POLITIK
16/07/2018 22:07 CEST | Aktualisiert 17/07/2018 11:52 CEST

Nach Treffen mit Putin: Karte zeigt fatalen Fehler, den Trump zu machen droht

Die HuffPost-These.

Sputnik Photo Agency / Reuters

Es waren heftige Reaktionen.

Nach dem ersten Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin zerreißen US-Journalisten, Experten und Politiker den Auftritt Trumps in Helsinki.

“Die heutige Pressekonferenz war eine der schändlichsten Aufführungen eines amerikanischen Präsidenten seit Menschengedenken”, teilte etwa der republikanische Senator John McCain mit. Der Gipfel sei “ein tragischer Fehler” gewesen.

Trump hofierte Putin wie einen großen Mentor, schoss gegen die amerikanischen Geheimdienste, versprach dem Russen eine bessere Kooperation. Alles ohne ein Wort der Kritik.

Es war eine hochpeinliche Show amerikanischer Unterwerfung vor einem Autokraten. Eine erschütternde Erinnerung daran, dass Trump Werte nicht einmal dann verteidigen will, wenn es um das Wohl seines eigenen Landes geht.

Das Schlimme am Gipfel von Helsinki ist, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht klar ist, wie stark Trump vor Putin einknickte. Denn nicht alle Details ihres Gesprächs wurden auch in der Pressekonferenz thematisiert.

► So kündigte Putin vielsagend an: “Syrien könnte ein erfolgreiches Beispiel unserer Zusammenarbeit werden.” Es ist eine unheilvolle Andeutung.

Trump hatte schon in der Vergangenheit seine Bereitschaft erklärt, die US-Soldaten aus dem Kriegsland abzuziehen, wenn Russland den Einfluss des Irans zurückdränge.

Es deutet wenig darauf hin, dass letzteres passiert. Darauf, dass Trump auch im Nahen Osten die Gegenwehr der USA gegen die Interventionspolitik des Kremls zurückfährt, dagegen viel. 

Putin hat großes Interesse an Syrien, Trump nicht

Experten befürchteten bereits im Vorfeld, dass der US-Präsident Putin gefährliche Zugeständnisse machen könnte. US-Außenpolitik-Experte Akbar Shahid Ahmed analysierte etwa in der HuffPost:

“Trump hegt seit Längerem die Idee, dass Russland und die USA in Syrien enger zusammenarbeiten könnten – im Idealfall, um sich selbst aus dem Konflikt zurückzuziehen und zugleich Putin dazu zu drängen, den Iran auszuschalten.”

► Putin jedoch hat kein Interesse daran, den Iran zu schwächen. Rund 80.000 Kämpfer stellt die Islamische Republik in Syrien schätzungsweise, sie sind einer der Haupttreiber der fortschreitenden Rückeroberung des Landes durch die Regierungstruppen Baschar al-Assad.

Russland unterstützt Assad, hat längst eine Achse von Moskau über Damaskus nach Teheran gespannt. Syrien ist geostrategisch von großer Bedeutung für Putin, da sich hier in Tartus der einzige russische Stützpunkt am Mittelmeer befindet. Auch aus Verteidigungsgesichtspunkten ist dieser elementar.

► Denn: Die Region gilt als möglicher Angriffspunkt, von dem US-Kriegsschiffe Raketen auf den europäischen Teil Russland schießen könnten.

Wenn Trump Putin traut, könnte das fatal sein

In Trumps Wunschvorstellung beenden die USA ihren Einsatz in Syrien, ohne dass der Iran, der erklärte Erzfeind Trumps, an Macht in der Region gewinnt.

► Die Realität sieht derzeit allerdings anders aus.

Im Libanon hat der Iran über die Miliz Hisbollah großen militärischen und politischen Einfluss, im Irak bahnt sich längst eine ähnliche Machtkonstellation an.

Eine Karte, die das “Wall Street Journal” nun mithilfe von Geheimdienstinformationen erstellte, zeigt: Der Iran hat ein regelrechtes Netz an Routen aufgebaut, auf dem schiitische Kämpfer Waffen über den Irak nach Syrien, in den Libanon und gefährlich nah an die israelische Grenze transportieren.

Eines der letzten Hindernisse für den Iran auf dem Weg zum Machtkorridor zwischen Mittelmeer und Teheran sind die rund 2000 verbleibenden US-Soldaten in Syrien.

► Auf der offenbar wichtigsten Route zwischen Damaskus und Bagdad liegt die US-Basis Al-Tanf im Grenzgebiet zwischen Syrien und dem Irak. Laut US-Sicherheitsexperte Michael A. Horrowitz gibt es in Washington Überlegungen, die Basis aufzugeben – auf den mehrfach geäußerten Wunsch Russlands.

Das könnte sich jedoch als großer Fehler erweisen.

Der Iran wird stärker – auch auf Kosten Israels

Denn: Wenn sich in der Vergangenheit in Syrien eines gezeigt hat, dann dass Putins Versprechen wenig wert sind.

►  Was auch immer die russische Regierung der USA im Gegenzug bieten würde, ist wohl kaum von ähnlichem Wert wie die strategische Position zwischen Syrien und dem Irak.

Ein solcher Deal könnte vor allem Israel bedrohen: Zuletzt wehrte sich das Land nach Angriffen auf Konvois in Syrien laut “Wall Street Journal” auch mit einem Luftangriff bei Abu Kamal (im Zentrum der Karte oben) auf die irakisch-schiitische Miliz Kataib Hisbollah.

Geht Trump einen Deal mit Putin ein und zieht weitere Truppen aus Syrien ab, droht Jerusalem in der Region zunehmend auf sich allein gestellt zu sein.

Öffentlich wurde ein derartiges Abkommen am Montag noch nicht. Noch gilt das Dementi der USA: Solange der Iran die Region so direkt bedroht, sollen nicht alle Truppen abgezogen werden.

► Aber: Trumps einzige Konsequenz liegt in seiner Inkonsequenz.

Und am Montag kam es bereits zu einem bemerkenswerten Signal.

Als es gerade um Syrien ging, warf Putin dem US-Präsidenten einen Fußball zu: Es war sein Gastgeschenk nach der erfolgreich zu Ende gegangenen Fußball-WM.

Aber wohl auch ein Zeichen: Der Ball liegt bei dir.

(ll)