POLITIK
20/07/2018 20:17 CEST

Robert Saviano liefert sich Kleinkrieg mit Salvini – so schlägt der zurück

Erst schickt Salvini dem Bestseller-Autor einen Kuss – und dann eine Klage.

GETTY
Salvini vs. Saviano. 
  • Italiens Innenminister Salvini hat den Autor Roberto Saviano verklagt.
  • Der kritisiert seit Langem die Politik des Rechtspopulisten. 

Es ist die Geschichte eines verbalen Kleinkriegs. Die Geschichte zweier Männer – und eine Geschichte, die einen Einblick in die vergiftete italienische Politik erlaubt. 

Gemeint ist die Geschichte von Roberto Saviano, Mafia-Experte und Bestseller-Autor, und von Matteo Salvini, neuer italienischer Innenminister und derzeit wohl das enfant terrible Europas. 

Die beiden können sich nicht leiden und führen seit Wochen über Twitter und Interviews einen Kleinkrieg. Nun hat Salvini klar gemacht, was er mit unliebsamen Kritikern macht: Er verklagt sie. 

Saviano geißelt “Italiens Krieg gegen Migranten” 

► Die Geschichte beginnt mit Amtsbeginn von Lega-Chef Salvini am 1. Juni.

Alsbald fing der rechte Politiker an, seinen europäischen Staatschef klarzumachen: Italien will keine Migranten mehr aufnehmen. Er verweigerte privaten Seenotrettern mit Bootsflüchtlingen an Bord, italienische Häfen einzulaufen. 

Saviano ist berühmt geworden mit einem Buch über die Machenschaften der Camorra, einer süditalienischen Verbrecherorganisation. Seitdem braucht der 38-Jährige Polizeischutz. Jeden Tag. 

► Im “Guardian” kritisierte er am 19. Juni die Entscheidung von Salvini und sprach von “Italiens Krieg gegen Migranten”.

Salvini – der “Minister der Unterwelt”?

► Die Reaktion von Salvini: Er drohte Saviano, ihm den Polizeischutz zu entziehen.

In einem Interview sagte der Innenminister: “Roberto Saviano ist das letzte meiner Probleme.Ich werde ihm einen Kuss schicken, wenn er jetzt zusieht.Er ist eine Person, die so viel Zärtlichkeit und Zuneigung entfacht, aber man muss bewerten, wie die Italiener ihr Geld ausgeben.” Er spielte damit auf die Kosten für die Polizei-Eskorte des bedrohten Autors an. 

► Doch Saviano blieb nicht still. In einem Gastbeitrag für die deutsche Wochenzeitung “Zeit” schrieb er Ende Juni:

”‘Italiener zuerst’ bedeutet nicht, dass die Lega und die Fünf Sterne zum Wohle Italiens arbeiten. Sie arbeiten zum Wohle derer, die Salvini zu unterstützungswürdigen Italienern erklärt.”

Zuvor hatte der Mafia-Experte Mitte Juni einen Tweet geschickt, der den Streit mit Salvini nun eskalieren ließ: Saviano nannte ihn den “Minister der Unterwelt”.

Am Donnerstagabend erklärte Salvini nun auf Twitter seinerseits: “Ich akzeptiere jede Kritik, aber ich erlaube niemandem zu sagen, dass ich der Mafia helfe.” Er habe eine Klage gegen Saviona eingerecht. 

Salvini ist zwar der offiziellen Rangfolge der Regierung in Rom nur der zweitmächtigste Mann des Landes. Doch so wie er Europa derzeit in der Debatte um die Flüchtlingspolitik im Mittelmeer vor sich hertreibt, steht fest:

In Rom gibt Salvini den Ton an. Und er geht rigoros gegen seine Kritiker vor.