POLITIK
14/01/2019 07:29 CET | Aktualisiert 14/01/2019 08:46 CET

Polizei unterwandert? NSU-Anwältin kriegt erneut Morddrohungen von Neonazis

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Andreas Gebert via Getty Images
Beim NSU-Prozess vertrat die Anwältin Opfer.

► Eine türkischstämmige Frankfurter Anwältin hat einem Medienbericht zufolge erneut ein mit “NSU 2.0” unterschriebenes Drohfax erhalten.

► Wie die “Süddeutsche Zeitung” am Sonntagabend online berichtete, werden darin die Namen ihrer Eltern, ihres Mannes und ihrer Tochter genannt – aller Menschen, die unter ihrer Adresse gemeldet seien.

► “So etwas kann man nicht über die sozialen Netzwerke herausfinden”, sagte die Anwältin dem Bericht zufolge. “Und mein Vater ist 79, der ist nicht auf Facebook oder sonstwo aktiv.”

Wie die Polizei in das Verbrechen verstrickt ist:

Die Juristin hatte Anfang August 2018 nach Erhalt einer Drohung Anzeige erstattet. In dem Fax mit Absender “NSU 2.0” wurde ihre Tochter mit dem Tod bedroht. Die Frau hatte im Prozess um den rechtsterroristischen “Nationalsozialistischen Untergrund” (NSU) Opfer vertreten.

Die Behörden fanden heraus, dass Hintergrundwissen über die Anwältin aus dem polizeilichen Informationssystem eines Computers einer Beamtin des 1. Reviers in Frankfurt abgefragt worden war.

Im Zuge der weiteren Ermittlungen wurde eine mutmaßliche rechtsextreme Chatgruppe in der Frankfurter Polizei aufgedeckt. Fünf Beamte wurden vom Dienst suspendiert.

Wieso die Polizei wieder nicht gut aussieht:

Dem “SZ”-Bericht zufolge wird in dem neuen Fax Bezug auf die Suspendierung genommen, auch die Tochter der Anwältin wird erneut bedroht. “Dir hirntoten Scheißdöner ist offensichtlich nicht bewusst, was du unseren Polizeikollegen angetan hast!”, heißt es demnach darin.

Auch die im Fax enthaltenden Informationen scheinen erneut aus einem Polizeicomputer zu stammen.

Eine Stellungnahme des hessischen Landeskriminalamts war am späten Sonntagabend nicht zu bekommen.

(ll)