LIFE
18/10/2018 09:48 CEST | Aktualisiert 18/10/2018 13:56 CEST

Rentner nimmt Kaffee aus dem Müll und wird dafür verurteilt

Der Staatsanwalt habe dem 76-Jährigen besonders schweren Diebstahl vorgeworfen.

Srdjanns74 via Getty Images
Vorsicht: Wer Müll klaut, kann bestraft werden. (Symbolbild)
  • Vergangenens Jahr hat ein 76-jähriger Kölner Kaffee-Packungen aus dem Müllcontainer eines Supermarkts gestohlen.
  • Jetzt musste er sich dafür vor Gericht verantworten und wurde zu einer Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt.

18 Millionen Tonnen – so viel wiegen die Lebensmittel, die in Deutschland laut einer Studie des World Wide Fund for Nature (WWF) jährlich im Müll landen.

Wer nun glaubt, bei der Menge verschwendetem Essen wären Supermärkte und Restaurants froh über dankbare Abnehmer, liegt falsch. Ein Fall aus Köln beweist: Wer Müll klaut, kann dafür sogar bitter bestraft werden.

Es ereignete sich im Februar vergangenen Jahres: Der 76-jährige Harald F. aus Köln ging an einem Supermarkt-Müllcontainer vorbei und nahm sich daraus mehrere Päckchen Kaffee, berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger.

Dies habe der Kaufhaus-Techniker jedoch bemerkt und der Polizei gemeldet – weshalb sich der Rentner nun vor dem Kölner Amtsgericht verantworten musste. Laut Bericht wurde er zu einer Geldstrafe von 300 Euro auf Bewährung verurteilt.

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Zum Verkauf hätten die Päckchen nicht mehr angeboten werden können

Der Staatsanwalt habe dem 76-Jährigen sogar besonders schweren Diebstahl vorgeworfen – ein Tatbestand, der erfüllt ist, wenn ein Dieb “zur Ausführung der Tat in ein Gebäude, einen Dienst- oder Geschäftsraum oder in einen anderen umschlossenen Raum einbricht”.

Der Kölner Rentner sehe das jedoch anders.

Wie der Stadt-Anzeiger schreibt, habe Harald F. beteuert, er sei lediglich durch eine Lücke im Zaun auf das Kaufhaus-Gelände und durch eine offene Türe zum Müllcontainer gelangt.

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Die Kaffee-Päckchen seien laut Verteidigung bereits angestochen gewesen,  zum Verkauf hätten sie somit nicht mehr angeboten werden können.

Müll hin oder her – der Kaffee habe “im Eigentum der Firma gestanden“

Vielleicht auch der Grund, warum der Amtsrichter die besondere Schwere des Diebstahls letztendlich verneinte.

Die kriminelle Energie, sich an weggeschmissenen Lebensmitteln zu bedienen, ist eher gering“, sagte der Amtsrichter laut Kölner Stadt-Anzeiger im Prozess. Trotzdem wurde Harald F. wegen einfachen Diebstahls zu einer Geldstrafe von 300 Euro verurteilt, heißt es im Bericht.

Müll hin oder her – der Kaffee habe “im Eigentum der Firma gestanden“.

Und dieses Eigentum schmeißen so manche Supermärkte offenbar lieber weg, als es zu verschenken.

(nc)