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03/04/2018 13:44 CEST | Aktualisiert 03/04/2018 18:52 CEST

Diese Erziehungsfehler machen viele Eltern, ohne es zu merken

Dabei können sie sie ganz einfach vermeiden.

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Die meisten Eltern meinen es gut mit ihren Kindern, machen dabei aber gravierende Fehler. 

Ich habe diese Punkte aufgeschrieben, um die wohlmeinenden, aufopferungsvollen, liebenden und intelligenten Eltern zu ermutigen, ihre Kinder nicht übermäßig zu verhätscheln, zu beschützen und mit Terminen zu überladen.

Das sind Eltern, die nervös werden, wenn ihr Nachwuchs nicht immer in allen Bereichen die besten Leistungen abliefert. Eltern, die unabsichtlich zugelassen haben, dass Eigenschaften wie Selbstständigkeit, Widerstandsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Abenteuersinn ans Ende der Prioritätenliste in ihrer Erziehung gerutscht sind.

Diese Erziehungsfehler machen heute viele Eltern 

1. Eine Momentaufnahme sagt nichts darüber aus, wie dein Kind wirklich ist. 

Kinder machen verschiedene Phasen durch. Und dazu gehören nun einmal genauso großartige wie auch alarmierende Phasen.

2. Zerbrich dir nicht den Kopf darüber, wie du etwas reparieren könntest, das gar nicht kaputt ist.

Nimm das natürliche Wesen deines Kindes einfach an. Auch wenn es schüchtern, dickköpfig, launisch oder schlecht in Mathe ist.

3. Wenn man sich etwas ganz genau anschaut, findet man immer irgendwelche Makel.

Es ist vollkommen normal, dass du die Freunde deines Kindes besser findest als dein eigenes Kind.

4. Bringe den Mut auf, einfach auch mal “Nein” zu sagen.

Du musst nicht immer versuchen, Einigkeit mit deinem Kind zu erzeugen.

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5. Ermutige dein Kind, viel raus zu gehen, damit es alle fünf Sinne in der dreidimensionalen Welt erleben kann.

Schicke deine Kinder so lange du es dir leisten kannst ins Ferienlager. Genießt die Natur gemeinsam als Familie. Das ist ein sehr guter Ausgleich zu der Zeit, die deine Kinder vor dem Bildschirm verbringen.

6. Verwechsle die Wünsche deiner Kinder nicht mit ihren Bedürfnissen.

Falle nicht auf die kleinen Süßholzraspler herein, die dir einreden wollen, dass sie unbedingt ein Smartphone für Notfälle brauchen. Oder ein neues Auto, “weil das ja sehr viel sicherer wäre als dein alter Van.” Oder teure Limited-Edition-Sneaker, weil die “wirklich eine Investition sind.” Privilegien sind keine Selbstverständlichkeit.

7. Denke daran, dass Kinder härter sind, als viele Eltern denken. 

Lass ruhig zu, dass ihnen mal mehr als eine Sekunde lang kalt ist, dass sie nass sind oder dass sie Hunger haben. Denn dann werden sie es umso mehr zu schätzen wissen, wenn es ihnen wieder warm ist und sie trocken und satt sind.

8. Hör auf die Rolle des Butlers, des Geheimpolizisten oder der Zofe einzunehmen.

Deine Kinder verfügen über viele Kompetenzen. Lass sie auch mal etwas für sich selbst machen. 

9. Bevor du herumnörgelst, ermahnst, kritisierst, Ratschläge erteilst, dich einmischst, Vorträge hältst oder viel zu viel erklärst, solltest du dir die Frage stellen: “Warum spreche ich jetzt gerade?”

Höre viermal so viel zu, wie du sprichst.

10. Denke daran, dass Enttäuschungen eine notwendige Vorbereitung auf das Erwachsenenleben sind.

Bleib ruhig, wenn dein Kind nicht zur Geburtstagsparty eines Freundes eingeladen wird, wenn es nicht ins Team aufgenommen wird oder wenn es keine große Rolle bei der Schulaufführung bekommt. Denn ohne diese Erfahrungen würde es nicht gut genug auf das echte Leben vorbereitet werden.

11. Sei aufmerksam, aber nicht automatisch immer sofort alarmiert. 

Hinterfrage dich selbst. Halte inne und überlege dir: Ist diese Situation wirklich gefährlich oder einfach nur unangenehm für mein Kind? Ist es ein Notfall oder eine neue Herausforderung?

