POLITIK
29/03/2018 10:49 CEST

Religiöses Mobbing: Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor fordert Nachsitzen

Sie fordert mehr Einsatz der Eltern und der Politik.

ullstein bild via Getty Images
Die Lehrerin und Islamwissenschaftlerin Lamy Kaddor

► Die Islamwissenschaftlerin und Pädagogin Lamya Kaddor will Eltern und Politik in die Pflicht nehmen, um religiöses Mobbing und religiös motivierte an Schulen zu bekämpfen.

► Im Gespräch mit dem “Stern” empfiehlt sie, Eltern bei der Anmeldung des Kindes an der Schule unterschreiben zu lassen, dass sie die Schulordnung gelesen haben.

“Darin müsste stehen, dass jegliche Diskriminierung von Minderheiten sanktioniert wird.” Als Strafen schlägt die islamische Religionslehrerin, die wegen Drohungen seit einiger Zeit nicht arbeiten kann, Nachsitzen, Ausschluss vom Unterricht oder Schulverweis vor. 

► Den Vorschlag des Grünen-Politikers Cem Özdemir, verpflichtende Elternabende einzuführen, hält sie für nicht ausreichend. Da werde zu oft freundlich genickt, ohne dass das Thema ernstgenommen werde.

► Kaddor fordert, dass nicht die Schulen, sondern die Bildungsministerien dieses Vorgehen festlegen und Fälle von Diskriminierung erfassen. “Der verpflichtende Erlass muss von oben kommen, damit sich die Schulleitungen nicht herausreden können.” Denn sonst versuchten Schulleiter aus Sorge um den Ruf solche Vorfälle zu verschweigen.

► Außerdem müssten Lehrer in der Ausbildung auf den Umgang mit dem Thema vorbereitet werden.

Das ist der Hintergrund:

Am Wochenende hatte die “Berliner Zeitung” über eine Familie mit einem jüdischen Elternteil berichtet, deren Tochter in der Grundschule von muslimischen Mitschülern massiv bedroht worden war, weil sie nicht an Allah glaubt.

Da religiöses Mobbing in Berlin kein Einzelfall ist, hat das Thema nun bundesweit Wellen geschlagen.

Das sagt Kaddor noch zum Thema:

Kaddor weist darauf hin, dass Diskriminierung viele Gruppen betreffe, Juden, Muslime, Homosexuelle, Sinti und Roma. Und dass der Hass auf Minderheiten nicht nur Brennpunktschulen betreffe, sondern auch Elite-Einrichtungen.

(tb)