POLITIK
04/05/2018 18:05 CEST | Aktualisiert 04/05/2018 18:30 CEST

Er mag Spahn und twittert über Hitler: Trumps neuer Mann in Deutschland

Auf den Punkt.

dpa
Der Neue: Richard Grenell.

Richard Grenells Twitterfinger sitzen fast so locker wie die von Donald Trump.

Als US-Botschafter in Deutschland wird Grenell nun dessen oberster Lobbyist in Deutschland. Am Freitag wurde er vereidigt.

In dem sozialen Netzwerk äußert er Privates und Politisches.

Wer sich durch seine Timeline liest, erfährt vieles über den Botschafter. Vor allem aber lernt der Leser den Blick des Amerikaners auf Deutschland kennen. 

Trumps neuer Botschafter auf Twitter – auf den Punkt gebracht:

Grenell fordert von Deutschland eine härtere Außenpolitik Er mag Spahn und twittert über Hitler: Trumps neuer Mann in

Grenell vertritt wiederholt sehr iran-kritische und pro-israelische Positionen.

Nach dem gemeinsamen Militärschlag der USA, Frankreichs und Großbritanniens in Syrien schrieb er auf Twitter, dass Deutschland sich an dem Angriff hätte beteiligen sollen.

Und im Januar forderte er die Bundesregierung dazu auf, “Europa dabei anzuführen, gegen Menschenrechtsverstöße des Iran vorzugehen”.

Trump verteidigte er von Anfang an – auch gegen Hitler-Vergleiche Er mag Spahn und twittert über Hitler: Trumps neuer Mann in

Grenell äußerte sich schon positiv über Trump, als die meisten anderen Republikaner den politischen Newcomer noch rundweg ablehnten. Nicht nur als Kommentator beim US-Sender Fox News, sondern auch auf Twitter:

Hitler-Vergleiche für Trump wehrte Grenell auf Twitter immer regelmäßig ab. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton habe den Republikaner mit Hitler verglichen, schrieb er im September 2016. “Trump zeigte heute Abend 100 Millionen Amerikanern, dass sie falsch lag.”

Grenell ist ein Spahn-Fan

Er mag Spahn und twittert über Hitler: Trumps neuer Mann in

Für manche ist er ein großes Ärgernis, andere bewundern ihn als große Kanzlerhoffnung: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Einen mächtigen Fan hat er mit Grenell. 

Als Merkel ihre Minister für das Kabinett der neuen großen Koalition im Februar vorstellte, gratulierte Grenell auf Twitter nur einem: Spahn. “Jens, du wirst ein großartiger Gesundheitsminister für Deutschland sein”, schrieb Grenell.

Außerdem retweetete er kaum einen Politiker häufiger als den Christdemokraten.

Sexistische Angriffe auf Liberale und Demokratinnen

Er mag Spahn und twittert über Hitler: Trumps neuer Mann in

Im Wahlkampf 2012 war Grenell für kurze Zeit außen- und sicherheitspolitischer Sprecher des damaligen republikanischen Kandidaten Mitt Romney und löste mit bissigen und abfälligen Tweets über Frauen – zumeist Demokratinnen oder Liberale – Kritik aus.

Über die damalige First Lady Michelle Obama schrieb er, dass sie während des Workouts auf einen Teppich des Weißen Hauses schwitze. Später entschuldigte er sich für seine Tweets und löschte 818 Wortmeldungen aus seinem Account. 

Krebserkrankung im Jahr 2013

Er mag Spahn und twittert über Hitler: Trumps neuer Mann in

2013 wurde bei Grenell ein Non-Hodgkin-Lymphom, eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems, diagnostiziert.

Mit seinem langjährigen Lebensgefährten Matt Lashey entwickelte er danach eine Handy-App, die Patienten bei der Bewältigung ihrer Chemotherapie helfen soll.

Auf Twitter beschäftigt er sich intensiv mit der Erkrankung.

“Nach meinem Krebs bin ich stärker. Meine Hunde steuern mein Leben. Unvollkommener Anhänger Christi”: So überschreibt Grenell seinen Twitteraccount.

Sein letzter Tweet setzte er Ende April ab. “Es gibt keine schöneren Worte in Englisch als die des Arztes, der nach dem Check-up sagt: “Ihr Blutbild ist langweilig.” 

Grenell geht offen mit seiner Homosexualität um Er mag Spahn und twittert über Hitler: Trumps neuer Mann in

Grenell geht auf Twitter offen mit seiner Homosexualität um.

Als das Startup Grubub vor der US-Wahl seine Mitarbeiter dazu aufrief, Trump keine Stimme zu geben, schrieb er in dem sozialen Netzwerk: “Ich bin ein schwuler Mann in Manhattan und werde Grubhub nicht mehr nutzen, weil ich Intoleranz nicht unterstütze.”

Im Juli bedankte er sich bei den vielen Zuschriften, die er nach einem TV-Auftritt erhielt. “Schwule Konservative sind überall.”

Linken Homosexuellen wiederum wirft er häufig Intoleranz vor – auch wegen deren harter Kritik an Trump.

Auf den Punkt:

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Mit Grenell zieht ein Mann ins Botschaftsbüro am Brandeburger Tor, wie ihn Deutschlands Diplomatenszene selten gesehen hat.

So offen und provokant hausierte niemand vor ihm auf Twitter mit seiner Meinung. Ungewöhnlich für einen Botschafter – und ganz im Stile des neuen Präsidenten im Weißen Haus.