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10/08/2018 17:31 CEST | Aktualisiert 10/08/2018 17:51 CEST

Polizeigewerkschaft skandalisiert mit Grafik Verbrechen an Schulen in NRW

"Die Hemmschwelle sinkt.“

Getty / HuffPost
Polizisten führen einen Mann ab. (Symbolbild)
  • Die Gewerkschaft der Polizei in NRW hat vor einigen Tagen eine Grafik zu Straftaten an Schulen veröffentlicht.
  • Die Darstellung sorgte schnell für Kritik, sodass die Polizei die Rohdaten nachlieferte.

Ein kleiner roter und ein riesiger roter Balken. Sie verdeutlichen die ansteigende Verbrechensspirale auf den Schulhöfen in Nordrhein-Westfalen. Das behauptet zumindest die Gewerkschaft der Polizei (GdP). 

Mit ihrer auf Facebook verbreiteten Grafik wollte die Polizeigewerkschaft, bundesweit die größte mit über 185.000 Mitgliedern, alarmieren – und vor allem auf die aus ihrer Sicht zunehmend skandalöseren Zustände in den Schulen in NRW hinweisen.

► Das Problem: Die Darstellung der Zahlen ist extrem verzerrt. Einige Nutzer werfen der Polizei deshalb vor, die Daten des Landeskriminalamts in manipulativer Weise verwendet zu haben und Angstmache zu betreiben.

Screenshot / Facebook
Die ursprüngliche von der Gewerkschaft der Polizei NRW verbreitete Grafik.

“Das war wirklich keine Absicht!”

Was bei den beiden Balken untergeht sind die weiß geschriebenen Zahlen der Straftaten an NRW-Schulen: 26.662 waren es 2016, 27.541 im vergangenen Jahr. Es ist eine Steigerung, allerdings längst nicht so heftig, wie sie die GdP suggeriert. 

Nachdem einige Nutzer auf die irreführende Darstellung – und die fehlende Einordnung in einen größeren Zeitrahmen – hinweisen, tauschte die Gewerkschaft die Grafik aus.

“Nach Kritik und einigen Nachfragen, gibt’s hier die Rohdaten”, schreibt sie. Die GdP entschuldigte sich zudem “für die entstandenen Irritationen. Das war wirklich keine Absicht!

Straftaten auf gleichbleibendem Niveau

Die umfangreichen Daten zeigen: Die Straftaten befinden sich seit 2010 auf einem relativ konstantem Niveau – auch im Verhältnis zur Gesamtzahl der Schüler.

Gab es 2010 11,1 Straftaten pro 1000 Schüler, waren es 2017 mit 11,0 Straftaten sogar marginal weniger (2016: 10,6 Straftaten pro 1000 Schülern). 

Klar ist dennoch: Jede Straftat, zumal in Schulen, ist eine zuviel. 2017 gab es 5395 Fälle von Sachbeschädigungen und 4343 Körperverletzungen. “Auffällig ist, dass insbesondere die Gewaltdelikte und Sachbeschädigungen zugenommen haben”, beklagt die Polizei.

Und nicht nur die. Schon im April hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in NRW mitgeteilt, “dass das Schulklima zuweilen rauer wird und dass Respektlosigkeit zunimmt. Die Hemmschwelle sinkt.“