BLOG
04/06/2018 16:22 CEST | Aktualisiert 04/06/2018 16:22 CEST

Richard Strauss und seine Alpensymphonie

Sein gewaltiger Opus begeistert auch Basel

Die Alpensymphonie ist eine Wucht!

Wenn adäquat vorgetragen, wird sie zum Erlebnis, das nicht nur erfreut, sondern auch noch einige Zeit in einem nachhallt. Und während des Hallens hat man zwingend immer ein Lächeln auf dem Gesicht.

Richard Strauss, ein Münchner, Sohn eines Musikers und einer Bierbrauertochter, hatte eine so grosse Liebe zur Natur, dass er sich eine Villa in Garmisch Patenkirchen bauen liess, wo er die Bergmassive direkt vor Augen hatte. Die er auch beging.

Die Alpensymphonie wurde am 28.Oktober 1915 unter Strauss’ Leitung in Berlin uraufgeführt. Ihr Ursprung geht aber weit zurück, wahrscheinlich auf den 15jährigen Strauss, der eine eindrückliche Bergtour machte, dass er’ die ganze Partie auf dem Klavier dargestellt habe. Strauss: ,Natürlich riesige Tonmalereien und Schmarrn (nach Wagner).’ Dies hat sich verändert. Doch der Inhalt des Stückes, eine Bergtour vom Aufstieg noch vor der Morgendämmerung bis zum Abstieg durch ein starkes Gewitter und die Heimkehr am Abend sind geblieben. In dieser Tondichtung gibt es 22 Stationen, die für den Zuhörer deutlich zu erkennen sind.

Man geht durch den dunklen dichten Wald fühlt die Atmosphäre und hört die dortigen Geräusche, kommt auf einer Sonnen beschienenen Kuhwiese heraus und bemerkt das Gebimmel von deren Glocken. Schliesslich auf dem Gipfel ertönt zuerst nur eine Oboe, man verschnauft, nimmt langsam das Panorama wahr. Dann kommt der Rausch der Gefühle. Beim Abstieg kommt man in ein Gewitter, das sogar dem Konzertbesucher die Angst in die Adern treibt ob der durchdringenden Donnerschläge. Und zum Schluss findet man wieder nach Hause.

Fünfzig Minuten dauert diese Bergtour und ist absolut faszinierend. Es ist wie wenn man sich in den Wagen einer Achterbahn setzt und sich dann den Gewalten hingibt. Man wird gestreichelt, erschreckt, besänftigt, durchgeschüttelt und durch Schönheit wieder versöhnt. Strauss’ war ein Sinnenmensch und dies vermittelt er hier in Reinkultur.

Der Dirigent Heinz Drewanz und die Musiker des Basler Sinfonieorchesters hatten dies begriffen und performten mit Verve und grossem Einfühlvermögen. Vielleicht transportierten sie dabei zuviel, denn die beiden Damen vor mir hatten sich in der Pause ausgerüstet und picknickten während der ganzen Symphonie fröhlich und geräuschvoll. Der Rest von uns applaudierte zuerst und stärkte sich danach.