WIRTSCHAFT
21/04/2018 11:16 CEST | Aktualisiert 21/04/2018 14:00 CEST

Diese 3 Dinge würde Hartz-IV-Erfinder Peter Hartz in Jobcentern ändern

Vom Plan der SPD, ein solidarisches Grundeinkommen einzuführen, hält er gar nichts.

JOCHEN LUEBKE via Getty Images
  • Der Namenspate von Hartz IV, Peter Hartz, schlägt Verbesserungen am System der Grundsicherung vor
  • Viel diskutierte Pläne der SPD hält er dagegen für einen Rückschritt

Peter Hartz gilt als einer der Väter der Agenda 2010 und als Architekt der Sozialrechts-Reformen, die heute jeder nur als Hartz IV kennt.

Anfang des Jahrtausends holte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den früheren VW-Personalmanger in die Kommission, die vorschlug, Arbeitslosengeld und Sozialhilfe zusammenzulegen und den Arbeitsmarkt flexibler zu machen.

Der heute 76 Jahre alte Hartz ist schon lange unglücklich darüber, dass viele seinen Namen nun mit sozialem Abstieg und sozialer Kälte in Verbindung bringen. In der “Bild”-Zeitung vom Samstag sagte er nun, was er an Hartz IV ändern würde:

1. Er will den zweiten in den ersten Arbeitsmarkt integrieren.

Der zweite Arbeitsmarkt bezieht sich auf Jobs, die nur durch öffentliche Förderung erhalten oder geschaffen werden können – zum Beispiel Ein-Euro-Jobs oder Arbeitsbeschaffungsmaßnah

men. Solche Jobs sollen den Beschäftigten helfen, einen Arbeitsplatz im regulären Markt zu finden.

Damit stellt sich Hartz gegen die SPD, die über ein solidarisches Grundeinkommen nachdenkt, also Langzeitarbeitslose etwa in kommunalen Unternehmen gemeinnützige Arbeit verrichten lassen will. 

“Es wäre ein Salto rückwärts!”, sagte Hartz der Zeitung. “Wir haben mit der Reform gerade die Erwerbslosen aus der Sackgasse geholt und ihnen den Arbeitsmarkt geöffnet. Sie würden jetzt wieder als zweitklassig eingestuft.”

2. Neue Forschungsergebnisse sollen berücksichtigt werden.

Wenn es nach Hartz geht, sollen die Betreuer der Arbeitslosen Ergebnisse aus der Hirn- und Verhaltensforschung nutzen, um ihren Kunden zu helfen. Er schlägt etwa ein Gesundheits-Coaching vor.

3. Hartz will Big Data nutzen.

Der frühere Top-Manager sagte der Zeitung, jeder Mensch habe Talente, die man heute messen könne. “Dank Big Data können wir alle möglichen Beschäftigungen aufspüren.“

Macht Hartz IV nun arm?

CDU-Politiker Jens Spahn hatte vor einigen Wochen gesagt, wer Hartz IV beziehe, sei nicht arm. Das hatte eine massive Diskussion in Deutschland ausgelöst, ob das nun richtig oder zynisch sei.

Hartz fand auf die Frage gegenüber der “Bild”-Zeitung eine diplomatische Antwort:

“Wenn es Ihnen vorher besser ging, dann werden Sie dadurch ärmer. Wenn Sie nichts hatten, ist es eine Grundsicherung fürs Leben. Und wenn Sie als Ausländer nach Deutschland kommen, ist es eine vergleichsweise gute Hilfe.“

(ame)