ELTERN
12/06/2018 11:30 CEST | Aktualisiert 12/06/2018 12:11 CEST

Plakat in einem US-Kindergarten zeigt, was in dem Land falsch läuft

Schon die Kleinsten müssen sich mit einer schrecklichen Wahrheit auseinandersetzen.

fatihhoca via Getty Images
Schon Kindergartenkinder müssen sich mit Amokläufe als reale Gefahr auseinandersetzen. (Symbolbild)
  • Ein Plakat in einem amerikanischen Kindergarten zeigt, wie die Kinder sich mit der Gefahr eines Amoklaufs auseinandersetzen müssen. 
  • Mehrere Eltern berichten auf Twitter jetzt, wie schrecklich und traumatisierend dieses Amok-Training für die Kinder ist.

Durchschnittlich gab es in den USA seit Anfang diesen Jahres etwa einen Amoklauf an einer Schule pro Woche. Von Januar bis Ende Mai 2018 waren es laut dem Nachrichtensender CNN 23 Amokläufe.

Damit gehören Schießereien für Schüler mittlerweile zum Highschool-Alltag. Dafür werden schon an Kindergarten sogenannte “Lockdowns” trainiert – Situationen für den Ernstfall, bei denen die Schüler das Einschließen proben. Genauso wie einen Feueralarm.

Schon heute haben viele Schulen in den USA Metalldetektoren an den Eingängen und unterziehen ihre Schüler bei der Ankunft strengen Sicherheitsüberprüfungen.

Ginge es nach US-Präsident Donald Trump, sollen die Schulen noch härter abgesichert werden, verkündete er nach dem Amoklauf in Parkland im Februar, bei dem 17 Menschen ihr Leben verloren.

Mehr zum Thema: Amokläufe in den USA: Mehr tote Schulkinder als Soldaten in diesem Jahr

Plakat zeigt, wie real die Gefahr schon im Kindergarten ist

Dass die Angst vor einem Amoklauf nicht nur in Schulen, sondern bereits in Kindergärten allgegenwärtig ist, zeigte letzte Woche der Tweet einer Mutter.

Georgy Cohen postete ein Bild von einem Lied, dass im Kindergarten ihres Kinds hing. Zur Melodie von “Twinkle, twinkel, little Star” lernen die Kinder dabei, wie sie sich im Ernstfall verhalten sollen. 

“Lockdown, lockdown, schließ die Tür.
Mach das Licht aus und sag nichts mehr. 
Geh hinter den Tisch und versteck dich,
warte, bis es wieder sicher ist.
Lockdown, Lockdown, ist vorbei.
Jetzt ist wieder Zeit für Spaß.”

► Die Mutter kommentierte das Foto online mit den Worten: “Das sollte nicht in dem Klassenraum meines Bald-Kindergartenkindes hängen.”

Der Post wurde mehr als 40.000 Mal kommentiert und löste eine erneute Debatte über Waffengewalt an Schulen aus.  

Twitternutzerin Jami Taylor fragte, ob es nicht heißen müsste, “das sollte nicht in dem Klassenraum […] hängen MÜSSEN”, denn Fakt sei: Es müsse dort hängen.

Der Amoklauf von Parkland im Februar, aber auch der von Santa Fe, Texas, Mitte Mai mit zehn Toten, hat die Forderung nach schärferen Waffengesetzen wieder in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Besonders stark sind dabei auch die Proteste der Schüler selbst. 

Viele Aktivisten hoffen, dass die medienwirksamen Proteste der Jugendlichen endlich etwas bewegen und genug Druck auf die Regierung und dieKongresswahlen ausüben, um eine Gesetzesänderung veranlassen

Mehr zum Thema: Generation Parkland

Trump fährt einen Zickzack-Kurs

Direkt nach dem Amoklauf gab Trump noch bekannt, er wolle Lehrer bewaffnen lassen, damit sie im Ernstfall besser reagieren könnten. Anfang März kam dann eine Wende. Dort forderte er vor dem Kongress plötzlich strengere Gesetze, wie ein höheres Mindestalter für den Kauf von bestimmten Waffen und erschwerte Bedingungen, wenn Menschen eine psychische Krankheit haben. 

Seine Parteikollegen und der größte US-Waffen-Lobby-Verband National Rifle Association (NRA), waren davon nicht besonders begeistert. Trump hat schließlich Wahlkampfspenden in Höhe von rund 30 Millionen US-Dollar von der NRA angenommen. 

Anfang Mai bekannte sich Trump dann auch wieder öffentlich gänzlich zur Waffenlobby. Beim Jahrestreffen der Branche hielt er eine Rede, in der er sagte, dass nur die Republikaner die Waffengesetze schützen könnten. Zuvor hatte er bereits seine im März gemachten Forderungen nach Verschärfung des Waffenrechts zurückgenommen. 

Mehr zum Thema: Trump spricht bei US-Waffenlobby-Treffen – und bringt absurden Vergleich 

Eine Zwölf-Jährige berichtet von einem Lockdown

Übungen, was im Falle eines Amoklaufs zu tun ist, werden in amerikanischen Schulen vorerst weiter an der Tagesordnung bleiben. 

Wie sich Kinder und Jugendliche bei so einem Lockdown fühlen, zeigen die Tweets einer Mutter aus Los Angeles. Sie berichtete auf dem Kurznachrichtendienst Twitter davon, dass die Schule ihres Kindes sie informiert habe, dass sie sich im Lockdown befänden. Wie sich anschließend herausstellte, ein Fehlalarm.

Als sie ihre Tochter endlich aus der Schule holen konnte, sei das Mädchen verunsichert und voller Adrenalin gewesen.  

Wine-Thyre erzählt, wie sich ihre zwölfjährige Tochter gefühlt habe. Sie habe berichtet, dass eine mechanische Stimme sie über den Lockdown informiert habe. Daraufhin habe der Lehrer die Rollos an den Fenstern herunter gelassen und alle Schüler hätten sich in die Ecke des Raumes gedrängt. 

Wir hatten alle so viel Angst und viele Kinder weinten. Mein Freund und ich hielten einander”, habe die Tochter erzählt. 

Die Kinder hätten gedacht, sie müssten jetzt sterben. Während des Lockdowns hätten sie auch keine Updates über die Situation bekommen.

So hätten die Kinder 45 Minuten lang in Stille ausgeharrt, in der Hoffnung, dass es so aussehe, als wäre niemand da. “Wir hörten Helikopter über uns und dachten, gleich werden wir bombardiert. Das hat noch mehr Angst gemacht.”

Ihre Tochter berichtete, dass sie wirklich dachte, sie würde sterben und froh sei, noch am Leben zu sein. Wine-Thyre schrieb, dass sie selbst schockiert und unglaublich wütend war, was ihre Tochter bei dem Fehlalarm durchmachen musste. 

Sie fasste zusammen: “Die Erfahrung eines Lockdowns ist für ein Kind, die des Terrors. Sie wissen nicht, was passiert, bis es vorbei ist. Viele Menschen sehen das als den ‘Preis für die Freiheit’. Es ist entsetzlich, dass wir das Kindern antun.” 

(ks)