POLITIK
15/02/2018 19:46 CET | Aktualisiert 16/02/2018 05:54 CET

Er war der wichtigste Mitarbeiter im Weißen Haus – jetzt packt er über Trump aus

Und er liebt ihn trotzdem noch.

  • Bis Juli vergangenen Jahres war der Republikaner Reince Priebus der Stabschef in Donald Trumps Weißen Haus
  • Jetzt packt er über das Chaos in der US-Regierung aus – und über das absonderliche Verhalten des Präsidenten
  • Im Video oben: Zwölf Dosen Cola, acht Stunden TV – Insider verraten, wie Donald Trump privat lebt

Reince Priebus ist gescheitert.

Sieben Jahre lang hatte er die US-Republikaner als Vorsitzender des Republican National Committee angeführt. Dann wurde Stabschef des Weißen Hauses unter Donald Trump – und nach nur sechs Monaten im Juli 2017 per präsidialem Tweet rausgeschmissen

► Seither hat Priebus über seine Arbeit unter Trump geschwiegen. Bis jetzt. 

In einem neuen Buch, über das die “Vanity Fair” berichtet,  gibt der ehemals wichtigste Mitarbeiter der Trump-Regierung einen Einblick in das pure Chaos, das er im Weißen Haus täglich vorfand. 

Trump zu Priebus: “Hör auf mir im Weg zu sein”

So wie etwa an dem Tag, als Priebus laut eigener Aussage aus seinem Büro und auf den Parkplatz des US-Regierungssitzes stürzen musste, um zu verhindern, dass der US-Justizminister aus Wut auf Trump sein Amt aufgibt. 

Donald Trump hatte gerade den FBI-Direktor James Comey gefeuert, eine Entscheidung, mit der Justizminister Jeff Sessions nicht sehr glücklich war. Er erklärte sich in der Folge in der Russland-Affäre für befangen – und machte dadurch Trump so wütend, dass er Sessions bei einem Treffen im Oval Office zusammenschrie

Dieser stürmte wutentbrannt aus dem Weißen Haus, bereit, seinen Job hinzuwerfen. Doch laut Priebus Aussagen in Chris Whipples Buch “The Gatekeepers: How the White House Chiefs of Staff Define Every Presidency”, schaffte er es noch, Sessions in dessen Auto zum Bleiben zu überreden. 

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Eine Rettung in letzter Sekunde, auch, wenn laut Autor Whipple das Verhältnis zwischen Sessions und Trump seither irreparabel zerstört sein soll. So berichtet Priebus, dass Trump ihm gesagt habe: “Hör auf, mir im Weg zu sein – und sorg dafür, dass Sessions hinwirft.” 

Priebus’ Ritt auf dem “wilden Pferd” Trump

Es ist nicht der einzige Wutausbruch Trumps, von dem Priebus berichtet. 

“Nimm alles, was du jemals über die Regierung gehört hast, und multipliziere das mit 50”, sagt der Republikaner zu Whipple über die chaotischen Zustände im Weißen Haus.

Zustände, die Priebus als Stabschef eigentlich unter Kontrolle hätte bringen müssen. Eine Aufgabe, bei der er brutal versagte – und das vor allem wegen Trump, wie Priebus sagt. Für Trump zu arbeiten sei, “wie das stärkste und wildeste Pferd überhaupt zu reiten.” 

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Das habe er schon an seinem ersten Arbeitstag gemerkt, berichtet Priebus dem Buchautoren Whipple. Die “Washington Post” hatte gerade einen Artikel veröffentlicht, der bewies, dass die Menschenmenge bei der Vereidigung Barack Obamas weit größer war, als die bei Trumps. 

Trump habe ihn daraufhin angebrüllt, sagt Priebus. “Er sagte, die Geschichte sei Bullshit und wies mich an, ich soll den Innenminister anrufen und sofort das Gegenteil der Story der Post beweisen.”

Eine unmögliche Aufgabe. Doch Priebus lenkte ein. Ein Fehler: Denn so signalisierte er Trump, dass dieser tun und lassen konnte, was er wollte. 

Priebus über Trump: “Ich liebe diesen Kerl”

Und was Trump bald wollte, war: Priebus zu entlassen.

“Trump hat nie zugelassen, dass Priebus ein richtiger Stabschef wird”, schrieb das Nachrichtenportal “Vox” nachdem der US-Präsident Priebus im Juli 2017 tatsächlich aus dem Weißen Haus warf. 

Tatsächlich – und das belegen auch Priebus neue Aussagen – ist dieses eher Hofstaat als Regierungssitz. Zwischen den hochrangigen Mitarbeitern um Trump gibt es ein Hauen und Stechen um die verschwindend geringe Aufmerksamkeit des US-Präsidenten

Priebus war in diesem Kampf skrupellosen Gegner wie Stephen Bannon, Jared Kushner oder auch Trumps Tochter Ivanka einfach unterlegen. Und er hatte keine Chance gegen Trumps wirre Impulse. 

Priebus ist als wichtigster Mitarbeiter des Weißen Hauses schlichtweg gescheitert, weil er nicht in der Lage war, den mächtigsten und zugleich unberechenbarsten Mann der Welt in Zaum zu halten. 

Das dies ohnehin eine nahezu unmögliche Aufgabe ist, zeigt der Fall seines Nachfolgers John Kelly: Auch der steht kurz davor, entlassen zu werden

Vielleicht sagt Priebus auch deshalb noch heute über Trump: “Ich liebe diesen Kerl.” 

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