POLITIK
09/03/2018 18:24 CET | Aktualisiert 09/03/2018 18:24 CET

5 deutsche Politiker fordern eine bessere sexuelle Aufklärung bei Kindern

"Sexualpädagogik sollte auch in Kita und Schule Normalität sein."

  • In Deutschland beginnt Sexualerziehung frühestens in der Grundschule
  • Politiker fordern nun, mit der Aufklärung schon in Kitas zu beginnen

“Aufklärung bereits im Vorschulalter”, “Zu früh gibt es nicht”, “nichts ist schlimmer als verklemmte Tabus”: Deutsche Politiker fordern: Wir müssen unsere Kinder früher und besser aufklären.

In den den meisten Bundesländern beginnt der Sexualkundeunterricht frühestens in der Grundschule, und in jedem Bundesland werden andere Inhalte unterrichtet. Politiker von SPD, FDP, Grünen und Linken sind sich einig: Das muss sich ändern. 

Die HuffPost Deutschland hat im Rahmen der Aktionswoche “Sexuelle Aufklärung von Kindern” in den vergangenen Tagen mit Sozialpädagogen, Sexualtherapeuten, Erziehern und Politikern gesprochen, die für frühe Aufklärung von Kindern plädieren. 

Sie sind überzeugt: Das ist der beste Schutz vor sexuellem Missbrauch.  

Cornelia Möhring: “Es gibt kein zu früh“

Frauenpolitische Sprecherin der Linkspartei

Cornelia Mohring

“Sexuelle Gesundheit gehört zur Lebensqualität – lebenslang. Dafür hat die Gesellschaft eine altersgerechte Sexualaufklärung zu gewährleisten. Eltern sollten unbefangen mit der Neugierde ihrer Kinder umgehen.

Elternabende können helfen, Tabus zu besprechen. Es gibt kein ‘zu früh’. Aber Intimität und Schamgefühle dürfen bei der Sexualaufklärung nicht verletzt werden.

Sexualpädagogik sollte Bestandteil der Ausbildung von Lehrkräften und Erzieher*innen und dementsprechend auch in Kita und Schule Normalität sein.

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Sexualisierte Gewalt ist Machtmissbrauch. Kinder davor zu schützen, gelingt am besten, wenn sie Nein sagen können. Dazu gehört zum Beispiel, alle inneren wie äußeren Körperteile und Organe namentlich zu kennen wie auch ihre Funktionen.” 

Kai Klose: “Bereits im Krippen- oder Kindergartenalter”

Vorsitzender der Grünen in Hessen

Kai Klose

Die Wissenschaft ist sich einig, dass es keinen idealen Zeitpunkt gibt, an dem sexuelle Aufklärung für Kinder stattfinden muss. Das Thema kann insofern bereits im Krippen- oder Kindergartenalter entwicklungs- und altersgerecht bearbeitet werden.

Die Verantwortung für die Aufklärung von Kindern im Schulalter teilen sich Eltern und Schule. Das Erziehungsrecht der Eltern ist verfassungsrechtlich verbrieft.

Kinder in ihrem Selbstkonzept und in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, ist eine der wichtigsten Präventionsstrategien im Umgang mit sexuellen Übergriffen. Sie sollten bereits frühzeitig erfahren, was erlaubte und nicht erlaubte Berührungen sind.”

 

Sarah Buddeberg: “Können sich besser vor Übergriffen schützen”

Linken-Landtagsabgeordnete in Sachsen

Sarah Buddeberg

“Eine zeitgemäße Sexualaufklärung ist mehr als Geschichten von Bienen und Blumen. Aspekte wie Beziehung und Verantwortung füreinander gehören ebenso dazu wie die Vielfalt von Lebens- und Liebesformen.

Schüler*innen sollten ihre Persönlichkeit frei entfalten können und um die Vielfalt wissen, bevor sich Vorurteile festsetzen. Im Internet sehen Schüler*innen oft extreme Formen von Sexualität.

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Hier bedarf es sensibler pädagogischer Konzepte, um Unsicherheiten aufzulösen und Fragen zu beantworten. Wichtig ist zudem Prävention: Kinder, die ein selbstbewusstes Verhältnis zu ihrem Körper haben, kennen ihre Grenzen und können sich besser vor Übergriffen schützen.”

 

Ernst Dieter Rossmann: “Schon im Vorschulalter”

SPD-Bundestagsabgeordneter

Ernst Dieter Rossmann

“Kindliche Sexualität zeigt sich in den Familien, im freien kindlichen Spiel, in Kindergärten und Schulen wie im Sport und in der Jugendarbeit. Das Eingehen auf Fragen und Verhalten schon im Vorschulalter ist deshalb ein wichtiger Teil jeder guten frühkindlichen Pädagogik – unaufgeregt, altersgerecht, einfühlend, aufklärend, grenzziehend, schützend.

Gefordert sind hier die Eltern, aber auch die Kindertagesstätten und die Grundschulen. Nichts ist schlimmer, als verklemmte Tabus aufzubauen. Die Aufklärung über sexuelle Identitäten gehört in angemessener Form vor und während der Pubertät dazu.”

Tamer Kandemir: “Gute Aufbereitung des Sexualkundeunterrichts”

Stellvertretender Vorsitzender der FDP in Kerpen

Tamer Kandemir

“Wenn es um Sexualkunde an der Schule geht, stehen sich Eltern, Pädagogen und Politiker oft unversöhnlich gegenüber. Warum eigentlich? Natürlich war es für uns als Eltern auch gewöhnungsbedürftig, aber unsere drei Kinder sind damit viel selbstverständlicher umgegangen.

Die eigene Sexualität zu kennen, ist wichtig für die weitere Entwicklung des Kindes und stärkt den Respekt vor dem anderen Geschlecht. Aber: Bei einer Sexualerziehung als Bildungsauftrag der Schulen muss auch sichergestellt sein, dass Kinder nicht überfordert werden. Wichtig ist daher eine gute Aufbereitung des Sexualkundeunterrichts.”