POLITIK
03/01/2018 22:15 CET | Aktualisiert 03/01/2018 23:27 CET

So heftig rechnet eine israelische Zeitung mit Außenminister Gabriel ab

Die "Jerusalem Post" nennt ihn “Posterboy der Hamas”.

JOHN MACDOUGALL via Getty Images
Außenminister Sigmar Gabriel
  • Die renommierte israelische Zeitung “Jerusalem Post” hat Sigmar Gabriel in einem Kommentar scharf kritisiert
  • Der Aufhänger: Die Terrororganisation Hamas hat den deutschen Außenminister mit einer israel-kritischen Aussage zitiert

Außenminister Sigmar Gabriel steht derzeit als Gewinner da: Im Dezember war er der beliebteste deutsche Politiker; er fliegt durch die Welt, um sich den großen Konflikten zu widmen; manche rechnen gar mit einem Comeback als SPD-Chef.

Von all dem will die israelische Zeitung “Jerusalem Post” nichts wissen. Das Blatt gilt als wichtigste fremdsprachige Zeitung in Israel und sie gehört zu den Qualitätszeitungen des Landes. 

Umso überraschender ist der heftige Verriss, den die “JPost” dem deutschen Außenminister jetzt widmet.

“Der frisch gekrönte Posterboy der Hamas”

Unter der Überschrift “Deutschlands gefährlicher Außenminister” bringt die “JPost”-Redakteure vor allem eine Äußerung Gabriels auf die Palme: Er soll Israel als Apartheidregime bezeichnet und das Land mit Südafrika verglichen haben.

Zudem schlug er vor, die Terrororganisation Hamas an den Verhandlungstisch über einen Friedenspakt zu holen. 

Allerdings stammen diese Aussagen schon aus dem Jahr 2012, als Gabriel die Palästinensergebiete besucht hatte. Gabriel hatte sich in der Folge auch dafür entschuldigt. 

Allerdings - und hier kommt die Hamas erneut ins Spiel - soll Gabriel seine Aussage bei einer Diskussionsrunde in Berlin-Kreuzberg Mitte Dezember indirekt wiederholt haben. Die Aussagen sorgten in Israel nach Neujahr für Wirbel. 

Auf eine Frage aus dem Publikum, ob man Israel überhaupt noch kritisieren könne, soll Gabriel mit Ja geantwortet haben - und dabei wohl auf seine Apartheid-Äußerung von 2012 verwiesen haben. 

Der Twitteraccount der Terrororganisation Hamas hatte daraufhin Gabriel am 31. Dezember als Aufmacherbild gezeigt. 

Die “JPost” ätzt: “Gabriel ist der frisch gekrönte Posterboy der Hamas.”

Aber das ist noch nicht alles. 

Architekt der “zerstörerischen” deutschen Flüchtlingspolitik 

Zudem wirft die “JPost” Gabriel vor, einer der Architekten der “zerstörerischen” deutschen Flüchtlingspolitik zu sein, die Millionen zum Teil antisemitische Migranten nach Deutschland gebracht habe.

Die judenfeindlichen Demonstrationen, die zuletzt in Berlin und München stattfanden, seien deshalb keine Überraschung. 

Den Grund, den die Journalisten aus Israel hinter Gabriels Haltung vermuten:

“Für Gabriel mag das (die Israelkritik, Anm. d. Red.) mit Schuldgefühlen wegen Deutschlands früherer Verbrechen zu tun haben oder es ist eine Folge seiner sozialistischen Ideologie, die westliche, kapitalistische Gesellschaften pauschal als ausbeuterisch sieht.”

Auch ein Treffen im vergangenen Jahr mit Repräsentanten von zwei Bürgerrechtsorganisationen in Israel kritisiert die Zeitung. Auch in Deutschland schlug der Termin hohe Wellen.

Voreingenommene Sicht auf Israel-Palästina-Konflikt

“Weite Teile der israelischen Bevölkerung sieht die politische Agenda dieser zwei Organisationen als gefährlich und als pro-palästinensisch”, schimpft die “JPost”. Die Palästinenser hätten sich wiederholt für Terrorismus und Gewalt entschieden, anstatt für Frieden und Verhandlungen.

Dass sich die Hamas nun Gabriel als Posterboy aussuche, verwundere deshalb nicht, schreibt die “JPost”. Denn Gabriel habe zu häufig eine voreingenommene Sicht auf den Israel-Palästina-Konflikt präsentiert.

Die “Jerusalem Post” schließt ihren Artikel mit der Frage: Wie kann die deutsche Regierung glaubwürdig gegen Antisemitismus “von tausenden Migranten auf den Straßen Berlins vorgehen, die zur Zerstörung Israels aufrufen”, wenn Gabriel Israel weiter Apartheid vorwirft?

(mf)