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16/10/2018 19:07 CEST | Aktualisiert 17/10/2018 10:19 CEST

Heidelberger Prostituierte verrät Trick mit dem sie ihren Job aushält

„Da kommen Männer zu mir, die wollen einfach nur reden und ich höre ihnen zu”

Yuriy Beyger via Getty Images
  • Eine 42-jährige Prostituiere aus Heidelberg hat mit einer deutschen Zeitung offen über ihren Beruf und ihr Leben gesprochen.
  • Für sie ist Prostitution eine ganz normale Dienstleistung.

Prostitution ist in Deutschland erst seit Anfang des Jahrtausends legal. Noch immer ist das öffentliche Bild der Rotlicht-Szene von Klischees und Vorurteilen geprägt. In einem persönlichen Gespräch mit der Lokalzeitung “Heidelberg24” hat die 42-jährige Prostituierte Petra aus Heidelberg mit einigen Vorurteilen aufgeräumt. 

Ein stinknormaler Job

Petras Nachname ist nicht bekannt. Ihr Arbeitgeber, das “Eros Center Bienenstock” in Heidelberg bewirbt sie als eine von “20 bis 30 geilen Girls“. Die 42-Jährige hat sich bewusst für ein Bordell entschieden: “Laufhäuser gefallen mir besser als Strassenstriche“, sagte sie zu “Heidelberg24”.

“Für Petra ist Prostitution ein stinknormaler Job, eine Dienstleistung eben”, schreibt die Zeitung. Und dabei gehe es größtenteils nicht mal um Sex.  “Manchmal sei sie Masseurin oder Psychologin”, so die Lokalzeitung. 

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“Da kommen Männer zu mir, die wollen einfach nur reden und ich höre ihnen zu”, sagt Petra.

“Ein schlechtes Gewissen habe ich aber keins. Ich sag immer: Besser, die gehen ins Bordell und bezahlen, als dass sie sich ’ne Geliebte anschaffen und die Stress macht“, sagt sie im Hinblick auf betrügerische Ehemänner. “Klar gibt es die.”

“Im Job bin ich wie ein Roboter”

Zwar habe sie im Laufe der Jahre viele Kolleginnen getroffen, die an ihrem Beruf zerbrochen seien und aufhören müssen, aber Petra beträfe das nicht: 

“Im Job bin ich wie ein Roboter, lasse keinerlei Gefühle an mich ran. So muss dass auch sein, sonst geht man kaputt!“ 

Angefangen habe sie um die Jahrtausendwende in einem Laufhaus in der  Hamburger Herbertstraße. Damals arbeitete sie noch als Friseurin, doch die Bezahlung sei zu gering gewesen. Dann habe ihr eine Schulkameradin von den guten Verdienstmöglichkeiten als Prostituierte erzählt. Kurz darauf habe sie ihren alten Beruf gekündigt.

Von da an sei sie jede Nacht im Schaufenster des Bordells gestanden. Die Arbeit und auch die Bezahlung habe ihr gefallen. Doch es gab ein Problem:

“Meine Freunde wissen zwar, was ich mache, aber sie müssen mich nicht jede Nacht fast nackt sehen. Es ist einfach doof in einer Stadt als Prostituierte zu arbeiten, in der man aufgewachsen ist und jeden kennt”, sagte sie.

Sie verließ Hamburg. Zunächst sei sie einer Freundin in die niederländische Hauptstadt Amsterdam gefolgt und habe dann in verschiedenen deutschen Städten gearbeitet: Kaiserlautern, Friedrichshafen, Köln und nun Heidelberg.

Mehr Anerkennung für Prostituierte

Auch heute trenne sie ihren Beruf und ihr Privatleben strikt: In Heidelberg wolle sie keine Sozialkontakte, dafür reise sie regelmäßig in ihre Heimat Hamburg. 

Doch Petras Beruf und ihr Doppelleben sind ein großes Hindernis für eine stabile Partnerschaft: 

“Vor allem, wenn der Partner in einer anderen Stadt wohnt”, sagte sie. “In meiner letzten Beziehung gab es viel Stress. Da hatte ich dann keine Lust mehr drauf!“

Kinder kommen in Petras Zukunftsplanung nicht vor. Zu unterschiedlich seien die Bedürfnisse von Kindern und ihren “persönlichen Lebensvorstellungen”.

Weit in die Zukunft plant Petra nicht, doch einer Sache ist sie sich sicher: 

Der Job macht mir Spaß und wenn man sich mal einen gewissen Lebensstandard erarbeitet hat, möchte man den auch nicht aufgeben!“ 

Sie wünscht sich mehr gesellschaftliche Anerkennung für ihren Beruf.

(tb)