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04/05/2018 16:05 CEST | Aktualisiert 05/05/2018 13:40 CEST

Amerikanisch-deutsches Paar über kulturelle Unterschiede in der Liebe

Wegen seiner anderen Art zu flirten, wären die beiden fast kein Paar geworden.

  • Flirten, Lieben und Partnerschaft funktionieren in den USA und Deutschland unterschiedlich.
  • Ein Pärchen verrät, dass besonders mit Eifersucht und öffentlicher Zuneigung unterschiedlich umgegangen wird.
  • Im Video oben: Das sind die kuriosesten Vorurteile gegenüber Deutschen

Das Image der USA hat seit der Wahl von US-Präsident Donald Trump kräftig gelitten. Dabei sind die amerikanische und die deutsche Kultur doch gar nicht so verschieden, oder?

Die HuffPost haben bei einem Paar nachgefragt, das es wissen muss. Marleen K. kommt aus der Nähe von Stuttgart, ihr Freund Igor M. ist in den USA aufgewachsen.

Und die beiden haben uns verraten, dass die Unterschiede doch größer sind, als gedacht – vor allem, wenn es um die Liebe geht.

Die Deutschen flirten subtil

2013 trafen sich Igor und Marleen bei einer gemeinsamen Freundin zum ersten Mal. “Ich mag große Frauen mit tiefer Stimme und da ist sie mir sofort aufgefallen”, erinnert sich Igor an die erste Begegnung.

Also ging er direkt auf sie zu und sagte ihr, dass er auf sie stehe. 

Das war, wie sich herausstellte, zu direkt für Marleen – und sie erteilte ihm eine Abfuhr. “Das war der schlimmste Korb meines Lebens”, sagt Igor.

Für ihn sei es aber auch eine lehrreiche Erfahrung gewesen, denn danach wusste er, dass die Deutschen eher subtil flirten. Daran hat sich der gebürtige Brasilianer seitdem orientiert.

Von North Carolina bis nach Bayern

Der heute 24-Jährige verbrachte den Großteil seiner Kindheit in den USA, wo er in Charlotte im Bundesstaat North Carolina, zur Highschool ging. Für ein Auslandsjahr kam er 2013 nach Deutschland, mittlerweile studiert er in Bayern.

Nach dem Kennenlernen blieben die beiden in Kontakt. Wurden Freunde und vertrauten sich die Beziehungsprobleme mit ihren Partnern an.

Als beide wieder Single waren, trafen sie sich vor allem zu heimlichen Dates zuhause. “Die Stadt in der wir wohnen ist so klein, wenn man da ausgeht, sieht es jeder”, sagt die 26-Jährige Marleen.

Seit knapp vier Monaten sind die zwei ein Paar. “In meiner vorherigen Beziehung habe ich schon gemerkt, dass die Deutschen anders ticken und, dass man sich anders als in den USA zeigt, dass man sich mag”, sagt Igor.

Doch ganz kann Igor nicht aus seiner Haut. Bei einem ihrer Treffen gingen sie einen Kaffee trinken und er sagte Marleen durch die Blume ziemlich genau, was ihm an ihr gefällt. “Das hat mir natürlich geschmeichelt”, erklärt Marleen. “Aber in erster Linie war ich davon überfordert und konnte ihm danach gar nicht mehr in die Augen schauen. Igor trägt sein Herz viel mehr auf der Zunge als deutsche Männer.

Ist typisch deutsch ein Beziehungskiller?

So wie Marleen immer wieder typisch amerikanische Charakterzüge auffallen, hat auch Igor einige stereotype Eigenschaften erkannt. Zwar kannte er die Vorurteile von deutscher Ordnung, trotzdem überraschte ihn die Realität: “Die Leute haben hier tatsächlich einen Plan, also nicht nur für morgen, sondern auch für ihr ganzes Leben. Das ist anders und auch wie sie mit Geld umgehen, kannte ich nicht.”  

Besonders mit der deutschen Pünktlichkeit hat Igor immer noch seine Probleme. “Ich verpasse zwar keine Dates, aber meine Vorlesungen verschlafe ich schon öfter”, gibt der Student zu.

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Marleen ist was Ordnung und Pünktlichkeit angeht entspannter als das Klischee. “Dafür ist sie in anderen Dingen typisch deutsch”, witzelt Igor. Über Gefühle und Probleme zu sprechen, das sei mit Deutschen eher schwierig. “Ich werde dann manchmal wütend, weil er immer direkt was sagen muss und will, dass ich über alles rede”, verrät Marleen.

Seine offene Art überraschte sie, aber auch seine Zuneigung in der Öffentlichkeit. Einmal habe er bei einem Essen in der Mensa über den Tisch hinweg ihre Hand genommen. “Ein Freund hat es gesehen und überall rumerzählt. Unser Händchenhalten in der Mensa wurde zu einem Running Gag in unserem Bekanntenkreis”, erzählt Marleen.

Zärtlichkeiten und Küsse in der Öffentlichkeit ist sie von Deutschen nicht so gewohnt, wie von Igor. Das sieht er genauso.

Eifersucht ist keine typisch deutsche Eigenschaft

Dafür verblüffte ihn am Anfang ein anderes Thema. “Es überrascht mich immer wieder, wie wenig Eifersucht hier eine Sache ist”, erzählt der Amerikaner.

In den USA vermeide man es, Freunden vom gleichen Geschlecht gegenüber zu offen zu sein. “Früher wäre ich sofort eifersüchtig geworden, wenn ich gesehen hätte, wie Marleen männliche Freunde umarmt oder sie spielerisch auf die Wange küsst. Hier ist so etwas vollkommen normal.

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Auch zu Missverständnissen kommt es wenn dann nur durch Übersetzungsschwierigkeiten. “Wir haben die gleichen Werte und Vorstellungen davon, wie unsere Beziehung aussehen soll, das passt sehr gut”, findet Igor.

Über die nächsten Schritte wie Zusammenziehen haben die beiden bisher noch nicht nachgedacht. Sie sind sich einig: In den USA machten die Paare das sehr schnell, da es viel einfacher wäre einen Kredit aufzunehmen und ein Haus zu kaufen.

Das machen die beiden lieber auf die deutsche Art, wohl überlegt und mit Zeit.

(ks)