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08/02/2018 13:21 CET | Aktualisiert 08/02/2018 13:21 CET

Rezension zu "Das Lied der toten Mädchen" von Linus Geschke

 1997 wird auf dem Wilzenberg bei Schmallenberg im Hochsauerland die Leiche der 19-jährigen Sonja Risse gefunden. Sie trägt ein dünnes rotes Kleid, ist sorgfältig mit Laub bedeckt, und neben ihr steht eine Spieluhr, die das Schlaflied “Hush, little baby, don’t say a word” spielt. Die junge Frau wurde mit einem einzigen Stich ins Herz getötet, der Täter nie ermittelt.

Gegenwart: Für das Nachrichtenmagazin “Die Reporter” schreiben Jan Römer und seine Kollegin Stefanie “Mütze” Schneider über länger zurückliegende, ungeklärte Kriminalfälle.

Sie rollen den Mord an Sonja Risse neu auf, wobei sich ihre zentralen Fragen zunächst darum drehen, was für eine Person die Verstorbene war und welchen Bezug sie zu einem einsam im Wald gelegenen Gästehaus hatte.

Doch Jan Römers und Mützes Recherchen bringen kaum weiterführende Ergebnisse.

Erst als sie zwei Freundinnen der Toten ausfindig machen, kommt Bewegung in den Fall. Was spielte sich in dem geheimnisvollen Gästehaus ab, in dem alle drei arbeiteten, und was verbergen die Frauen, die aufgrund ihrer gemeinsamen Vergangenheit immer noch Angst zu haben scheinen? Nur zögerlich geben sie ein paar Informationen preis.

Resümee: Die Handlung setzt sich aus 2 Strängen zusammen, die regelmäßig wechseln - einem, der 1997 und einem, der in der Gegenwart spielt.

Dabei verläuft insbesondere das Gegenwartsgeschehen nicht linear, sondern enthält viele Schlenker, wobei sich Fiktion und Wirklichkeit vermischen - z.B. wenn es um den realen Mordfall Ulrich Schmücker (*1974) und die anschließenden Strafverfahren geht.

Dadurch werden immer wieder neue Fragen aufgeworfen, alternative Theorien entwickelt und neue Verdächtige ins Visier gerückt.

Die Auflösung erfolgt erst am Schluss ... und ist trotz aller “Irrungen und Wirrungen” erstaunlich einfach. Schade, dass der Klappentext diesbezüglich einen gravierenden Fehler enthält.

Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wodurch der Leser oft mehr als Jan Römer und Mütze weiß, was die Dramatik zusätzlich steigert. Die zum Teil düstere Stimmung trägt ein Übriges dazu bei. Überhaupt werden die atmosphärischen und menschlichen Stimmungen sehr authentisch wiedergegeben.

Erfrischend sind die oft humorvoll-schlagfertigen Dialoge zwischen Jan und Mütze sowie dem Ex-Boxer Arslan, der die beiden Journalisten auch diesmal wieder tatkräftig unterstützt.

Das Privatleben Jan Römers nimmt in diesem Band einen besonders breiten Raum ein - für mich manchmal einen zu breiten, obwohl dadurch natürlich auch menschliche Nähe zum Leser erzeugt wird.

Fazit: ein insgesamt gelungener 3. Band der Jan-Römer-Reihe.