POLITIK
04/04/2018 15:04 CEST

Polizeigewerkschaftler will, dass man antisemitischen Eltern die Kinder nimmt

Mit dieser Maßnahme soll sich die Situation an deutschen Schulen verbessern.

ullstein bild via Getty Images
Wendt: “Wenn Kinder zu Antisemiten erzogen werden, darf man nicht davor zurückschrecken, sie aus ihren Familien herauszunehmen.”
  • Nach antisemitischen Vorfällen an deutschen Schulen will die Polizei in Zukunft offenbar härter durchgreifen 
  • Jetzt hat Gewerkschaftschef Rainer Wendt einen absurden Lösungsvorschlag

Vor einigen Tagen wandte sich ein Vater an die Öffentlichkeit, dessen Tochter von einer Mitschülerin mit dem Tode bedroht wurde, weil sie nicht an Allah glaube und ein Elternteil jüdischer Herkunft sei.  

Antisemitische Vorfälle wie dieser werden immer wieder bekannt. Deshalb will die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) jetzt offenbar zu einem neuen Mittel greifen: Antisemitischen Eltern die Kinder nehmen. 

Das schlägt zumindest Gewerkschaftschef Rainer Wendt im Interview mit der “Augsburger Allgemeinen” vor. 

Da müsse sehr entschieden gehandelt werden

“Wenn Kinder zu Antisemiten erzogen werden, darf man nicht davor zurückschrecken, sie aus ihren Familien herauszunehmen”, sagt Wendt. 

► Denn: “Antisemitismus bringen viele Kinder von zu Hause mit – und da darf man nicht davor zurückschrecken, das klar zu benennen.”

► Da müsse sehr entschieden gehandelt werden, fordert der Gewerkschaftschef.

Außerdem begrüßt er den Vorschlag des Unionsfraktionschef Volker Kauder, eine Meldepflicht für antisemitische Vorfälle an Schulen einzuführen.

“Leider haben viele Schulleiter bisher nach dem Motto ‘in meiner Schule gibt es das nicht’ gehandelt”, so Wendt. 

Ob sein Vorschlag das Problem löst, ist fraglich

Ob eine Meldepflicht und die Inobhutnahme von Kindern judenfeindlich eingestellter Eltern das Antisemitismus-Problem mancher deutscher Schulen lösen kann, ist jedoch fraglich. 

Außerdem wäre eine Inhobhutnahme auch gar nicht so leicht umzusetzen. Schließlich darf das Jugendamt laut dem Sozialgesetzbuch nur dann ein Kind aus der Familie nehmen, wenn es “eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes [...] erfordert”. 

Körperliche Aggression, Sucht oder Missbrauch könnten damit eine Inobhutnahme rechtfertigen – wohl aber nicht allein die politische Einstellung der Eltern.

“Es muss Elternbriefe geben”

Glücklicherweise gibt es Alternativen zu Wendts Sichtweise. CDU-Politikerin Barbara John erklärt dem “Deutschlandfunk”: “Ich würde nicht mit den Kindern anfangen. Eltern sind natürlich diejenigen, die das mehr in der Hand haben – es muss Elternbriefe geben.”

Laut ihr müssen vor allem die Eltern auf die Problematik hingewiesen werden.

Besonders wichtig findet die Politikerin dabei: “Nicht bagatellisieren, aber auch nicht dramatisieren und schon gar nicht pauschalisieren, sondern genau hingucken,[...] und nicht in eine allgemeine Hysterie verfallen.” 

Diesen Vorschlag könnte sich vielleicht auch Rainer Wendt zu Herzen nehmen. 

(kap)