WIRTSCHAFT
04/04/2018 18:58 CEST | Aktualisiert 04/04/2018 22:06 CEST

Warum Frauen profitieren, wenn Roboter unsere Jobs übernehmen

Doch ein Problem bleibt.

skynesher via Getty Images
Die Jobs von Männern sind in den meisten Ländern mehr von der Digitalisierung bedroht als die von Frauen.
  • Glaubt man Experten, sind Millionen Jobs von der Digitalisierung bedroht
  • Laut einer aktuellen Studie trifft es dabei jedoch eher die Männer

Elon Musk ist sich sicher: Roboter werden eines Tages die Herrschaft über die Menschen übernehmen. Für den milliardenschweren Gründer des E-Auto-Herstellers Tesla ist künstliche Intelligenz sogar gefährlicher als Atomwaffen, wie er kürzlich auf einer Konferenz in Austin sagte. 

Ähnlich wie Musk geht es übrigens 41 Prozent der Deutschen. Sie sehen in intelligenter Technik eine Bedrohung für das Überleben der Menschheit, wie die “Welt” im Oktober berichtete. 

Auch wenn die Singularität – also der Zustand, wenn Maschinen intelligenter werden als Menschen – die Erdbevölkerung tatsächlich bedrohen sollte: Mehr Roboter sind nicht per se eine schlechte Nachricht, vor allem nicht für Frauen

In fast allen Ländern sind Frauen weniger betroffen

Denn Frauen haben bessere Chancen, dass ihre Jobs nicht durch Roboter ersetzt werden. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung:

In 80 Prozent der 33 untersuchten OECD-Länder haben Männer ein größeres Risiko, durch die Automatisierung ihre Jobs zu verlieren als Frauen. In Lettland haben Männer sogar eine 8,4 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, ihren Job zu verlieren als Frauen.

Aber woran liegt das?

Am ehesten betroffen von der Digitalisierung sind – da sind sich die Experten einig – Jobs im Niedriglohnsektor, wie Taxi- und Lkw-Fahrer, Postboten oder Fließbandarbeiter. Es sind Berufe, die das Ausführen von immer gleichen Regeln erfordern.

Aber: Auch im Geringverdienerbereich gibt es zahlreiche Jobs, die wohl nicht durch Roboter ersetzt werden können: Servicepersonal, Friseure, Berater im Einzelhandel. In vielen dieser Berufen arbeiten Frauen. 

Die Jobs, in denen immer die gleichen oder ähnliche Schritte vonstatten gehen, sind mehr bedroht, sagt Innovationsexperte Stephan Grabmeier von der Personalberatung Kienbaum der HuffPost.

Im Gegenzug dazu seien Berufe im Vorteil, bei denen Empathie und soziale Kompetenzen im Vordergrund stehen. 

Israelische Frauen haben das geringste Risiko

“Empathische Fähigkeiten werden in Zeiten der Digitalisierung viel wichtiger”, betont Grabmeier. Dabei gehe es darum, wie man Digitalisierung und Humanisierung zusammenbringen kann. “Und da haben Frauen weitaus mehr Vorteile als Männer”, sagt Grabmeier.

Am sichersten sind laut der Studie die Jobs von Frauen in Israel. Nur knapp 39 Prozent aller Jobs, die dort von Frauen ausgeführt werden, sind durch die Automatisierung in Gefahr.

In Deutschland sind es hingegen ganze 51,2 Prozent. Das liegt laut Studie in erster Linie daran, dass Frauen hier oft auf mittleren Stufen der Karriereleiter stecken bleiben und es ihnen nicht gelinge, die sogenannte gläserne Decke zu durchbrechen. Der Begriff bezeichnet die Tatsache, dass Frauen zwar die obersten Managementebenen sehen können, sie aber nicht erreichen können – die gläserne Decke hält sie davon ab.

Das ist auch der Grund, wieso die Automatisierung nicht auch automatisch Geschlechtergleichheit mit sich bringt. Denn Männer sind nicht nur in so gut wie allen Branchen in höheren Positionen – die logischerweise weniger Gefahr laufen, von Robotern ersetzt zu werden.

Die Beschäftigungen, die Männer ausüben, sind noch dazu auf mehrere Branchen verteilt. Die Berufe, die in erster Linie von Frauen ausgeübt werden, sind laut der Studie auch in jenen Sektoren zu finden, in denen das Risiko der Automatisierung bei mehr als 50 Prozent liegt. 

Frauen haben oft keine Chance an der Führung

Diese Beobachtung stellte auch das Weltwirtschaftsforum (WEF) an – kommt aber bezüglich der Automatisierung zu einem gegenteiligen Ergebnis. Laut einer WEF-Studie aus dem Januar gefährdet die Digitalisierung in den USA bis 2024 1,4 Millionen Jobs – 57 Prozent davon würden Frauen ausgeüben. In erster Linie nimmt das WEF hier auf Berufe wie Sekretärinnen und Verwaltungsangestellte Bezug. 

Eindeutig ist jedoch bei beiden Untersuchungen: Frauen bleibt noch in vielen Ländern der Sprung auf höhere Karrierestufen verwehrt. Auch in Deutschland sind weibliche Chefs rar: 

► In den Vorständen der börsennotierten Unternehmen in Deutschland liegt der Anteil der Männer laut einer Studie der Allbright Stiftung bei 93 Prozent. 

 Und auch im Mittelstand herrscht bei den Führungskräften eklatanter Frauenmangel. Nur vier Prozent der Chefs im viel beschworenen deutschen Motor sind weiblich.

Gerade in Zeiten der Digitalisierung sei es umso wichtiger, dass sich das endlich ändere und mehr Frauen in Spitzenpositionen kommen, fordert Experte Grabmeier

Dabei gehe es nicht um spezielle Berufe. “Wir brauchen in der gesamten Wirtschaft mehr Sozial-Skills”, sagt Grabmeier. Denn: Unternehmen werden in erster Linie aus kapitalistischer Sicht geführt – die Verantwortung für Mensch und Umwelt komme hingegen meist zu kurz.

“Frauen haben auf diese Dinge aber einen besseren Blick. Und so entstehen durch das Ungleichgewicht im Arbeitsmarkt viele soziale Nachteile.”

Und die sollten in Zeiten, in denen Roboter wahrscheinlich viele klassische Berufe übernehmen, erst recht nicht sein.

(mf)