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12. Lerne, die Worte “ausprobieren” und “scheitern” zu lieben.

Lass dein Kind auch mal etwas falsch machen, bevor es mit seinem Studium anfängt. Gewähre deinem Kind etwas Freiheit. Diese Freiheit sollte darauf basieren, dass es sein Pflichtgefühl und sein Verantwortungsbewusstsein unter Beweis stellt. Und nicht darauf, was die anderen Kinder alles tun.

13. Sei nicht überrascht oder entmutigt, wenn dein großes Kind einen kindlichen Wutanfall oder eine Krise bekommt.

Verwechsle das Heranreifen deines Kindes nicht mit Reife. Rückschläge werfen Kinder immer wieder zurück. Und sie werfen auch uns Eltern zurück.

14. Erlaube deinem Kind, Dinge zu tun, vor denen du Angst hast.

Verwechsle Verletzlichkeit nicht mit Zerbrechlichkeit. Wenn du willst, dass dein Kind immer unabhängiger und selbstbewusster wird, dann erlaube ihm, seinen Führerschein zu machen, sobald es volljährig ist. Und hör auf, den besten Freund oder den Schwarm deines Kindes voreingenommen zu kritisieren.

15. Nimm es nicht persönlich, wenn dein Teenager dich wie den letzten Dreck behandelt.

Beurteile seinen Charakter nicht danach, ob er zuhause immer freundlich ist, wie deutlich er spricht oder wie oft er dir in die Augen schaut. Achte lieber auf das, was seine Lehrer sagen, und ob er bei den Eltern seiner Freunde ein gern gesehener Gast ist. Oder wie er sich gegenüber seinen Großeltern und gegenüber Nachbarn, Verkäufern und Kellnern im Restaurant verhält.

16. Versuche dein Kind zu motivieren, nicht zu schnell aufzugeben.

Wenn dein Kind sich leidenschaftlich dafür einsetzt, dass es ein Hobby oder einen Kurs nicht weitermachen muss, weil es sich diese Aktivität “anders vorgestellt hatte”, ist es verlockend, sich von den Überzeugungsversuchen seines Kindes hinreißen zu lassen.

Du solltest jedoch nicht vergessen, dass der erste Eindruck oft nicht von Dauer ist. Dass eine Verpflichtung gegenüber einem Team oder einer Gruppe eine ehrenvolle Sache ist. Und dass deine Investition an Zeit und/oder Geld nicht selbstverständlich ist. Du solltest die wohl überlegten Vorlieben deines Kindes jedoch bei zukünftigen Plänen mit in Betracht ziehen.

17. Hör auf zu versuchen, dich bei deinen Kindern beliebt zu machen, bloß weil deine eigenen Eltern nicht so sehr auf deine emotionalen Bedürfnisse eingegangen sind, wie du dir das gewünscht hättest.

Pass auf, dass du nicht auf das weit verbreitete Verhaltensmuster von Eltern hereinfällst, das da lautet: nett, nett, nett … wütend!

18. Warte mindestens 24 Stunden, bevor du eine empörte E-Mail an einen Lehrer, Trainer oder die Eltern eines fiesen Klassenkameraden abfeuerst.

Verhalte dich nicht wie jemand, der in betrunkenem Zustand Nachrichten verschickt. Schlafe erste einmal eine Nacht darüber.

19. Anstatt dauernd auf der Lauer zu liegen, herumzuschnüffeln, scharfe Kritik zu üben und irgendwann komplett aufzugeben, solltest du deinen Kindern lieber auf vernünftige Weise beibringen, wie sie sich im Internet verhalten sollten.

Vertraue darauf, dass sie ein gutes Selbstwertgefühl haben und kluge Entscheidungen treffen.

20. Mache dir bewusst, dass deine Kinder durch ganz normale Haushaltsaufgaben und bezahlte Jobs sehr viel mehr lernen können, als durch schick klingende Hobbys.

Mit tatsächlicher Lebenserfahrung wird dein Kind zu einem erwerbsfähigen Erwachsenen heranwachsen, der dann auch einen Job findet. Und abgesehen davon solltest du einsehen, dass ältere Kinder ihre Aufgaben durchaus in der durchschnittlichen Zeit erledigen können, die ein Erwachsener ihnen dafür einräumen würde.

Dieser Blog erschien ursprünglich auf der Website der Autorin Wendy Mogel und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

(kap)