POLITIK
28/08/2018 21:10 CEST | Aktualisiert 29/08/2018 13:33 CEST

Rechte zeigten in Chemnitz dieses Plakat – alles daran ist gelogen

Wie schäbig ist das denn?

  • In Chemnitz haben rechte Demonstranten Bilder verprügelter Frauen auf einem Plakat gezeigt.
  • Für die schlimmen Taten waren jedoch nicht – wie suggeriert – Migranten in Deutschland verantwortlich.
  • Das erschreckende Video oben zeigt hautnah, wie der rechte Mob in Chemnitz agierte.

“Wir sind Bunt bis das Blut spritzt” (alle Fehler im Original, d. Red) hatten rechtsradikale Demonstranten auf ein Plakat gedruckt, das sie am Montag in Chemnitz zeigten.

Darauf zu sehen: Die Gesichter von zwölf offensichtlich zusammengeschlagenen Frauen. 

Screenshot

Die Demonstranten suggerierten damit, dass Migranten die Frauen verprügelt hätten, weil Deutschland sie aus falscher Toleranz einreisen gelassen habe.

Das Bild machte in sozialen Netzwerken die Runde, auch das Jüdische Forum veröffentlichte Aufnahmen der Neo-Nazis, die das Banner am Karl-Marx-Platz ausgerollt hatten. Einer der Männer zeigte darauf einen Hitler-Gruß.

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Als wäre das nicht schandhaft genug, kommt nun heraus: Das Motiv des Plakates ist nicht nur politisch fragwürdig, sondern schlichtweg völlig an den Haaren herbeigezogen.

Viele Britinnen und ein Mann

Die bekannte Fact-Checking-Webseite “Mimikama.at” fand heraus: Mit Migrantengewalt in Deutschland haben die gezeigten Bilder auf dem Plakat nichts zu tun. 

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“Mimikama” hat die Quelle aller auf dem Banner gezeigten Fotos der Frauen rekonstruiert. Die Frau rechts oben ist so etwa Amy Rae Ferris aus Großbritannien. Sie wurde 2013 von einer anderen Frau verprügelt.

Die leicht an der Nase blutende blonde Frau in der mittleren Reihe ist kein Opfer von Gewalt – sondern offenbar ein Make-Up-Model.

Die meisten Frauen auf dem Plakat kommen den Recherchen der Fact-Cheking-Seite aus Großbritannien. Viele wurden tatsächlich von Männern geschlagen – nicht aber von Migranten in Deutschland.

Besonders skurril: Die Person in der mittleren Reihe rechts ist nicht einmal eine Frau – sondern der Professor Paul Kohler aus London, der von Einbrechern in seiner Wohnung verprügelt wurde.

Den Rechtsextremen in Chemnitz – das zeigt sich hier – war wohl jede Lüge recht. Egal, wie billig sie ist.

  • Übrigens: Gewalt gegen Frauen ist in Deutschland tatsächlich ein großes Problem. Meist sind die Täter aber keine Fremden, sondern Bekannte des Opfers, oft sogar der Partner. 
  • Im Jahr 2016 wurden 149 Frauen sogar von ihrem Partner ermordet oder totgeschlagen. Der häufigste Tatort von Gewalt gegen Frauen sind nicht etwa dunkle Gasse oder die offene Straße, sondern die eigene Wohnung.
  • ► Mehr dazu im “Tagesschau”-Faktenfinder.
  • Christian Walburg, Kriminologe an der Uni Münster, sagte zuletzt: “Insgesamt werden Frauen heute seltener Opfer eines sexuellen Übergriffs als noch vor 20 Jahren, die Vorstellung, dass Frauen sich heute nicht mehr auf die Straße trauen können, ist objektiv falsch.”