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27/12/2017 15:17 CET | Aktualisiert 27/12/2017 15:24 CET

Ich muss von 60 Euro im Monat leben - nur mein Traum hält mich davon ab, mein Leben zu beenden

Meine Einnahmen liegen weit unter dem Existenzminimum

dpa

Manchmal würde ich mich gerne auf die Straße legen. Und nie wieder aufstehen. Weil ich krank und arm bin - und niemanden habe.

Ich lebe von knapp 60 Euro im Monat - wobei ich das mittlerweile nicht mehr als “Leben” bezeichnen kann.

Ich bin 61 Jahre alt. Seit 2011 ging es für mich nur noch bergab - körperlich und psychisch.

Ich habe mein Leben lang schwer gearbeitet - als Fliesenleger, Steinmetz und schließlich als Gärtner. Vor sieben Jahren hat mein Körper dann gestreikt.

Meine Einnahmen liegen weit unter dem Existenzminimum

Ich erlitt einen Bandscheibenvorfall und konnte in meinen gelernten Berufen nicht mehr arbeiten. Seitdem bekomme ich eine Erwerbsunfähigkeitsrente in Höhe von 601 Euro. Netto bleiben mir 533 Euro.

470 Euro gehen davon für die Miete weg. Damit bleiben mir 63 Euro, mit denen ich einkaufen kann.

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Meine Einnahmen liegen weit unter dem Existenzminimum in Deutschland. Das lag 2017 bei 8820 Euro pro Jahr - pro Monat bei 735 Euro. Ich wäre froh, wenn ich so viel Geld zu Verfügung hätte.

Manchmal hole ich mir Essen bei der Tafel. Angenehm ist das bei uns in Hessen jedoch nicht - die Einkäufer prügeln sich jedes Mal fast um die Lebensmittel.

Meistens kaufe ich deshalb im normalen Supermarkt  - aber nur das Billigste vom Billigsten. Ich kann kochen, aber die Möglichkeiten sind mit meinem kleinen Budget begrenzt.

Weihnachten und Geburtstag ist bei mir in den letzten Jahren ausgefallen. Solche Feste kann ich mir nicht leisten. Außerdem habe ich eh niemanden, mit dem ich feiern könnte. Meine Eltern und die meisten Verwandten sind tot. Kinder habe ich keine.

Teile meines Nervensystems sind zerstört

Armut und Einsamkeit machen mir zu schaffen - noch mehr aber mein Gesundheitszustand. Vor drei Jahren erlitt ich einen Hirninfarkt, der Teile meines Nervensystems zerstört hat. Im rechten Bein habe ich seitdem kein Gefühl mehr. Manchmal setzt kurzzeitig eine völlige Gehbehinderung ein. Die bleibt dann für einige Minuten, in denen ich mich überhaupt nicht bewegen kann.

Außerdem habe ich oft tagelang Kopfschmerzen und Schwindelgefühle. Die Ärzte wissen nicht, woran das liegt und wie sie mir helfen können.

Die Beeinträchtigung macht meinen Alltag zu einer einzigen Herausforderung. In meiner Wohnung habe ich eine Wendeltreppe. Seitdem ich nur noch schwer in den ersten Stock komme, habe ich begonnen, mich nach einer neuen Wohnung umzusehen.

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Einfach war das nicht. Meine finanzielle Situation schreckte einige Vermieter ab.

Vor wenigen Wochen habe ich jedoch in Norddeutschland, meiner früheren Heimat, einen schönen Hof gefunden, in dem ich eine kleine Wohnung für knapp 300 Euro mieten könnte.

Jetzt könnte ich bald ohne Dach über dem Kopf dastehen

Ich war glücklich. Ich dachte, endlich gehe es bergauf.  Also habe ich meine alte Wohnung gekündigt.

Jetzt könnte ich jedoch bald ohne ein Dach über dem Kopf dastehen. Viel zu spät forderte der neue Vermieter eine Kaution, die ich mir unmöglich leisten kann. Bis Silvester muss ich aber aus meiner alten Wohnung ausziehen.

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Ich bat das Sozialamt der neuen Stadt und die Diakonie um Hilfe. Vor Weihnachten wollte sich jedoch niemand mit mir und meinem Fall befassen.

Wie es jetzt weitergeht, weiß ich nicht.

Vielleicht muss ich mich auf Obdachlosigkeit gefasst machen. Vielleicht komme ich doch noch in einem Sozialwohnheim unter.

Ich habe einen Traum

In letzter Zeit habe ich oft darüber nachgedacht, mein Leben zu beenden. Ich habe Geldsorgen und fast immer Schmerzen. Ich kann nicht mehr.

Ich glaube in meiner Situation ist es okay, solche Gedanken zu haben. Immerhin ziehe ich mich selbst jedes Mal wieder hoch. Denn ich klammere mich an einen Traum:

Wieder auf dem Land zu leben, vielleicht mit einem kleinen Hund oder einem Kätzchen. Und mit etwas mehr Geld in der Tasche. Nicht viel mehr - ich will mich nur nicht mehr jeden Tag um meine Existenz sorgen müssen.

Diesen Traum gebe ich auch in meinen dunkelsten Momenten nicht auf.

(fk)