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22/07/2018 13:59 CEST | Aktualisiert 22/07/2018 23:08 CEST

Özils Erklärung Wort für Wort: "Ich rede mit Erdogan immer nur über eins"

So äußert sich Özil zu seinem Erdogan-Foto.

Im Video oben seht ihr die Stellungnahme des Nationalspielers.

Der deutsche Fußballnationalspieler Mesut Özil hat sich bei Facebook und Twitter nach monatelangem Schweigen zum ersten Mal zu seinem umstrittenen Foto mit dem türkischen Präsidenten geäußert. Es war die erste von drei Stellungnahmen an diesem Sonntag. Über das Bild mit Recep Tayiyp Erdogan aus dem Mai schrieb Özil im Wortlaut:

“Ich habe in den vergangenen Wochen viel Zeit gehabt, über die Ereignisse der letzten Monate nachzudenken. Deshalb will ich nun meine Gedanken und Gefühle zu dem teilen, was passiert ist.

Wie bei vielen Menschen kommen meine Vorfahren aus mehr als nur einem Land. Während ich in Deutschland aufwuchs, hat meine Familie einen türkischen Hintergrund. Ich habe zwei Herzen, ein deutsches und ein türkisches.

Während meiner Kindheit hat mir meine Mutter beigebracht, immer respektvoll zu sein und nie zu vergessen, wo ich herkomme. Diese Werte vertrete ich bis heute.

Im Mai habe ich Präsident Erdogan in London bei einer Charity-Veranstaltung getroffen. Wir haben uns zum ersten Mal im Jahr 2010 getroffen, nachdem er und Angela Merkel das Spiel Deutschland gegen die Türkei zusammen in Berlin geschaut haben.

Wir haben immer nur über Fußball gesprochen

Seitdem haben sich unsere Wege auf der ganzen Welt häufig gekreuzt. Ich weiß, dass das Bild von uns beiden ein enormes Medienecho ausgelöst hat und auch wenn mich manche wohl der Lüge bezichtigen: Hinter dem Bild stecken keine politischen Absichten.

Wie gesagt: Meine Mutter hat mich nie meine Wurzeln und meine Familientradition vergessen lassen. Für mich ging es nicht um Politik oder die Wahlen, es ging darum dem höchste Amt im Land meiner Eltern Respekt zu zollen. 

Ich bin Fußballer und kein Politiker und beim Treffen ging es nicht darum, Unterstützung für irgendeine bestimmte Politik kundzutun. In Wahrheit haben wir darüber gesprochen, worüber wir immer sprechen, wenn wir uns treffen: Fußball. Erdogan war auch ein Fußballspieler in seiner Jugend.

Auch wenn die deutschen Medien etwas anderes dargestellt haben, ist es die Wahrheit: Es wäre respektlos gegenüber meinen Vorfahren gewesen, von denen ich weiß, dass sie stolz auf mich sind, wenn ich den Präsidenten nicht getroffen hätte.

Auch die Queen sieht das so

Für mich war es egal, wer Präsident ist, es ging nur darum, dass er Präsident ist. Gegenüber einem politischen Amt Respekt zu zeigen, ist etwas, bei dem ich mir sicher bin, dass sowohl die Queen als auch Premierministerin May es teilen, wenn sie Erdogan in London als Gast empfangen.

Egal ob es der türkischer oder der deutsche Präsident gewesen wäre, ich hätte nichts anders gehandelt.

Ich sehe ein, dass es schwierig sein mag, das zu verstehen, weil es in den meisten Kulturen nicht möglich ist, das Amt des politischen Führers getrennt von der Person zu betrachten. Aber in diesem Fall ist das anders. Was auch immer das Ergebnis der vorangegangenen Wahl gewesen wäre, oder der Wahl davor, ich hätte trotzdem dieses Foto gemacht.”

► Hier lest ihr die zweite Erklärung von Özil im Wortlaut

► Hier lest ihr die dritte Erklärung in Auszügen