NACHRICHTEN
10/04/2018 08:45 CEST | Aktualisiert 10/04/2018 11:27 CEST

Pädophiler: "Ich stehe auf Kinder – so gehe ich mit meiner Krankheit um"

"Mit 15 oder 16 Jahren fiel mir auf, dass ich auf Kinder stehe."

  • Auf der Plattform “Jodel” schreibt ein 26-Jähriger anonym über seine Pädophilie
  • Die Community reagiert mit Offenheit und Interesse
  • Im Video oben offenbart ein Sex-Süchtiger im Interview, wie er mit seiner Krankheit umgeht

“Ich bin in Therapie bei ‘Kein Täter werden’”. So beginnt ein 26-Jähriger einen Chat auf der Plattform “Jodel” und outet sich so als Pädophiler. Die HuffPost konnte jedoch nicht persönlich mit dem Mann sprechen. Er äußerte sich anonym. 

Die Präventionsnetzwerk “Kein Täter werden” bietet Pädophilen kostenlose und anonyme Therapiemaßnahmen an, damit sie nicht zu Tätern werden. Laut eigenen Angaben ist auch der 26-Jährige dort seit 2016 in Behandlung. 

Er wolle aufklären, schreibt er gleich zu beginn der Unterhaltung. Und fordert die Community auf: “Ich stehe euch Frage und Antwort”. 

Auf seine Aufforderung bekommt er keinen Shitstorm, sondern viele interessierte Fragen. Die Community schein wirklich zu versuchen, ihn zu verstehen. 

Nur Wenige kennen seine pädophilen Gedanken

Der 26-Jährige erklärt, dass ihm bereits mit 15 oder 16 Jahren zum ersten Mal aufgefallen sei, dass er pädophil sei. 

Weiter schreibt der junge Mann, dass er seine Krankheit acht Jahre geheim gehalten habe. Heute wüssten nur seine Eltern und seine engsten Freunde davon. 

Mehr zum Thema:  Biker: Wir helfen sexuell missbrauchten Kindern in Deutschland

Als er seinen Eltern davon erzählte, sollen sie geschockt gewesen sein: “Mein Vater ist wortlos gegangen und hat sich Schnaps geholt und meine Mutter hat nur noch geheult und meinte, ich sei eklig.”

Seine Eltern sollen den Kontakt zu ihm abgebrochen haben. Er sei nicht mehr ihr Sohn, schreibt er. 

Auf Jodel schreibt der 26-Jährige: “Er möchte kein Monster sein”. Eigentlich wolle er nur ein ganz normales Leben führen und eine Freundin haben. Doch er glaubt, dass das für ihn nicht möglich sei. 

Der junge Mann scheint sehr verzweifelt zu sein, spricht sogar von Suizid: “Wenn ich keine Kraft mehr habe, würde ich mein Leben beenden.”

“In meiner Fantasie ist es Blümchensex mit Kuscheln”

Er könne sich auch nie vorstellen, dass er ein Kind zu Sex zwingen würde. “In meiner Fantasie ist es immer einvernehmlich und so Blümchensex mit Kuscheln. Ich verabscheue Gewalt und Machtausübung”, schreibt der 26-Jährige. 

Eine Freundin habe ihn eines Tages überredet, dass er sich von der Organisation “Kein Täter werden” helfen lasse. Er vereinbarte einen Termin. “Vor dem ersten Termin hab ich nicht geschlafen und mich übergeben vor Aufregung und Angst.”

Jetzt würde er einmal pro Woche nach Düsseldorf zur Therapie fahren, schreibt der 26-Jährige. Alles was er sich wünsche, sei eine normale Beziehung mit einer verständnisvollen, liebevollen Frau. 

Mehr zum Thema: Pädophiler Erzieher berichtet anonym: So fühlt es sich an, jeden Tag Kinder um mich herum zu sehen

Die Community scheint den Mann für seine Offenheit zu bewundern. Einige sagen sogar, dass er sehr stark sei. Andere versuchen ihm, verschiedene Vorschläge zu unterbreiten, wie er trotz Pädophilie ein gutes Leben führen könne. 

Hoffentlich kann der 26-Jährige weiterhin so reflektiert mit seiner Krankheit umgehen. Und hoffentlich bleiben die Fantasien nur Fantasien. So dass er nie zum Täter wird. 

Das Präventionsnetzwerk “Kein Täter werden” bietet kostenlose Therapien unter Schweigepflicht an. Mehr Informationen findet ihr hier.

(ks)