LIFESTYLE
16/04/2018 17:35 CEST

Paartherapeuten: Wegen dieser irren Gründe hätten sich Paare fast getrennt

Die Streitgründe reichen vom Katzenleckerli bis zum Albtraum.

Milkos via Getty Images
Einige Paartherapeuten fühlen sich wie Richter – denn sie müssen ständig Streitereien schlichten (Symbolbild).
  • Es gehört zum Job von Ehe- und Paartherapeuten, Streitereien zwischen Paaren zu schlichten – auch wenn die oft lächerlich sind
  • Hier sind die 6 irrsten Geschichten, die uns Therapeuten erzählt haben

Zu den Aufgaben von Ehe-Therapeuten zählt es, sowohl bei ernsthaften Auseinandersetzungen als auch bei albernen Zankereien den Schiedsrichter zu spielen.

“Ich könnte ebenso gut eine Richterin in einer schwarzen Robe sein. Denn hin und wieder muss ich Urteile darüber fällen, was in einer Ehe zumutbar ist und was nicht”, sagt Ehe- und Familientherapeutin Becky Whetstone der HuffPost.

Wir haben Whetstone und andere Paartherapeuten gebeten, uns von den lächerlichsten Streitfällen zu erzählen, die sie jemals schlichten mussten. Und das sind ihre Geschichten:

Streit Nummer 1: Katzenleckerlis

“Der Ehemann liebte es, die Katze des Paares mit kleinen Snacks zu füttern, die speziell für Katzen hergestellt worden waren. Es gefiel ihm, sich mit der Katze zu beschäftigen und dadurch eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Doch die Frau war der Meinung, dass die Leckerlis nicht gesund für die Katze seien.

Das Paar trieb diesen Streit so weit, dass es schließlich sogar über eine Scheidung nachdachte. Doch wer von beiden würde dann die Katze bekommen? Ich schlug ihnen vor, sich auf eine bestimmte Anzahl an Leckerlis pro Tag zu einigen. Der Mann sollte der Katze die Leckerlis geben und die Frau sollte die Katze füttern. Damit schien das Problem dann auch gelöst zu sein.”  Tina Tessina, Psychotherapeutin und Co-Autorin des Buches “How to Be a Couple and Still Be Free

Streit Nummer 2: Ein Wettrennen um die Einreichung der Scheidungspapiere

“Dieses Paar veranstaltete ein regelrechtes Autorennen zum Gericht. Es ging darum, wer von beiden zuerst die Scheidungspapiere einreichen würde. Ich hielt mit dem Paar gerade eine telefonische Eheberatungssitzung ab. Beide Partner waren der Telefonkonferenz per Handy zugeschaltet. Wie fast immer gerieten die beiden wieder einmal über irgendetwas Unbedeutendes und Lächerliches in Streit – ich weiß gar nicht mehr, worum es damals eigentlich genau ging.

Die beiden standen ohnehin bereits kurz vor der Scheidung und sie waren auch schon getrennt. Sie stritten sich also am Telefon, während ich versuchte, ihre Auseinandersetzung zu schlichten. Doch plötzlich schrie der Mann wütend, dass er jetzt sofort in seinen Wagen steigen und zum Gericht fahren würde, um dort die Scheidungspapiere einzureichen.

Die Frau fasste dies als Drohung und Herausforderung auf und entgegnete, sie würde die Papiere noch vor ihm einreichen. Während ich versuchte, den Konflikt zu entschärfen, rasten die beiden durch die Stadt, um sich gegenseitig bei der Einreichung der Scheidungspapiere auszustechen. In ihrem Versuch, sich gegenseitig zu übertrumpfen, missachteten sie sämtliche Geschwindigkeitsbeschränkungen und sie rasten sogar über rote Ampeln.

Als sie dann bei Gericht ankamen, hatte ich es zum Glück bereits geschafft, sie ein wenig zu beruhigen. An diesem Tag reichte keiner der beiden die Scheidung ein. Letzten Endes ließen sie sich dann aber doch noch scheiden.” Kurt Smith, auf die Beratung von Männern spezialisierter Therapeut 

Streit Nummer 3: Traum oder Wirklichkeit?

“Einmal kam ein Paar zu mir in Therapie, um sich ganz speziell mit einem Problem auseinanderzusetzen, das die gemeinsame Ehe gefährdete. Die Frau hatte den wiederkehrenden Traum, dass ihr Mann sie mit einer ihrer besten Freundinnen betrog. Ihre Träume entsprangen komplett ihrer eigenen Fantasie.

Es gab keinerlei Hinweis darauf, dass der Mann im echten Leben tatsächlich irgendetwas tat oder im Sinne hatte, was diesen Träumen entsprochen hätte. Die Frau warf ihm vor, dass er sie schlecht behandeln würde und dass er sich dann auch noch hinter ihrem Rücken an ihre beste Freundin heranmachen würde.

Der Mann gab schließlich vollkommen verzweifelt auf. Denn offensichtlich konnte er sich gegen die Dinge, die er in den Träumen seiner Frau tat, nicht verteidigen. Manchmal sprach sie stundenlang nicht mit ihm. Und wenn er sich ganz normal mit ihr unterhalten wollte, redete sie entweder in einem bissigen Tonfall mit ihm oder sie antwortete ihm gleich gar nicht.

