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01/02/2018 16:41 CET | Aktualisiert 01/02/2018 16:53 CET

NDR-Moderatorin Reschke rechnet mit dem deutschen Fernsehen ab

"Die Branche hat nichts zu sagen."

ullstein bild via Getty Images
NDR-Moderatorin Anja Reschke 
  • Nach Jan Böhmermann kritisiert nun auch NDR-Moderatorin Anja Reschke den Deutschen Fernsehpreis
  • Anstatt die Vorwürfe gegen Dieter Wedel zu thematisieren, habe man “Troddeln auf den Brüsten und Bananen um die Hüften” gezeigt

Es war ein starkes Statement: Als in Los Angeles vor kurzem die “Golden Globes” verliehen wurden, erschien die überwältigende Mehrheit der Gäste in schwarz – um gegen die Kultur des sexuellen Missbrauchs in Hollywood Position zu beziehen. 

Deutschland hingegen versäumt es, sexuellen Missbrauch in der Film- und Fernsehbranche zu thematisieren, wie NDR-Moderatorin Anja Reschke in einem schonungslosen Kommentar darlegt:

“Auf die Idee muss man erst mal kommen: Einen Tag, nachdem weitere Vorwürfe zu sexuellen Übergriffen von Dieter Wedel – immerhin ein Fernsehregisseur – veröffentlicht wurden, fällt den Veranstaltern des Fernsehpreises nichts Besseres ein, als mal ordentlich die Puppen tanzen zu lassen – mit Troddeln auf den Brüsten und Bananen um die Hüften.”

Denn: Die Preisverleihung eröffnete mit einer Showeinlage, bei der leichtbekleidete Frauen neben Moderatorin Barbara Schöneberger über die Bühne hüpften. 

Nach ZDFneo-Moderator Jan Böhmermann kritisiert nun also auch Fernsehjournalistin Anja Reschke die Veranstaltung – und fällt ein vernichtendes Urteil: “Die Fernsehbranche hat nichts zu sagen.”

Statt Wedel-Kritik gibt es halbnackte Frauen

Denn obwohl die Vorwürfe auch hierzulande schwer wiegen – allen voran gegen Fernsehregisseur Dieter Wedel – fanden sie bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises am vergangenen Freitag mit keinem Wort Erwähnung. 

Auch der Rest des Abends sei von schlechtem Ton und platten Witzen geprägt gewesen. 

Mehr zum Thema: Vor 21 Jahren gab Dieter Wedel ein Interview – es ist verstörend

Nicht zuletzt habe der Fernsehpreis noch einmal verdeutlicht, “dass die Fernsehbranche nach wie vor eine männliche” sei. Schließlich gingen alle Preise, ausgenommen in den Kategorien “Beste Schauspielerin” (Julia Jentsch) und “Beste Moderation” (Marietta Slomka) an Männer. 

“Was ist mit den Frauen?”, will Reschke wissen – zurecht. 

Dass der Deutsche Fernsehpreis nicht im Fernsehen übertragen wurde sei “natürlich ein Witz”, aber angesichts dieser Tatsachen vielleicht auch ganz gut, ist Reschkes Fazit. 

(ks)