NACHRICHTEN
12/07/2018 13:30 CEST | Aktualisiert 13/07/2018 07:39 CEST

Philipp Lahm: Die Erdogan-Affäre war auch Schuld der DFB-Spitze

"Hat man den Spielern aufgezeigt, wofür man steht?"

  • Philipp Lahm geht mit Oliver Bierhoff und dem DFB-Management hart ins Gericht.
  • Die Schuld für die Erdogan-Affäre sieht er auch bei den Funktionären des Teams. 

Philipp Lahm hat in einem Gespräch mit der “Zeit” die DFB-Spitze kritisiert.

Vor allem Oliver Bierhoff bekommt sein Fett weg. Dieser hatte in der “Welt” gesagt, man hätte in der Fußball-WM wegen der Erdogan-Affäre eventuell auf Mesut Özil verzichten müssen. Im ZDF hatte Bierhoff die Aussage dann relativiert und ein Missverständnis genannt.

Özil und Ilkay Gündogan hatten sich kurz vor der Weltmeisterschaft mit dem umstrittenen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan fotografieren lassen.

Özil sei der Grund, warum sich viele mit der Mannschaft identifizieren 

Lahm findet, es sei an der Zeit, die Leistungen auf dem Platz und den Umgang mit der Erdogan-Affäre zu analysieren. “Danach muss man mit seiner Haltung an die Öffentlichkeit gehen. Das wäre die richtige Aufarbeitung.”

Lahm nahm Özil in Schutz. Dieser habe sich in der Mannschaft immer tadellos und kollegial verhalten. “Auch seinetwegen haben sich viele Menschen in Deutschland mit der Nationalmannschaft identifizieren können”, sagte Lahm.

Lahm sieht die Schuld an der Affäre auch bei der DFB-Spitze. Dass es überhaupt zu den Fotos gekommen sei, zeuge auch von mangelnder Aufklärung seitens des DFB.

“Man hätte es besser machen können”

Für Lahm umfasst Fußball viel mehr als nur das Geschehen auf dem Platz. “Die Frage ist: Hat man allen Spielern immer genau aufgezeigt, wofür man steht? In Zukunft muss das jedenfalls so sein, finde ich. Fußball hat bei uns eine große Bedeutung über das Spiel hinaus. Ich muss als Spieler wissen, wie ich mich innerhalb der deutschen Nationalmannschaft zu bewegen habe.”

Lahm trat weiter in Richtung DFB: “Man hätte es sicher besser machen können.”

Auch Bierhoffs offensive Vermarktung des Teams sieht er kritisch. Dazu meinte Lahm: “Die Spieler hätten lieber weniger Marketingtermine.”