POLITIK
12/04/2018 09:06 CEST | Aktualisiert 13/04/2018 17:08 CEST

Riskiert Trump den Weltkrieg? 4 Dinge, die ihr am Donnerstag wissen müsst

Auf den Punkt gebracht.

Im Video oben: “Ungebildet und keine Ahnung von Wirtschaft!” - Das sagt ein ehemaliger deutscher Berater Trumps über den US-Präsidenten

Am Mittwochmorgen kündigte US-Präsident Trump Raketen gegen Syrien an. Stunden später lässt er seine Sprecherin zurückrudern. Ein Militärschlag sei nicht die einzige Option, eine Entscheidung nicht gefällt.

Dennoch wächst weltweit die Unsicherheit: Droht in Syrien ein Krieg zwischen den USA und Russland? Und damit womöglich der Ausbruch eines weltweiten Konfliktes?

Immerhin hatte Trump verbal in Richtung Moskau gefeuert: “Russland hat geschworen, alle Raketen abzuschießen, die auf Syrien abgefeuert werden. Mach’ Dich bereit, Russland, denn sie werden kommen!”

Was ihr jetzt über den drohenden Knall wissen müsst – auf den Punkt gebracht.

1. Trump twitterte aus einer Laune heraus

Trumps bedrohlicher Tweet war offenbar nicht mit seinem engsten Sicherheitsstab abgesprochen.

Die Nachricht wurde am frühen Morgen amerikanischer Zeit veröffentlicht – kurz nachdem in Trumps Lieblingsfernsehsendung “Fox and Friends” für ein hartes Vorgehen der US-Führung gegen Syriens Diktator Baschar al-Assad plädiert wurde.

Trump gilt als impulsiv, als leicht beeinflussbar. Es wäre nicht die erste Entscheidung, die Trump aufgrund eines “Fox and Friends”-Berichtes trifft.

Laut einem Bericht der “Washington Post” waren Berater des US-Präsidenten überrascht über Trumps Worte. Sie seien “alarmierend und verwirrend”. Es gebe in der Regierung schon lange keine “proaktive Strategie” mehr.

Am Mittwochnachmittag seien vom Nationalen Sicherheitsrat mehrere Optionen ausgearbeitet worden, wie es nun weitergehen könne. Die USA sollen in stetigem Kontakt zu Israel, Saudi-Arabien, Frankreich und Großbritannien stehen.

2. Die Partner befürworten begrenzte Militärschläge

Denn nicht nur in den USA werden militärische Schritte gegen das Assad-Regime erwogen.

Das wirft der Westen Assad vor

Washington und andere westliche Länder machen Assads Regierung für einen mutmaßlichen Giftgasangriff auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Duma in Ost-Ghuta verantwortlich. Mehr als 30 Menschen starben bei dem Angriff.

Das Recherche-Portal “Bellingcat” kommt nach der Analyse von Videos und Augenzeugenberichten zu dem Schluss, dass höchstwahrscheinlich Chlorin eingesetzt wurde.

Der Gas-Zylinder soll aus einem Helikopter abgeworfen worden sein, der vom al-Dumair-Flughafen gestartet war. Die Basis nordöstlich von Damaskus wird von der syrischen Regierung genutzt.

► Die britische Premierministerin Theresa May berief für Donnerstag eine Sondersitzung des Kabinetts zur Syrien-Krise ein. Laut Medienberichten sollen britische U-Boote bereits in Position und Reichweite sein, um Marschflugkörper nach Syrien zu starten.

► Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte, Angriffe auf “chemische Kapazitäten” in Syrien seien möglich. Frankreich tausche sich mit Partnern aus, vor allem mit den USA und mit Großbritannien. “Wir werden unsere Entscheidung in den kommenden Tagen mitteilen.”

► Am Mittwoch forderte Israels Präsident Benjamin Netanjahu Schritte gegen Syrien. “Wir haben gesehen, dass syrische Kinder mit chemischen Waffen abgeschlachtet werden”, mahnte Netanjahu.

3. Russland lässt die Muskeln spielen

Der russische Botschafter im Libanon Alexander Zasypkin drohte damit, die in Syrien stationierten russischen Truppen würden jegliche Angriffe gegen das Regime vergelten und im Ernstfall auch gegen die Abschussbasen von Raketen vorgehen.

► Das könnte bedeuten: auch gegen US-Kriegsschiffe.

Dass hinter dem verbalen Muskelspiel eine tatsächliche Absicht steckt, einen Krieg mit den USA zu beginnen, ist jedoch zweifelhaft. Militärisch wäre Russland der westlichen Allianz weit unterlegen – nicht nur im nahöstlichen Raum.

4. Im Mittelmeer bahnt sich Bedrohliches an

Schon jetzt verlegen die Mächte große militärische Kapazitäten ins Mittelmeer – ob für den Ernstfall oder als Drohung. 

Auf engem Raum befinden sich im östlichen Mittlmeer nun US-amerikanische, französische und russische Kriegsschiffe, berichtet die “Bild”.

Zudem habe Großbritannien Tornado-Jets nach Zypern verlegt.

Die amerikanische “USS Donald Cook“ soll der russischen Fregatte “Admiral Grigorowitsch“ bedrohlich nah kommen.

► Als die USA zuletzt – im April 2017 – Raketen auf einen syrischen Militärflughafen schossen, starteten diese ebenfalls von einem US-Kriegsschiff im Mittelmeer.

Auf den Punkt gebracht

Noch hat das Weiße Haus nicht über militärische Schritte entschieden. Sollte Trump Luftangriffe gegen Assad befehlen, steht eine breite internationale Koalition gegen den syrischen Diktator bereit.

Auch wenn sich russische und westliche Schiffe im Mittelmeer derzeit bedrohlich nähern: Von einem Krieg sind Donald Trump und Wladimir Putin zu diesem Zeitpunkt aber noch weit entfernt.

(ben)