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19/07/2018 16:34 CEST | Aktualisiert 20/07/2018 14:16 CEST

Perpetual Guardian: Arbeit für vier Tage in der Woche, Geld für fünf

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Digital Vision via Getty Images

Die neuseeländische Firma Perpetual Guardian hat ausprobiert, was passiert, wenn ihre Angestellten vier Tage pro Woche arbeiten – und für fünf bezahlt werden. Das Ergebnis des Tests im März und April fiel so gut aus, dass der Geschäftsführer des Finanz- und Immobiliendienstleisters mit 240 Mitarbeitern nun erwägt, aus dem Probelauf einen Dauerzustand zu machen.

► Die hat den Versuch von Wissenschaftlern begleiten lassen. Die britische Zeitung “Guardian” zitiert Jarrod Haar, Professor der Auckland University of Technology: Der Anteil der Mitarbeiter mit guter Work-Life-Balance, die das Gefühl haben, Arbeit und Privatleben unter einen Hut zu bringen, stieg von 54 Prozent auf 78 Prozent. 

► Das Stresslevel der Belegschaft sei um sieben Prozent gesunken.

► Die Lebenszufriedenheit der Angestellten stieg um fünf Prozent.

► Firmengründer und Geschäftsführer Andrew Barnes sagte dem australischen Sender ABC, seine Leute hätten in den vier Tagen genauso viel erreicht wie zuvor in fünf. Die Produktivität sei also um 20 Prozent gestiegen.

Warum der Versuch wichtig ist:

Flexiblere Arbeitszeiten, kürzere Arbeitszeiten, weniger Präsenzkultur sind viel diskutierte Themen in Deutschland. Und das, obwohl die Deutschen laut OECD im internationalen Vergleich die wenigsten Stunden arbeiten, im Schnitt 1356 Stunden pro Jahr – in Neuseeland sind es 1753 Stunden. 

Barnes sagt, er sei auf die Idee mit der kürzeren Arbeitswoche gekommen, als er gehört habe, dass Angestellte nur 2,5 Stunden am Tag produktiv seien. Sprich: Wer länger im Büro sitzt, schafft deswegen noch lange nicht mehr, als wenn er kürzer, aber konzentrierter arbeitet.

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Möglich ist außerdem, dass kürzere Arbeitszeiten zu mehr Geschlechtergerechtigkeit führen. Barnes verweist darauf, dass Frauen nach der Kinderpause oft weniger Stunden arbeiteten und weniger verdienten, aber genauso viel schafften wie andere Kollegen in mehr Zeit. 

Was ihr noch wissen müsst:

Die Studie zeigt allerdings auch, dass selbst dieses für viele Arbeitnehmer traumhaft anmutende Modell offenbar nicht unbedingt alle glücklich macht. Sonst hätte die Zufriedenheit wohl stärker steigen müssen als die Forscher es beobachtet haben.  

(jds)