Es folgten mehrere Therapiesitzungen, in denen wir uns mit dem Thema Angst auseinandersetzten und ausführlich darüber diskutierten. Dabei achteten wir sehr darauf, dass die beiden sich gegenseitig einfühlsam zuhörten. Schließlich stellte sich heraus, dass die zunehmenden schlechten Träume der Frau daher rührten, dass sie die Dosis ihres Melatonin-Präparates erhöht hatte, um besser einschlafen zu können.”  Laura Heck, Paartherapeutin und Entwicklerin der Online-Paartherapie-Serie “ForBetter

Streit Nummer 4: Gegenseitige Retourkutschen in der offenen Ehe

“Bob and Carol (die Namen wurden geändert) kamen wegen einer Paartherapie zu mir. Die beiden befanden sich in einer offenen Beziehung. Sie wollten eine gute Lösung für die komplexen Ausnahmeregelungen finden, die sie um ihre monogame Ehe herum erschaffen hatten.

Bob hatte zwei Freundinnen. Carol war damit einverstanden, dass die beiden zu ihrem Leben gehörten. Die Voraussetzung dafür war, dass Bob seine Freundinnen lediglich am Wochenende traf und dass er sie nicht außerhalb der festgelegten Zeiten kontaktierte, die das Paar miteinander vereinbart hatte.

Carol wiederum hatte einen Freund. Bob war damit einverstanden, dass sie jeweils die kompletten Samstage mit ihm verbrachte. Dafür durfte sie ihn an allen anderen Tagen überhaupt nicht kontaktieren.

 

Als Carol einmal einen Monat lang auf Reisen war, traf sie sich in der Stadt, in der sie gerade zu Besuch war, mit ihrem Freund in einer Bar. Die beiden unterhielten sich und tranken eine Tasse Kaffee miteinander. Dies geschah jedoch an einem Donnerstag. Carol erzählte Bob von dem Treffen.

Um sich an ihr zu rächen, verabredete er sich daraufhin an einem Montag mit einer seiner Freundinnen zum Tee trinken. Da Carol darüber wütend war, telefonierte sie an einem Mittwoch mit ihrem Freund. Bob fühlte sich verraten und rief deshalb an einem Freitag seine zweite Freundin an, um sich mit ihr zu einem gemeinsamen Picknick im Park zu verabreden. Jede Woche nutzten Bob und Carol die Therapiesitzung mit mir, um sich gegenseitig zu gestehen, was sie getan hatten.

Und um sich dadurch aneinander zu ‘rächen.’ Bei den meisten offenen Ehen geht es darum, gute Lösungen für Themen wie Zeit, Aufmerksamkeit, Zuneigung und Sex zu finden. Wir versuchten jede Woche, diese Grenzen auszuloten, bis ich schließlich sagte: ‘Entweder ihr hebt jetzt sämtliche Regelungen für diese offene Beziehung auf, oder ihr werdet endlich erwachsen.’ Denn die beiden verhielten sich zugegebenermaßen wie Teenager.”  Tammy Nelson, Sex-Therapeutin und Autorin des BuchesThe New Monogamy

Streit Nummer 5: Ein absurdes Ultimatum

“Eine Frau hatte ihrem Ehemann, mit dem sie seit vielen Jahren verheiratet war, gestanden, dass sie Angst davor hatte, sich scheiden zu lassen und allein leben zu müssen. Daraufhin antwortete der Mann ihr: ‘Na gut, wenn ich meine Freundin behalten darf, können wir weiterhin verheiratet bleiben und genau so weitermachen wie bisher. Dann brauchen wir uns nicht scheiden lassen und wir müssen auch unser Leben nicht verändern.’

Diesen Vorschlag lehnte die Frau selbstverständlich ab. Man sollte niemals von seinem Partner verlangen, dass er seinen inneren Frieden aufgibt, damit man selbst seine Ruhe hat. Es ist äußerst unreif, seine eigenen Wunschträume von einem perfekten Leben in seine Ehe mit einzubringen und sie ernsthaft seinem Partner vorzuschlagen. Vor allem, wenn man ganz genau weiß, dass für diesen Wunschtraum alle Beteiligten eine äußerst bittere Pille schlucken müssten.”  Whetstone

Streit Nummer 6: Ein Streit um den Streit

“Ich habe schon öfter miterlebt, dass Paare sich darüber streiten, wer von beiden die Auseinandersetzung eigentlich vom Zaun gebrochen hat. Manchmal streiten sie sich auch darüber, wer länger gebraucht hat, um die Auseinandersetzung beiseite zu legen oder wer von beiden als erster wieder auf den anderen zugegangen ist.

‘Du hast dich ganze fünf Minuten lang ausgelassen und ich bin überhaupt nicht zu Wort gekommen!’ ‘Das stimmt nicht! Ich habe insgesamt bestimmt nicht mehr als zwei Minuten lang geredet.’ ‘Wir hätten uns überhaupt nicht erst streiten müssen, wenn du nicht schon mit schlechter Laune nach Hause gekommen wärst.’ ‘Ich war total gut drauf, als ich nach Hause kam. DU hast doch mit dem ganzen Stress erst angefangen.’

Das Streitthema bei einer Auseinandersetzung zwischen einem Paar ist meist gar nicht das eigentliche Problem zwischen den beiden. Und deshalb wirken die meisten lächerlichen Streits ja auch so absurd. Denn eigentlich sind sie ein wichtiger Hinweis auf die Dynamik zwischen dem Pärchen. Wenn ein Paar sich so derart im Kreis dreht, ist die einzige ‘Lösung’, einfach einmal innezuhalten und sich zu fragen, ob die Frage, wer im Recht ist und wer nicht, es denn wirklich wert ist, sich zu streiten.

Denn ganz egal, wer den Streit ‘begonnen’ hat, müsste die eigentliche Frage doch lauten: ‘Warum seid ihr überhaupt erst aneinandergeraten und warum habt ihr diesen Streit fortgeführt, anstatt einen Weg zu finden, den Konflikt zu entschärfen?’”  Winifred M. Reilly, Ehe- und Familientherapeut und Autor des Buches: It Takes One to Tango.” 

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei HuffPost US und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.