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07/06/2018 12:01 CEST | Aktualisiert 01/08/2018 13:40 CEST

"Plötzlich arm, plötzlich reich": 8-Jähriger sagt, was Arm und Reich unterscheidet

Der Junge zeigt sich unbeeindruckt.

  • Für die Sat.1-Sendung “Plötzlich arm, plötzlich reich” tauschen eine arme und eine reiche Familie eine Woche lang ihr Leben. 
  • Als der achtjährige Julian sieht, in welchem Luxus die Tauschfamilie schwimmt, kann er nur den Kopf schütteln.
  • Im Video erklärt ein Armutsforscher: “So können wir die Armut in Deutschland zielgerichtet bekämpfen”

Schaukelpferde, Puppenwägen, Stofftiere so weit das Auge reicht – die Kinder der Millionärsfamilie Boesch aus Niedersachsen schwimmen in Spielsachen. Schon in jungen Jahren besitzen die Töchter des reichen Paares so viele Dinge, dass sie dafür ein eigenes Spielzimmer brauchen.

Als die mittellose Familie Immetsberger es betritt, kann sie es kaum fassen. Mutter Daniela bricht beim Anblick von so viel Reichtum sogar in Tränen aus. 

Für die Sat.1.-Sendung “Plötzlich arm, plötzlich reich” haben die Immetsbergers für eine Woche das Zuhause mit den Boeschs getauscht. 

“Kein Mensch braucht so viel Spielzeug” 

Während die 35-jährige Daniela mit den vielen neuen Eindrücken nicht umgehen kann, zeigt sich ihr achtjähriger Sohn Julian jedoch unbeeindruckt. “Kein Mensch braucht so viel Spielzeug”, bemerkt er trocken. 

Screenshot Sat1
Julian (rechts) zeigt sich unbeeindruckt vom Reichtum der Tauschfamilie.

Dennoch: Es ist frappierend, wie groß der Vermögensunterschied zwischen den beiden Familien ist.

Julians Vater Kai verdient bei seinem Job bei einer Sicherheitsfirma nur 11 Euro die Stunde. Mutter Daniela ist derzeit nicht berufstätig, weil sie für ihr jüngstes Kind noch keinen Kita-Platz gefunden hat. 

Somit lebt die Familie am Existenzminimum.

► Die Immetsbergers können es sich nicht einmal leisten, ihren Kindern Taschengeld zu geben. Zu sechst haben sie jede Woche 197 Euro zum Leben zur Verfügung. 

► Ihre Tauschfamilie, die schwerreichen Boeschs, geben in derselben Zeit normalerweise 4700 Euro aus. 

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Nicht alle Betroffenen haben sich damit so gut arrangiert, wie der achtjährige Julian. 

“Die fortschreitende Polarisierung der Gesellschaft und die immer kleiner werdende Mittelschicht, wird zu Problemen führen”, glaubt Branko Milanovic, ehemaliger Chefökonom der Weltbank. 

Mehr zum Thema: Die ungleiche Vermögensverteilung gefährdet den Frieden in Deutschland

In einem Interview für die ARD-Doku “Ungleichland” sagte er: “Wir betreten hier Neuland und wir sollten uns fragen, ob eine erfolgreiche Gesellschaft wirklich funktionieren kann, wenn die Schichten so weit auseinander driften.” 

Soziale Ungleichheit in Deutschland

In Deutschland liegen bei den Top 10 Prozent der Arbeitnehmer rund 40 Prozent des Gesamteinkommens. Das hat die Piketty-Studie 2017 herausgefunden. 

“Ihr Anteil ist seit Mitte der 90er Jahren gestiegen”, sagte Charlotte Bartels vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), die die deutschen Daten ausgewertet hat.

Dagegen hätten die unteren 50 Prozent in den letzten Jahren massiv an Anteil am Gesamteinkommen verloren. “In den 60er Jahren verfügten sie noch über etwa ein Drittel, heute sind es noch 17 Prozent”, erläuterte die Wissenschaftlerin. 

Die Ungleichheit bei der Vermögensverteilung ist damit so groß, wie seit 1913, einem Jahr vor Ausbruch des 1. Weltkriegs, nicht mehr.

Armut wirkungsvoll bekämpfen

► Es gilt also, die Armut in Deutschland zu bekämpfen. 

Dafür bedarf es jedoch tiefgehender Veränderungen, wie Armutsforscher Georg Cremer gegenüber der HuffPost erklärt.

Unter anderem müsse die Regierung mehr Geld in Bildung und Ausbildung stecken, um mehr Menschen eine Chance auf höhere Qualifizierung zu geben und damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu steigern.

Zudem müsste das Rentenniveau angehoben oder die Grundsicherung ausgebaut werden, um Altersarmut zu verhindern. 

“Plötzlich arm, plötzlich reich” läuft mittwochs um 20.15 Uhr auf Sat.1.

(ujo)