POLITIK
23/07/2018 06:09 CEST | Aktualisiert 23/07/2018 12:17 CEST

Özil hat recht: Jetzt muss DFB-Präsident Grindel zurücktreten

Die HuffPost-These.

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Mesut Özil wirft hin.

Mit den Werten dieser Nationalelf hat er sich nie identifiziert. Von Anfang an wirkte er wie ein Fremdkörper, die Fans liebten ihn ohnehin nie. Jemand der seine eigenen Interessen so rücksichtslos vor die der Mannschaft stellt, jemand der Sport und Politik nicht zu trennen weiß, kann beim DFB keine Zukunft haben.

Deshalb sollte Präsident Reinhard Grindel von seinem Amt beim Deutschen Fußballbund zurücktreten. Die Özil-Affäre hat deutlich gemacht: Der 56-Jährige ist nicht nur ein mieser Krisenmanager, er verrät auch alles, wofür dieses junge und multikulturelle Team stehen kann und will.

Özils Abgang, den er am Sonntag in drei langen Statements in den sozialen Medien verkündete, ist nachvollziehbar. Nach seinem unbedachten, ja richtiggehend dummen Fototermin mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte der DFB zunächst zu verschlafen reagiert, Özil später zum Abschuss freigegeben.

Der DFB hat das eigene Motto nicht verstanden Özil hat recht: Jetzt muss DFB-Präsident Grindel

Dass Grindel und Bierhoff zuletzt sogar die fußballerische Schwäche Özils bei dem Turnier herauskehrten, hält keiner Expertenanalyse stand. Dahinter versteckt sich die peinliche Suche nach einem Sündenbock, nachdem die Überheblichkeit des gesamten deutschen Teams das Traumschloss der Weltklasse eingerissen hatte.

Sogar gegen rassistische Beleidigungen und üble Anfeindungen verteidigten die Funktionäre Özil nur halbherzig, stellten ihm nach dem WM-Ausscheiden ohne Not noch ein Ultimatum. Özils Bemerkung “In den Augen von Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, und ein Immigrant, wenn wir verlieren. (...)” drückt so schmerzlich auf den Kern des Problems.

Der DFB, der sich das Konzept Multikulturalismus nicht zuletzt mit der verbockten #zsmmn-Kampagne auf die Fahne schrieb, hat selbst nicht begriffen, dass Integration ein gegenseitiger Prozess ist. Ein Prozess, der auch Rückschlägen standhalten muss, bei dem Akzeptanz und Respekt aber das unantastbare Fundament bilden.

Wenn beim DFB weiter von “den Türken“ im Team gesprochen wurde, zeigt das nur: Ein “Zusammen“ gab es nur in Image-Filmen und auf Plakatwänden.

Özil hat Fehler gemacht Özil hat recht: Jetzt muss DFB-Präsident Grindel

Die sportliche Folge kriegen die Funktionäre nun zu spüren: Den Verlust eines der größten Fußballer, den Deutschland seit der Jahrtausendwende hervorgebracht hat.

Und das hat auch Reinhard Grindel zu verantworten.

Man muss nicht alles glauben, was Özil da schildert in seinem Brief. Es ist nur die eine Seite der Geschichte. Überzogener Stolz, Selbstherrlichkeit, mangelnde Reflektion: Auch Özil lässt diese Laster durchblicken. In Teilen wirkt sein offener Brief gar weinerlich.

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Und doch hat der Fußballprofi in einem Recht: Ein Mann, der in seiner politischen Laufbahn unentwegt gegen den Multikulturalismus zu Felde zog, wird in einem Team der Özils, Boatengs und Gündogans nur schwerlich einen Platz finden.

Özil wirft Grindel vor, dass er von Anfang die Deutungshoheit über das Erdogan-Foto an sich reißen wollte, dass er dem türkischstämmigen Fußballer selbst aber nicht eine Minute zuhörte.

Hätte er ebendas getan, wäre die mehrseitige Stellungnahme des Fußballers Wochen nach dem Turnier wohl überflüssig. Denn selbst wer die Auffassung Özils zur eigenen Heimat und der seiner Familie nicht teilt, der muss sie doch respektieren.

Nur so funktioniert Integration, nur so wird sie nicht zur “Lebenslüge”, die der DFB-Präsident einst im Konzept “Multi-Kulti” zu erkennen glaubte.

Nun ist es zu spät. Zu spät für Özil. Zu spät für Grindel. Was eine Schande für den deutschen Fußball.