WIRTSCHAFT
24/09/2018 14:33 CEST | Aktualisiert 24/09/2018 17:38 CEST

Prekäre Arbeit, jahrelang: 4 Millionen Deutsche darben im Niedriglohnsektor

Die unsichere Lage am Arbeitsmarkt auf den Punkt gebracht.

dpa
Eine Reinigungskraft arbeitet in einem Krankenhaus.

Der deutsche Arbeitsmarkt wirkt auf den ersten Blick stabil: Die Arbeitslosenrate liegt bei vergleichsweise niedrigen 5,2 Prozent. 

Doch die bloße Statistik bildet nicht ab, wie die Qualität der Arbeit von den Deutschen bewertet wird. Und unter welchen Bedingungen viele Menschen arbeiten müssen. 

Das Statistische Bundesamt zeigt nun in einer umfassenden Datensammlung zur “Qualität der Arbeit”, wie prekär und unsicher viele Arbeitsplätze in Deutschland sind.

Sorgen macht vor allem der große Niedriglohnsektor, in dem viele Arbeitnehmer jahrelang feststecken. 

Die zentralen Ergebnisse der Erhebung – auf den Punkt gebracht

Die wichtigsten Resultate der Studie im Überblick: 

► Laut der von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie leben 12,3 Prozent der Erwerbstätigen dauerhaft in prekären Umständen.

► Demnach arbeiten rund vier Millionen Menschen über mehrere Jahre in perspektivlosen Jobs mit geringem Einkommen und mangelnder sozialer Absicherung. 

► Die größte Teilgruppe seien Frauen im Haupterwerbsalter, die meistens Kinder hätten.

► Das Statistische Bundesamt beziffert die Niedriglohnquote für das Jahr 2014 auf 21,4 Prozent der Beschäftigten. Sie verdienten weniger als 10 Euro in der Stunde und damit auch weniger als zwei Drittel des mittleren Stundenlohns. 

► Frauen mussten sich deutlich häufiger (Quote: 27,2 Prozent) mit niedrigen Löhnen zufrieden geben als Männer (15,8 Prozent).

► Unter den Führungskräften ist der weibliche Anteil mit 29,2 Prozent im Jahr 2017 sehr viel geringer und liegt deutlich unter dem Anteil der Frauen an allen Erwerbstätigen (46,5 Prozent).

► Etwa jeder zehnte (10,7 Prozent) Vollzeit-Erwerbstätige in Führungspositionen in Deutschland arbeitet regelmäßig mehr als 48 Stunden in der Woche.

► Bei Männern ist das den Berechnungen zufolge mit 13 Prozent etwa doppelt so häufig der Fall wie bei Frauen (6,3 Prozent). Generell gelte: je älter, desto länger die Arbeitszeiten.

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Welche positiven Aspekte es bei der Qualität der Arbeit gibt:

► 2017 waren nahezu alle Beschäftigten krankenversichert, knapp 89 Prozent hätten bei Arbeitslosigkeit Anspruch auf Arbeitslosengeld I und 83,3 Prozent der Erwerbspersonen waren in der gesetzlichen Krankenversicherung.

► Im Schnitt nahm 2017 jeder Arbeitnehmer die Rekordzahl von 31,4 Urlaubstagen.

► Die Fehlzeiten wegen Krankheit nahmen wieder ab  – auf nunmehr 10,6 Arbeitstage pro Beschäftigtem.

Was die Forscher über den Arbeitsmarkt sagen: 

Das Forscherteam um Jutta Allmendinger vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) und Markus Promberger von der Universität Erlangen-Nürnberg macht die unsichere Situation der Menschen nicht nur am Arbeitsverhältnis fest, sondern fragte auch nach Armut, Überschuldung oder Wohnverhältnissen.

Die Daten-Grundlage stammt aus den Jahren 1993 bis 2012.

Der Mindestlohn sei für die Betroffenen eminent wichtig, könne aber die Probleme nicht allein lösen, erklären die Forscher. Sie sprachen sich für weitere Umverteilung und strengere Arbeitsmarktregeln etwa zu Befristungen, Leiharbeit und Werkverträgen aus.

Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt auf den Punkt gebracht: 

In vielen Regionen Deutschlands herrscht nahezu Vollbeschäftigung.

Doch eine Langzeiterhebung des Statistischen Bundesamts zeigt: Millionen Deutsche arbeiten unter prekären und unsicheren Verhältnissen im Niedriglohnsektor. 

(mf)