POLITIK
16/02/2018 12:45 CET

Ein Satz von JU-Chef Ziemiak bei "Illner" entlarvt das größte Problem der CDU

Es geht nicht ohne Merkel. Und nicht mit ihr.

Screenshot
Paul Ziemiak offenbarte bei "Maybrit Illner" das Merkel-Dilemma der CDU. 
  • Paul Ziemiak, Chef der Jungen Union, gibt sich bei “Maybrit Illner” abgeklärt
  • Doch mit einem beiläufig eingestreuten Satz offenbart er unfreiwillig das größte Problem seiner Partei

Einmal mehr ist am Donnerstagabend klar geworden: Paul Ziemiak ist kein Kevin Kühnert. Kein innerparteilicher Rebell, wie sein sozialdemokratischer Gegenspieler, der sich mit der Führungsspitze seiner Partei offen anlegt, der nach Erneuerung und Fortschritt ruft. Vielleicht sogar nach ein bisschen politischer Revolution

Vielmehr legte der Chef der Jungen Union, der Nachwuchsorganisation von CDU und CSU, bei “Maybrit Illner” einen aalglatten Auftritt hin.

Ein bisschen SPD-Bashing, ein bisschen Menschlichkeit, als er Mitleid mit Ex-SPD-Chef Martin Schulz zeigt. Und ein bisschen Prahlerei über die eigene Partei, der es um Deutschland gehe, die das Land voranbringen wolleund so weiter und so fort

Nur in einem Moment geht die makellose Darbietung Ziemiaks fehl. Es ist ein geradezu beiläufiger Satz – doch er entlarvt das größte Problem, mit dem die CDU derzeit zu kämpfen hat. 

Die CDU-Fassade bröckelt

Der Moment bahnt sich während einer Abhandlung Ziemiaks über die bevorstehende Neuauflage der Großen Koalition an. 

“Die GroKo ist kein Wunschkonzert”, sagt der vergleichsweise junge CDU-Politiker. Aber anders als den Jusos unter Kühnert gehe es seiner Partei nun um Deutschland. Soll wohl heißen: Den Christdemokraten liegt das Regieren am Herzen, und dafür nimmt man dann auch eine inhaltliche Annäherung an die SPD in Kauf. 

Mehr zum Thema: Die Jugend fühlt sich von der Politik vernachlässigt – Schwarz-Rot hat das noch verschlimmert

Ziemiak lässt sich in diese Haltung auch nicht reinreden. Nicht von Maybrit Illner, die ihm nahelegt, doch mal frecher zu sein und den Koalitionsvertrag mit Phrasen wie “Mief der Umverteilung” zu kritisieren. Und nicht von “Welt”-Journalistin Claudia Kade, die den JU-Chef fragt, was er denn noch für konservativ halte

Ziemiaks Antworten auf die Frage hätten auch vom ebenfalls anwesenden SPD-Mann Olaf Scholz kommen können: “Recht und Ordnung, Leistungsgerechtigkeit, Familien unterstützen.” 

Doch dann kommt der Satz, der die staatstragende Ziemiak-Fassade bröckeln lässt. “Wir haben Wahlkampf gemacht für die Kanzlerin”, sagt der JU-Chef. “Aber: Nur Angela Merkel ist ein bisschen zu wenig.”

Das Damoklesschwert Merkel

Es ist eine Aussage, die auf gleich zweierlei Arten entlarvend ist. 

► Zunächst, weil Ziemiak damit sagt, dass es seiner Partei im Wahlkampf nicht darum ging, die Wähler mit ihrer Vision der Zukunft Deutschlands zu begeistern – sondern vor allem um den Machterhalt der Kanzlerin

Gleichzeitig legt er offen, dass der CDU gar keine andere Wahl bleibt, als auf Merkel zu bauen. Zwar sagt Ziemiak, Merkel alleine sei nicht genug. Doch hat zuvor sein inhaltlich zahnloser Auftritt in der Sendung gezeigt: Nach Merkel kommt bei den Christdemokraten lange nichts. 

Eben auch kein Paul Zimiak, der ja eigentlich Ambitionen haben sollte, eine gewichtigere Rolle einzunehmen – ja, diese Ambitionen eigentlich haben muss. 

Mehr zum Thema: CDU-Konservative kritisieren GroKo: “Die Union hat für Merkels Machterhalt ihre Seele verkauft”

Doch es sind andere, die in der CDU nach Erneuerungen rufen: die von der alten Garde, bestehend aus Friedrich Merz, Norbert Röttgen und Roland Koch. Allesamt wurden sie von Merkel geschasst – und treten nun gegen ihre alte Widersacherin nach. 

Ein wirkliches, tatkräftiges und konsequentes Interesse an einem inhaltlichen und personellen Neuanfang in der CDU kann keinem der Männer nachgesagt werden. 

Das gleiche lässt sich zur Zeit auch über Paul Ziemiak sagen. 

Mehr zum Thema: Warum Deutschland eine Revolte der jungen Generation braucht – und wie sie aussehen muss

(sk)