POLITIK
07/06/2018 13:19 CEST | Aktualisiert 07/06/2018 13:59 CEST

Orban statt Merkel: US-Magazin erklärt Trumps Pläne mit Grenell

“Freundlich betrachtet sind die USA neutral; weniger freundlich betrachtet feindselig.”

MANDEL NGAN via Getty Images
Angela Merkel, Donald Trump und Viktor Orban beim Nato-Gipfel im Mai 2017. 
  • Auch in den USA wird das provokante Verhalten des US-Botschafters Richard Grenell in Deutschland registriert und diskutiert.
  • Ein US-Politikwissenschaftler glaubt: Grenells Ernennung sei eine bewusste Abwendung der Trump-Regierung von der transatlantischen Beziehung. 

Er ist gekommen, um zu provozieren. 

Richard Grenell, der neue Botschafter der USA in Deutschland, ist erst seit einem Monat im Amt. Trotzdem hat er es schon geschafft, die deutsche Regierung und deutsche Politiker gegen sich aufzubringen. 

► Grenell traf sich auf eigene Faust mit Österreichs Populismus-Kanzler Sebastian Kurz, den er einen “Rockstar” nannte.

► Am 3. Juni gab er der rechtsradikalen Nachrichtenseite “Breitbart” ein Interview, in dem er sagte, er wolle die “konservativen Kräfte” in der EU und Deutschland stärken. 

► Später konkretisierte Grenell in einem Tweet, wen er damit meinte – nämlich die erwachende “leise Mehrheit”, die die “Eliten in ihrer Filterblase” ablehne und von Trump angeführt werde. 

Kurz gesagt: Grenell vertritt in Deutschland mehr seinen Präsidenten als sein Land. Mit Kalkül, wie der Politikwissenschaftler Thomas Wright vom Brookings Institute für das US-Magazin “The Atlantic” schreibt. 

“Trump hat sich für Osteuropa entschieden” 

Denn Grenells Ernennung, glaubt Wright, folge klar dem Kurs der von der Trump-Regierung eingeschlagenen Europapolitik. 

Der US-Präsident breche mit all den traditionellen Verbündeten der Vereinigten Staaten: Großbritannien, Frankreich, Deutschland – May, Macron, Merkel

► “Trump schafft es immer wieder, die Briten zu verärgern, indem er den Bürgermeister von London vorwirft, nichts gegen Terrorattacken zu tun oder indem er Tweets von Rechtsradikalen retweetet”, schreibt Wright.

► “Die Antipathie zwischen der Trump-Regierung und den Deutschen ist besonders groß”, meint der Politikwissenschaftler. “Trumps persönliche Abneigung gegen Merkel ist gut bekannt.” 

► Und auch die Beziehung zwischen den USA und Frankreich scheine nur auf den ersten Blick besser. Die Strafzölle gegen Europa hätten Macron verärgert, schreibt Wright – “Frankreich überarbeitet derzeit seine Haltung den USA gegenüber.” 

“Trump hat die Position der USA gegenüber radikal verändert”, schreibt Wright. “Er hat sich für Osteuropa entschieden.” Also: Für Polen, Ungarn und Tschechien – Morawiecki, Orban, Babis. 

Mehr zum Thema: “Trumps Speichellecker”: Harvard-Professor rechnet mit Merkel und der EU ab

“Freundlich betrachtet sind die USA neutral; weniger freundlich betrachtet feindselig”

Mehrere Regierungsmitarbeiter hätten ihm in privaten Treffen mitgeteilt, dass sie die Europapolitik der vergangenen US-Regierung als Quelle der Instabilität betrachten würden, schreibt Wright. 

Die Trump-Regierung sähe eine tiefere Integration der EU-Mitgliedsstaaten in die Union hingegen kritisch. Trump wolle Europa – oder vielmehr seine Mitgliedsstaaten – nun eigene Entscheidungen treffen lassen. 

Heißt im Klartext: Trump will weniger und nicht mehr EU – und unterstützt das Bemühen von Nationalisten in Europa, dieses Vorhaben umzusetzen. So wie auch sein Botschafter in Deutschland. 

Das Beispiel Grenell zeige, wie sehr sich Trump in Europa einzumischen gedenke, schreibt Wright. “Die Politikwechsel in Richtung Europa ist klar: Freundlich betrachtet sind die USA neutral; weniger freundlich betrachtet feindselig. 

(mkl)