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26/12/2017 17:14 CET | Aktualisiert 26/12/2017 21:35 CET

Forscher legen antikes Grab frei - und werden bei dem Fund emotional

Der Fund könnte es nötig machen, die Geschichte umzuschreiben.

Courtesy of The Department of Classics University of Cincinnati
Die Archäologin Shari Stocker steht im Grabmal des Griffin-Kriegers. 
  • Einem Forscherteam der Universität in Cincinnati ist ein bemerkenswerter Fund gelungen
  • Die Archäologen haben ein Schmuckstück gefunden, das bisherigen Erkenntnissen über die griechische Geschichte widerspricht

Griechenland, das Land der Mythen und der Demokratie. Noch immer ist nicht alles über die Geschichte des Landes von Zeus und Co. bekannt - Archäologen aus aller Welt arbeiten allerdings daran, das zu ändern. 

Dazu gehört auch ein Forscherteam der Universität im amerikanischen Cincinnati. Die Archäologen gruben vor zwei Jahren im Südwesten Griechenlands und stießen auf ein Grabmal. Darin befanden sich mehrere Schmuckstücke - eines davon könnte historisch sehr wertvoll sein. 

Die Ausgrabung fand in der Nähe des Nestor-Palastes in Pylos statt. Das mächtige Gebäude, dessen Grundmauern noch erhalten sind, soll einst dem Herrscher Nestor gehört haben. In Homers Ilias agierte er als weisester Berater des Königs Agamemnon. 

Viel Schmuck im Krieger-Grab

Während der Expedition fand das Team um die Historiker Sharon Stocker und Jack Davis das sogenannte Griffin-Krieger-Grabmal, in dem sich unter anderem Grabbeigaben wie goldene Ohrringe befanden. Und ein sehr bedeutender Siegelstein. Der fiel den Forschern allerdings erst ein Jahr später in die Hände. 

Zum Zeitpunkt der Grabung war das Stück komplett mit Erde verkrustet - sein historischer Wert nicht sichtbar für die Experten. 

Courtesy of The Department of Classics University of Cincinnati
So sah der Siegelstein aus, bevor er sauber gemacht wurde.

Es dauerte ein Jahr, bis der Siegelstein, der nur 3,6 Zentimeter groß ist, professionell von dem Schmutz befreit werden konnte. Die Forscher seien “schockiert” von dem Anblick auf dem Schmuckstück gewesen, wie die Universität in einer Pressemitteilung veröffentlichte. 

 

Courtesy of The Department of Classics University of Cincinnati

“Er hat Leute zum Weinen gebracht”

“Es war so eine bewegende Erfahrung, das Bild zum ersten Mal zu sehen, und das ist es auch immer noch”, sagte Stocker. “Er hat einige Leute zum Weinen gebracht”, sagte Stocker über den Stein. 

“Das Faszinierende daran ist, wie der menschliche Körper dargestellt ist. So viel Detailreichtum findet man normalerweise erst bei Kunstwerken, die 1000 Jahre später entstanden sind.” Auch deswegen gilt der Stein schon jetzt als “eine der wertvollsten Arbeiten prähistorischer griechischer Kunst, die jemals entdeckt wurden.”

Neben den Gebeinen des Toten fand sich Schmuck, ein reich verziertes Schwert und Edelsteine. Das Grab gilt bis heute als außergewöhnlich - der Fund überstrahlt alle anderen Entdeckungen der vergangenen Jahrzehnte auf dem griechischen Festland. Das Grab ist vermutlich älter als 3000 Jahre.

“Wohl seit den 1950ern haben wir nicht so ein reichhaltiges Grab gefunden”, sagte US-Archäologe James Wright zu dem Fund. 

Siegelstein zeigt vermutlich eine heroische Kampfszene

Vermutlich zeigt die Szene auf dem Stein eine heroische Kampfszene, die auf den mykenischen oder minoischen Kulturkreis schließen lässt. 

Die Mykener lebten zwischen 1600 bis 1100 vor Christus und gelten als erste Hochkultur des europäischen Festlandes. Allerdings lässt sich die Periode in mehrere Zeiten unterteilen, die auch von der Geographie abhängen. 

Die Minoer lebten auf der Insel Kreta zwischen 2600 und rund 1450 vor Christus. 

Lange gingen Forscher davon aus, dass Mykener und Minoer Feinde waren. Dieser Fund könnte die These allerdings widerlegen.

Das Grab legt nahe, dass der Siegelstein des mykenischen Kriegers auf Kreta hergestellt und von den Minoern importiert wurde. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass die beiden Kulturen im Austausch standen.

Von den über 3000 Stücken, die in dem Grab gefunden wurden, sind immer noch nicht alle genauer untersucht. Auf das Archäologenteam werden sicherlich noch einige weitere Überraschungen zukommen. Wissenschaftler Stocker geht jedenfalls fest davon aus. 

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 (sk)