POLITIK
02/08/2018 21:09 CEST | Aktualisiert 02/08/2018 21:20 CEST

Regensburg: Afghane sorgt für Polizeieinsatz – der ruft nun Empörung hervor

"Was ist das für ein dystopischer Irrsinn?"

Gary Cook / robertharding via Getty Images
Der Regensburger Dom.
  • Eine harmlose Beobachtung eines Passanten hat in Regensburg zu einem Polizei-Großeinsatz geführt.
  • Letztlich entpuppte sich der Terrorverdacht aber als Fehlalarm – dennoch hagelt es nun Kritik an der Polizei. 

Die Polizeimeldung aus Regensburg klingt wenig außergewöhnlich. Nüchtern heißt es in der Überschrift: Verdächtige Person am Domplatz”.

Doch das Geschehen, das sich am Dienstag im mittelalterlichen Zentrum der oberpfälzischen Großstadt abspielte, hat es in sich. Zeigt doch der Vorfall, der sich zu einem Polizeieinsatz mit Terrorverdacht heraufschraubte, wie hysterisch mittlerweile Teile der Bevölkerung auf Ausländer reagieren. Und welche absurden Auswirkungen das auch auf die Arbeit der Polizei hat. 

Was war passiert?

Am Dienstagmorgen, kurz nach 7 Uhr, erreichte die örtliche Polizei der Anruf eines besorgten Bürgers: Demnach hielt sich ein Mann “mit arabischem Aussehen” – wie sich später herausstellte, ein 20-jähriger Afghane aus Niederbayern – während der Frühmesse im Dom auf. 

► Das Problem: Aus seiner Kleidung sollen Drähte herausgehangen haben, “die zu einer Auswölbung an der Kleidung führten”, wie die Polizei schreibt. Das führte zu einem Polizeigroßeinsatz, in dessen Folge Beamte den Mann mit vorgehaltener Waffe aufforderen sich hinzulegen. Er sei “mit der gebotenen Vorsicht angesprochen und für weitere Überprüfungen fixiert” worden, teilte die Polizei mit.

Zugleich wurde der Dom und der Domplatz geräumt, der Bereich weiträumig abgesperrt. Laut der “Mittelbayerischen Zeitung” (“MZ”) wurde sogar einen SEK-Einsatz diskutiert. 

Wie sich herausstellte, war der Afghane völlig harmlos: Die Drähte entpuppten sich als Kopfhörer, die Ausbeulung als Getränkeflasche. Gefährliche Gegenstände fand die Polizei nicht. Sie ermittelt auch nicht gegen ihn.

Passant habe “alles richtig gemacht”

Dennoch sorgen nun gleich mehrere Aussagen der Polizei für Empörung. Gegenüber der “MZ” lobte nämlich Polizeisprecher Albert Brück das Vorgehen des Passanten, der den ganzen Einsatz erst ausgelöst hatte: “Er hat alles richtig gemacht.”

Brück erklärte zudem, auch für die ersten eingetroffenen Polizisten habe der Mann verdächtig ausgesehen. Mehr noch: Nachdem die Polizei ihn in Gewahrsam genommen hatte, wollten sie wissen, ob der Afghane sein verdächtiges Aussehen “bewusst herbeigeführt hat”

Ein Vorwurf, der sich letztendlich als haltlos herausstellte. Der Journalist Hanning Voigt kritisiert auf Twitter: “Wenn du ‘arabisch aussiehst’ und Kopfhörer bei dir hast, kann das in Regensburg schon mal für einen Anti-Terror-Großeinsatz reichen. Und der paranoide Hinweisgeber wird am Ende noch von der Polizei gelobt.”  

► Auch ein weiterer Twitter-Nutzer kritisiert die Polizei für ihr Lob.

► Für einen dritten Nutzer zeigt der Vorfall schlicht Alltagsrassismus.

► Ein Nutzer fasst das Verhalten und die Aussagen der Polizei mit wenigen Worten zusammen: “Was ist das für ein dystopischer Irrsinn?”