WIRTSCHAFT
22/12/2017 11:40 CET

80 Kinder singen für Werbeaktion in Rewe-Markt - der Liedtext macht viele Eltern "fassungslos"

"Das ist Gehirnwäsche."

  • In Hannover hat die Supermarktkette Rewe Eltern und Schulbehörde gegen sich aufgebracht
  • Für eine Werbeaktion traten Kinder in einem Rewe-Markt auf und sangen ein umgedichtetes Weihnachtslied

Vorweihnachtlicher Unmut in Hannover: Dort hat die Supermarktkette Rewe 70 Grundschüler für Werbezwecke eingesetzt - sehr zur Empörung vieler Eltern und der Schulbehörde.

Vergangene Woche Mittwoch wurden die Zweitklässler um 12 Uhr mittags in den Rewe-Markt im Badenstedter Carré gebracht, um dort mit roten Mützen ausgestattet zwischen den Lebensmittelregalen ein Weihnachtslied zu singen.

Das alleine wäre noch kein allzu großer Aufreger. Original weihnachtlich war bei dem Lied aber nur die Melodie. Der Text von “Morgen Kinder wird’s was geben” war zu Werbezwecken umgedichtet worden. 

“So ein lust’ger Tag ist heute, weil wir jetzt bei Rewe sind”

“Heute Leute, wird’s was geben”, trällerten die Kleinen. “Mit Rewe können wir uns freu’n. Ein großer Scheck ist zu vergeben. Für’n guten Zweck, kommt alle rein! Heisa, heut im Rewe Markt.”

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Und weiter: “So ein lust’ger Tag ist heute, weil wir jetzt bei Rewe sind. Tanzen, singen, all die Leute. Kommt und macht doch mit geschwind! Schöne Wette, schöner Tag, heisa, heut im Rewe Markt. Rewe hat, was jeder mag, heisa, welch ein Freudentag!”

Der gute Zweck: Der Förderverein der Schule bekam für den Auftritt der Kinder 500 Euro. Laut “Spiegel Online” soll das Geld soll in ein Schulprojekt zur Gewaltprävention fließen.

Viele Eltern finden die Aktion offenbar dennoch nicht gelungen. “Wäre es ein ganz normales Weihnachtslied gewesen, hätte ich wahrscheinlich gesagt: Ich finde die Aktion nicht super, aber okay”, zitiert “Spiegel Online” ein betroffenes Elternteil. “Dieser Liedtext allerdings macht mich fassungslos.”

Kritik von der Schulbehörde

Vor allem, dass das Lied während der Schulzeit eingeübt und aufgeführt wurde, ärgert einige. “Den Unterricht von Zweitklässlern mit solchen Inhalten zu füllen, empfinde ich als Gehirnwäsche und halte ich für nicht tragbar”, sagte dasselbe Elternteil dem Portal.

Auch die niedersächische Schulbehörde sieht die Werbeaktion laut “Spiegel Online”-Bericht kritisch. “Die Proben und der Auftritt im Rewe-Markt hätten nicht während der Unterrichtszeit stattfinden dürfen”, zitiert das Portal die Behörde.

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“Aktionen des Fördervereins müssten nachmittags, außerhalb der Schulzeit durchgeführt werden und vor allem freiwillig sein. “Sie dürfen für Eltern und Kinder nicht wie eine schulische Aktivität wirken.”

Solche Aktionen, die sogenannten “Rewe-Wetten”, finden nach Konzernangaben schon seit vielen Jahren deutschlandweit statt. Gegen einen Scheck treten dabei nicht nur Schulklassen, sondern auch Vereine in verschiedenen Supermärkten auf.

Rewe sorgte schon in Hessen für Aufregung

Beschwerden habe es bislang keine gegeben, teilte Rewe “Spiegel Online” mit. Das Portal weist aber auch darauf hin, dass Rewe mit seiner Aktion in Hannover nicht zum ersten Mal in solcher Weise in die Kritik gerät.

In Hessen sei dieses Jahr eine Kampagne gestoppt worden, für die Schul- und Kitakinder Geschenke mit Rewe-Logo hätten bekommen sollen. Die Aktion nannte sich “Sauberhafte Rallye 2017” und sollte die Kinder in Sachen Umweltschutz schulen.

Eltern, die Lehrergewerkschaft GEW und der Verband LobbyControl aber schlugen Alarm und warfen Rewe vor, die Kinder während der Unterrichtszeit als Marketingmaßnahme zu benutzen.

(ks)