ENTERTAINMENT
25/05/2018 20:10 CEST | Aktualisiert 26/05/2018 11:45 CEST

ProSieben legt sich mit Dunja Hayali an – das hätte der Sender besser gelassen

Es ging um "GNTM" – und "brennende Dörfer".

  • Der Sender ProSieben hat sich per Twitter bei ZDF-Frau Dunja Hayali über eine Kritik an der Sendung “GNTM” beschwert. 
  • Ein Fehler: Denn Hayali konterte die etwas seltsame Nachricht des Senders gekonnt.
  • Im Video oben: Hier seht ihr all die Szenen, die ProSieben während des “GNTM”-Finales nicht gezeigt hat.

Deutschland hat sie wieder hinter sich: Eine weitere Staffel “Germany’s next Topmodel” auf ProSieben. 

Für ein Jahr haben die Fernsehzuschauer jetzt Ruhe vor dem frauenfeindlichen Format. Die Diskussionen über die Klum-Show, die am Donnerstag auf ProSieben ihr Finale hatte, sind aber noch nicht abgerissen. 

Wie jedes Jahr ist die Hauptkritik an “GNTM”: Die Sendung reduziert Frauen auf ihr Äußeres – und zwar ein Äußeres, das ein perverses Schönheitsideal der abgemagerten Weiblichkeit transportiere. 

► Viele Kritiker sind sich einig: Die ProSieben-Sendung ist ein schlechter Einfluss vor allem für junge Mädchen und gehört abgeschafft. 

Eine Meinung, die etwa die “Süddeutsche Zeitung” in einem Kommentar vertritt. Mit markigen Worten: “Dieser Abgrund an Menschenfeindlichkeit gehört abgeschafft. Brennt Heidi Klums Dorf der Oberflächlichkeit endlich nieder!”

Die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali teilte den Kommentar auf Twitter – und wurde dafür von ProSieben angegangen. Doch der Sender hätte sich besser nicht mit Hayali anlegen sollen.

ProSieben zu Hayali: “Wo bleibt Ihre Toleranz?” 

Mit den Worten “Damit wäre alles gesagt” hatte Hayali die vernichtende “GNTM”-Kritik der “SZ” geteilt. 

Und ProSieben reagierte erbost. Der Sender schrieb in einem Tweet: 

Hallo Frau Hayali, die SZ – das Medium, das gerade mit einer antisemitischen Karikatur glänzte – möchte Dörfer der Oberflächlichkeit niederbrennen. Wohl gemerkt: Niederbrennen. Und Sie klatschen Beifall? Wo bleibt Ihre Toleranz? Oder darf nicht sein, was anders ist?

ProSieben nahm also die Kritik an einer als antisemitisch eingestuften Zeichnung, die die “Süddeutsche” veröffentlicht hatte, als Anlass, die Kritik an seiner Sendung (“Dörfer der Oberflächlichkeit niederbrennen”) als ähnlich unsäglichen Vorfall anzuprangern. 

► Eine Argumentation, die Hayali in ihrer Antwort an den Sender deutlich ablehnte. 

Mehr zum Thema: “Germany’s Next Topmodel”-Insider: So inszeniert ist die Show wirklich

Hayali zu ProSieben: “Was hat das mit Toleranz zu tun?” 

Die ZDF-Moderatorin verdeutlichte: Sie empfinde das Frauenbild bei “GNTM” als nicht okay. “Was hat das mit Toleranz zu tun?”, fragte Hayali. “Ich darf einen Artikel in der ‘SZ’ nicht gut finden, weil zuvor eine ‘antisemitische Karikatur’ erschien?”

► Hayali legte in einem weiteren Tweet nach: “Halten wir uns jetzt an dem einen völlig überzogenem Wort auf oder wollen wir darüber sprechen, welchen ‘Einfluss’ die Sendung auf Mädchen (und Jungs) hat?”

Ein Gesprächsangebot an ProSieben, also.

ProSieben nahm dieses an. Hayali klatsche dem Wort “niederbrennen” Beifall. Die Kritik der “SZ” habe sich zudem nicht mit der Sendung auseinandergesetzt – “sie will einfach nur schlecht machen”. 

Hayali stritt daraufhin ab, dass sie dem Wort “niederbrennen” Beifall klatsche. Ihr gehe es darum: “Ich finde das Bild, was in der Sendung gezeigt wird, und wie junge Mädchen/Frauen geformt werden, nicht ok.” 

► ProSieben wollte darauf jedoch nicht eingehen. 

Hayali zu ProSieben: “Sie sind etwas ‘angeschossen’”

Wieder hing sich der Sender an dem Wort “niederbrennen” auf. Er forderte die Moderatorin zudem dazu auf, sich die Sendung selbst anzuschauen. Die Kritik der “SZ” führe ins Leere. 

Hayali verlor langsam die Geduld: “Schrieb ich jemals etwas von niederbrennen? Nein.”

Sie habe bereits gesagt, sie finde das Wort überzogen, stimme dem Artikel der “Süddeutschen” aber zu. Dem Sender warf sie vor: “Sie sind etwas ‘angeschossen’.”

Tatsächlich weigerte sich ProSieben weiter, auf die inhaltliche Kritik Hayalis an “Germany’s Next Topmodel” einzugehen.

Stattdessen wieder der Vorwurf, Hayali klatsche dem Begriff “niederbrennen” Beifall.

“Das haben wir angemerkt, ganz konkret. Sie können gerne weiterklatschen.” 

Hayali hatte da dann doch genug. 

“Nein, das tue ich nicht”, schrieb sie. “Hatte ich Ihnen auch schon zweimal erklärt. Sie halten sich an diesem Wort fest, mir ging es aber um den Inhalt. Und da nichts weiter von Ihnen dazu kommt, füttere ich jetzt meinen Hund. Emma soll nicht vom Fleisch fallen ...” 

(ll)