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10/07/2018 09:50 CEST | Aktualisiert 10/07/2018 11:19 CEST

Verbotene Solidarität mit Schwulen: Wie Aktivisten Russlands Polizei austricksen

Sechs junge Menschen werben in Russland für Solidarität mit Homosexuellen.

Valery Sharifulin via Getty Images
Polizisten vor dem Fußballstadion in Moskau. 
  • LGBT-Aktivisten haben in Russland mit einem Trick Gesetze gegen Homosexuelle umgangen. 
  • Sie liefen als lebende Regenbogenflagge durch Moskau – unter den Augen von Polizisten.

Russlands Präsident Wladimir Putin hasst Homosexuelle. So sehr, dass in Russland per Gesetz “homosexuelle Propaganda” verboten ist.

Ein dehnbarer Begriff. Das heißt: Wenn Polizisten übel gelaunt sind, können sie schon gegen Menschen vorgehen, die nur die Regenbogenflagge schwenken, Symbol der LGBT-Bewegung.

Sechs Menschen, sechs Trikots, eine Flagge

Sechs Aktivisten aus den Niederlanden, Spanien, Brasilien, Mexiko, Argentinien und Kolumbien haben beschlossen, während der Fußball-WM in Russland ein Zeichen gegen Homophobie zu setzen. Und die Flagge trotzdem zu zeigen. Mit Hilfe eines Tricks.

Sie zogen sich die Fußball-Trikots mit den Farben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Lila an und liefen so durch Moskau.

Fotos zeigen die sechs etwa auf dem Roten Platz der russischen Hauptstadt.

Mal schlendern sie über Plätze, mal haben sie eben eine Sicherheitskontrolle mit Polizeipräsenz passiert, mal stehen sie vor einem Auto, daneben ein Motorrad-Polizist mit skeptischem Blick.

Last but not least, out of this scary, marvelous, cool, humbling experience. I got to meet what I can now call my gay/straight brothers and sisters in arms. Beautiful, good hearted, strong people. 3 days with you keeping the flag in order always being last in everything, taught me more than a life time of what I can now call gay privilege. @epjunior such a calm soul, always not on purpose making us laugh. Still displaying toughness when needed (you know what specific moment I mean) @guille_leon the definition of good, no malice, no hidden motives, saying what you mean therapeuting me off of the ledge. @edea one of the strongest people I have ever met, teaching me I need to be more involved in the fight for the LGBTI rights. @_vaneferrario_ tied in strength and tenderness, kept my “paranoid crazy feelings” in check, if I never said it, thank you! @erichouter the straighty of the group, :) you showed me what a good ally is, will never forget your laugh, and the amount of food you can consume, “wanna share” hahaha. @tles such a good photographer, such a good person, thanks for the patience with my hyperactive fits and my AD unsolicited advice @michicassis thanks for the passion and direction I know I made jokes but we needed it! @pedrosattin one of the most creative people I have met, keep up the good work dude. @ines_massa thanks for the organization and saving my ass from having to stay in Russia for forever. So many more people to thank so little space, let’s keep the #thehiddenflag movement going. let’s be proud every day. #pride #colombiatupapá

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Der Niederländer Eric Houter schreibt auf der Website der Aktivisten, er sei weder homo- noch bisexuell, sondern für seinen – offenbar schwulen – Bruder eingesprungen, der eigentlich habe mitmachen wollen und nun verhindert sei. 

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“Als ich begriffen hatte, welche Gefahr und welchen Druck es bedeutet, so herumzulaufen, hat mich das bestätigt. (...) Wir brauchen Heterosexuelle, die dafür kämpfen. (...) Das Herz ist groß und sollte frei sein.”

“Es ist ein Aufruf zur Liebe”

Der Brasilianer Eloi Pierozan Junior schreibt, das sei das emotionalste Projekt, an dem er je teilgenommen habe. “Ich hoffe, es berührt die Herzen viele Menschen. Es ist ein Aufruf zur Liebe.”

Nachahmer, die die Aktion unter dem Hashtag #HiddenFlag weiterführen, scheint es zwar noch nicht zu geben. Aber Medien weltweit sind aufmerksam geworden und feiern die Idee.