POLITIK
25/09/2018 18:38 CEST | Aktualisiert 25/09/2018 18:57 CEST

Ralph Brinkhaus: Das ist der Mann, der den Merkel-Vertrauten stürzte

Der Revoluzzer aus Westfalen.

dpa
Steht spätestens seit Dienstagnachmittag im Rampenlicht: Ralph Brinkhaus, der neue Unions-Fraktionschef.
  • Die Wahl von Ralph Brinkhaus zum neuen Unions-Fraktionschef ist eine Überraschung. 
  • Doch wer ist der 50-Jährige? Und was hat er vor?

Der große Jubel nach dem Coup ist ausgeblieben. Ralph Brinkhaus freute sich “riesig” über seine Wahl zum neuen Unionsfraktionschef. Zugleich würdigte er seinen unterlegenen Vorgänger Volker Kauder.

Jetzt gehe es darum, schnell wieder an die Arbeit zu kommen. “Wir haben anspruchsvolle Projekte vor uns.” Die Menschen erwarteten, an der Sache zu arbeiten – ein Wink in Richtung Kanzlerin Angela Merkel?

Klar war schon von der Kampfabstimmung, die Brinkhaus knapp mit 125 zu 112 Stimmen gewann, dass der “Revoluzzer” neuen Schwung in die Fraktion bringen wollte. Doch wie schauen die Pläne des 50-Jährigen aus? 

“Ich kandidiere für neuen Schwung in der Fraktion”

Für wen das Herz von Ralph Brinkhaus schlägt, zeigt schon ein flüchtiger Blick auf seinen Schreibtisch. Da steht ein weißer Keramik-Geißbock. Der Westfale ist auch Mitglied im 1. FC Köln Fanclub des Bundestags, der “Koalition Rut-Wiess”. 1968 in Rheda-Wiedenbrück geboren, wagte Brinkhaus eine kleine Revolution – aus der er am Ende siegreich hervorging. 

Brinkhaus suchte die Kampfabstimmung gegen Kauder. Brav hatte der bisherige stellvertreter Brinkhaus vorab die Kanzlerin und Kauder über sein Vorhaben informiert. Wie in den Tagen vor der Wahl, verlor Kauder auch nach dem Sieg kein böses Wort. Er ist auch nicht der Typ, der in den Hinterzimmern um Stimmen feilscht.

Brinkhaus’ Programm: Nach 13 Jahren Kauder brauche es neue Köpfe, Aufbruch, frischen Wind. “Ich kandidiere für neuen Schwung in der Fraktion, nicht gegen die Kanzlerin”, hatte er betont. Der Ausgang der Wahl ist nun fraglos ein Indiz dafür, wie groß der Unmut in der Union ist: gewaltig.

“Auch mit jenen ins Gespräch kommen, die sich von uns abgewandt haben”

Brinkhaus meint, man müsse viel stärker für den Zusammenhalt im Land kämpfen – aber nicht mit immer höheren Sozialleistungen. “Wir können die Gräben in der Gesellschaft nicht mit Haushaltsmitteln zuschütten.”

Anders als Kauder, der sich anfangs niemals mit AfD-Politikern in eine Talkshow setzen wollte, will Brinkhaus verstärkt “mit jenen ins Gespräch kommen, die sich von uns abgewandt haben”. Auch im Mittelstand gebe es immer mehr Protestwähler, “um die wir uns stärker als bisher kümmern müssen”, sagte Brinkhaus.

Er hat sich als Finanz- und Haushaltspolitiker einen Namen gemacht, leise und freundlich im Ton, durchsetzungsstark in der Sache. In die CDU kam er schon zu Schulzeiten über die Junge Union. Anfangs wurde er für seine Kandidatur belächelt, doch westfälisch-stur zog er das Ding durch.