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16/04/2018 17:05 CEST | Aktualisiert 16/04/2018 19:14 CEST

Ex-Banker wird obdachlos – dann wird er von den Banken verklagt

"Ich wollte nur Zeitung lesen, tue keinem was."

Jon Nazca / Reuters
Ein obdachloser Mann schläft in einer Bankfiliale (Symbolbild).
  • Ein Gericht hat einen Obdachlosen in Hannover zu einem Bußgeld verurteilt
  • Der Mann hat in Banken übernachtet und war früher selbst Banker

Joachim S. ist obdachlos. Um Schutz vor Kälte zu suchen, hat er immer wieder in den Foyers von Banken übernachtet. Jetzt hat ihn ein Gericht in Hannover wegen Hausfriedensbruchs verurteilt, wie die wie die “Bild”-Zeitung” am Montag berichtet.

► Besondere Ironie: In seinem früheren Leben war Joachim S. selbst Banker. Er hatte als Finanzmanager bei der Norddeutschen Landesbank gearbeitet. 

Viele Obdachlose suchen Zuflucht in Banken

Bankfoyers sind ein beliebter Platz für Obdachlose. Denn die Räume bieten Schutz vor Wind und Wetter und sind zugleich doch für alle zugänglich.

Wie die “Bild” berichtet, wollte der 54-jährige S. lieber dorthin als in die Obdachlosenunterkünfte gehen, um den Schlafplatz nicht mit Suchtkranken teilen zu müssen.

“Ich hab keinen Bock, mit Alkis und Drogis herumzuhängen”, soll er sich vor dem Amtsgericht gerechtfertigt haben. Außerdem habe er doch nur Zeitung lesen wollen und niemandem etwas getan. 

Mehrere Anzeigen von Banken

Dem Bericht nach hat die Justiz mindestens sechs Verfahren wegen Hausfriedensbruchs gegen den Mann eingeleitet. So hatte er laut “Bild” bereits Hausverbot in allen Sparkassen-Filialen, und auch die Deutsche Bank zeigte den Mann an.

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Der soziale Abstieg des Mannes hatte vor zehn Jahren begonnen. Er hatte den Job gekündigt, seine Freundin trennte sich von ihm. Vor vier Jahren landete er auf der Straße. Dort lebt er nach “Bild”-Angaben von 400 Euro Stütze im Monat.

Richterin Gudrun Gundelach verurteilte den Mann zu 150 Euro Geldstrafe.

Da platzte Joachim S. der Kragen. Laut “Bild” sagt er: “Was in dieser Bananenrepublik als Straftat gilt, ist unglaublich.”

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(sk)