wurde deutlich, dass Martina offensichtlich in eine Falle getappt sein muss. Denn: Klassische Partnervermittlungs-Verträge sind jederzeit kündbar, Freizeitverträge jedoch nicht.

Erst zu Hause, als sie sich das Kleingedruckte noch einmal genauer durchlas, bemerkte sie, dass sie betrogen wurde. Einen Partner bekam sie nicht vermittelt, stattdessen musste Martina einen Rechtsanwalt engagieren, der ihren Fall nun vor Gericht bringen möchte. 

“Das war wie ein Blitzeinschlag, als ich das verstanden habe. Wie können Menschen so böse sein?“, fragte sich Martina seither und konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Reporter konfrontieren Betrüger

Dieses Beispiel ist kein Einzelfall. Zahlreiche angebliche Partnervermittlungen ziehen auf diese dreiste Art Menschen das Geld aus der Tasche. Die Reporter von “Extra“ schickten deshalb einen Lockvogel los, um zu erfahren, was es mit dem “Singletreff Mikado“ wirklich auf sich hat.

Auch weitere Partnervermittlungen, von denen sie vermuteten, dass sie Betrüger-Firmen seien, wollten die RTL-Reporter genauer unter die Lupe nehmen.

Nach der ersten Kontaktaufnahme per Telefon wurde der Lockvogel in das Büro der Partnerbörse eingeladen – genau wie Martina auch. Eine RTL-Reporterin gab sich als Nichte des Lockvogels aus, um bei dem Gespräch anwesend sein zu können.

Als die vermeintliche Nichte wissen wollte, warum das Ganze eigentlich Clubmitgliedschaft heiße, drohte die Stimmung zu kippen. Ahnte die Mitarbeiterin der Partnervermittlung etwas?

Es sei nur ein Name, da es “ja irgendwie heißen müsse“, sagte die Betrügerin und fügte hinzu, dass es sich aber trotz allem um eine Vermittlung handle.

Die Situation eskaliert: Lockvogel wird verbal angegriffen

Nachdem die Reporterin weiter nachgehakt hat, wurde die Mitarbeiterin der Vermittlung immer unfreundlicher und sagte am Ende ungeniert:

“Gehen Sie mit Ihrer Oma einfach nach Hause. Dann kommen Sie in fünf Jahren eben wieder. Reden Sie mit einem Goldfisch oder so zu Hause, einsam, oder mit dem Kronleuchter.“ 

Als die Reporterin sich dann als solche zu erkennen gab, packte die Betrügerin prompt selbst ihr Handy aus und begann zu filmen.

“Extra“ konfrontierte noch eine weitere vermeintliche Partnervermittlungs-Agentur. Eine schick gekleidete Frau erwartete sie an der angegebenen Firmenadresse.

Als die Reporterin sie direkt mit ihren Vorwürfen konfrontierte und nachhakte, wie mit der Suche nach Liebe Geschäfte gemacht werden könnten und, ob sie kein schlechtes Gewissen habe, suchte die Mitarbeiterin zunächst das Weite. Sie wies im Nachhinein alle Vorwürfe von sich und sagte, sie habe mit alldem nichts zu tun.

Martinas Anwalt ist optimistisch

Das RTL-Reporterteam schaffte es schließlich, einen Geschäftsführer einer der vermeintlichen Partnervermittlungen herauszufinden und ihn mit den Vorwürfen zu konfrontieren. 

Er selbst wollte sich nicht zu Wort melden, doch sein Anwalt ließ schriftlich mitteilen, dass all das nur erfunden sei und der Geschäftsführer keine Abzocke mit der Einsamkeit anderer Menschen betreibe.

Es steht also Aussage gegen Aussage. Martina wartet nun noch auf den Ausgang ihrer Gerichtsverhandlung.

Wenn alles gut läuft, muss sie die knapp 1500 Euro Mitgliedsgebühr nicht bezahlen. Ihr Anwalt ist sich sicher, dass die Beweise den Richter überzeugen werden. Trotzdem bleibt die Rentnerin fassungslos zurück: “Dreist, wie die Hoffnung auf Liebe ausgenutzt wird.“

(nr)