POLITIK
28/02/2018 13:26 CET | Aktualisiert 28/02/2018 13:37 CET

Schweizer Gegner der Öffentlich-Rechtlichen streitet mit Radiomoderator

"Da fängt es ja schon an."

Ruben Sprich / Reuters
Der Chefredakteur und Verleger des Schweizer Wochenmagazins: Roger Köppel.
  • Der Schweizer Publizist Köppel hat dem Deutschlandfunk ein Interview gegeben
  • Der Gegner der Rundfunkgebühren legte sich immer wieder auch mit dem Moderator an

Am Sonntag könnten die Schweizer abschalten. Für immer.

Dort findet am Wochenende eine Volksabstimmung über die Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk statt.

Die Initiative “No Billag” hat sich dafür eingesetzt, die Gebühren abzuschaffen. Billag heißt die Firma, die in der Schweiz den Rundfunkbeitrag einzieht.

Einer der prominesteten Fürsprecher der Initiative, der rechtskonservative Publizist und Politiker Roger Köppel, sollte am Mittwochmorgen seine Position im Deutschlandfunk darlegen.

Es konnte nur schief gehen. Wenn ein Gegner der Rundfunkgebühren wie Köppel von einem öffentlich finanzierten Rundfunksender interviewt werden soll, ist Streit vorprogrammiert.

Die 5 Aufreger-Momente des Gesprächs.

1. “Ich werde schon latent diffamiert”

Der Moderator des Deutschlandfunks, Philipp May, beginnt das Telefoninterview mit einer provozierenden Frage: “Was haben Sie eigentlich gegen uns?”

Köppel passt schon die Vorstellung seiner Person durch den Deutschlandfunk nicht. Moderator May hatte Köppel als den “Chefredakteur der rechtskonservativen Schweizer Wochenzeitung ‘Weltwoche’” bezeichnet.

Der Schweizer schimpft: “Da fängt es schon an, dass Sie die ‘Weltwoche’ als rechtskonservativ bezeichnen.” Dann müsste man den Deutschlandfunk “linkskonservativ” nennen.

“Da fängt es an mit den Öffentlich-Rechtlichen, ich werde schon latent diffamiert”, wettert Köppel 

2. Die Mär vom “Staatsfunk”

Roger Köppel ist gegen den aus Gebühren finanzierten, öffentlichen Rundfunk. Wie die “Staatsfunk”-Rufer in Deutschland unterstellt er diesen Medien eine zu große Nähe zur Regierung, weil sie von öffentlichen Geldern abhängen würden.

Im Magazin “SonntagsBlick” verglich Köppel kürzlich die Öffentlich-Rechtlichen mit dem “Volksempfänger von Propagandaminister Goebbels in Nazi-Deutschland”.

Moderator May stellt klar: In Demokratien gebe es keinen “Staatsfunk”. 

Köppel antwortet, das sei eben Ansichtssache. Es gebe inhaltliche Vorgaben in der Schweiz – “vermutlich in Deutschland auch”, sagt Köppel. Auch wenn er das hiesige System zu wenig kenne.

Die SRG, der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft, ist wie ARD und ZDF frei in ihrer Programmgestaltung.

Köppel kommt dann zu seinem zweiten Argument, warum die Öffentlich-Rechtlichen abgeschafft werden sollten: dem Wettbewerb am Markt. 

3. ”Öffentlich-rechtliche Windelfabrikation”

Köppel fordert: Die Medien sollten dem Markt überlassen werden. “Der Kunde soll selber entscheiden, was er bezahlen will, und nicht der Staat soll ihm das Geld aus dem Portemonnaie nehmen und dann ein konzessioniertes, kontrolliertes Riesen-Medien-Moloch am Leben erhalten”, sagt der Publizist. 

Es gehe bei der Abstimmung am Sonntag nicht um die Abschaffung der SRG, sondern der Gebühren. Dazu ermahnt Köppel auch Moderator May: “Ganz präzise bleiben! Sie sind ja Hoch-Qualitativ-Journalismus. Also bitte da nichts verdrehen.”

May wirft dann ein: Wer die Gebühren abschafft, schafft de facto auch die Öffentlich-Rechtlichen ab. Immerhin sei eines ihrer Merkmale, dass jeder für die Sender zahlt. 

► Köppels überspitztes Gegenargument: “Jetzt könnte man sagen, Windeln sind auch etwas Wichtiges. Machen wir jetzt auch noch öffentlich-rechtliche Windelfabrikation?”

4. “Ich bin ja ein Ideal”

Über die Marktverzerrungen des “Zwangsgebührenmodells” spricht Köppel im Deutschlandfunk lange nicht so viel, wie über die vermeintliche Einflussnahme der Politik auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Köppel selbst ist nicht nur Herausgeber der “Weltwoche”, sondern auch Mitglied in der national-konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP), für die er auch im Parlament sitzt. 

Bei den Öffentlich-Rechtlichen wäre diese Vermischung von privaten Interessen und Politik nicht möglich, betont May. 

Köppel hält dagegen und nennt sich selbst “ein Ideal, ein vorbildliches Beispiel für ein Mediensystem”. Er sagt: “Man muss ja nicht mit mir einverstanden sein, aber bei mir ist es eine transparente Deklaration.”

“Kuscheljournalismus” wirft der SVP-Abgeordnete und Journalist allerdings nur den anderen vor. 

5. “Wir mischen den Laden auf”

Am Sonntag wird nicht nur die Schweiz gebannt auf Ergebnis der “No Billag”-Abstimmung schauen – sondern auch viele weitere Staaten Europas. Auch in Deutschland wettern Rechte, die AfD und manche Journalisten gegen das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem. 

“Wir mischen ja hier den Laden in Europa auf mit unserer direkten Demokratie”, sagt Köppel dazu.

Und fordert von den Öffentlich-Rechtlichen mehr Selbstvertrauen. “Sie können doch dieses Geld auch normal mit marktwirtschaftlichen Instrumenten erzielen.”

► Den Vorteil eines öffentlich-rechtlichen Programms scheint Köppel nicht einsehen zu wollen. Schweizer zahlen umgerechnet etwa 400 Euro im Jahr an die Billag – und erhalten dafür ein multimediales und anspruchsvolles Programm in vier Landessprachen.

“Die 1945 gegründete Radio-Sendung ‘Echo der Zeit’ ist vielen deutschsprachigen Journalisten ein Gradmesser für Seriosität und Hintergrundrecherche”, bringt die “Süddeutsche Zeitung” auf den Punkt, was die Schweiz am Sonntag unter anderem verlieren könnte.

Laut einer Umfrage wird die Mehrheit der Schweizer gegen die Abschaffung der Gebühren stimmen. 

Das wird Köppel wohl nicht davon abhalten, weiter gegen den “Staatsfunk” zu wettern. Auch wenn er am Ende des Gesprächs mit dem Deutschlandfunk zugeben muss: Es war eine offene Diskussion mit Moderator May. “Das habe ich sehr interessant gefunden”, betont Köppel. 

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