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11/04/2018 15:59 CEST | Aktualisiert 13/04/2018 13:55 CEST

Mann bietet Obdachlosen gratis Haarschnitt – jetzt wurde er dafür angezeigt

Juan Carlos Montes de Oca war früher selbst obdachlos.

Screenshot YouTube
Juan Carlos Montes de Oca schneidet Obdachlosen kostenlos die Haare.
  • Der Amerikaner Juan Carlos Montes de Oca schneidet Obachlosen gratis die Haare
  • Der Verband der Kosmetologen hat nun Ermittlungen gegen ihn eingeleitet – weil de Oca keine Friseurlizenz besitzt

Keine gute Tat bleibt ungesühnt, lautet ein altes Sprichwort. Der Fall des Amerikaners Juan Carlos Montes de Oca zeigt, dass mehr als nur ein Funken Wahrheit dahinter steckt. 

Als de Oca vor einem Jahr damit begann, Obdachlosen gratis die Haare zu schneiden, wollte er den Leuten einfach etwas Gutes tun, sagt er. Für viele seiner Kunden war es der erste Haarschnitt seit einer Ewigkeit. 

Gleichzeitig sah de Oca seine Dienste als Übung: Er strebt eine Ausbildung zum Friseur an. 

Die Gewerkschaft der Friseure verhängte ein Bußgeld

Die Geschichte des ehrenamtlichen Friseurs sprach sich schnell rum im US-Bundesstaat Arizona und fand großen Anklang bei den meisten Menschen. Nur nicht bei der Gewerkschaft der Kosmetologen, zu denen auch Friseure zählen. Ihr Problem: 

► De Oca ist kein ausgebildeter Friseur. Er praktiziert also ohne Genehmigung.

Wie das “Wallstreet Journal” berichtet, forderte die Gewerkschaft den jungen Mann auf, seine Tätigkeit sofort einzustellen. Zudem hätten sie ihn mit einem Bußgeld belegt.

Und nicht nur das: Laut “WSJ” drängte die Gewerkschaft die Behörden von Arizona, Ermittlungen gegen den Obdachlosen-Friseur einzuleiten. Dazu bezogen sie sich auf einen anonymen Hinweis, laut dem sich de Oca für seine Frisierkunst mit Drogen entlohnen lassen haben soll.

“Eine dreiste Lüge”, sagte de Oca dem Online-Portal “Arizona Central”. Es handle sich dabei um eine Schmutzkampagne gegen ihn. 

Für den Gouverneur von Arizona, Doug Ducey, ist de Oca dagegen ein Held,  “jemand, der unsere Gemeinschaft zum Positiven verändert”, sagt Ducey in einem Video auf seiner Webseite. 

Er schrieb einen Brief an die Gewerkschaft der Kosmetologen und forderte sie auf, das Verfahren gegen den Friseur einzustellen.

Denn bei de Ocas Diensten geht es nicht um Eitelkeiten. 

“Ein neuer Haarschnitt schenkt mir Selbstvertrauen. Besonders, wenn ich zu einem Vorstellungsgespräch gehe”, sagt ein Mann mit rotem Bart und Army-Mütze, der in dem Video zu Wort kommt. Er ist Veteran und lebt im Obdachlosenlager “Camp Bravo”. Dort schaut de Oca regelmäßig vorbei, um den dort Untergebrachten die Haare zu schneiden. 

Mehr zum Thema: Friseur rät Mann, sich Bart wachsen zu lassen – und verändert sein Leben

Gouverneur von Arizona stellt sich hinter de Oca

Doch de Oca tut mehr für die Menschen, als nur die Schere anzusetzen. “Er ist ein echter Freund für uns geworden”, sagt der rotbärtige Veteran. 

Er hört uns zu. Egal mit welchem Problem wir zu ihm kommen, er tut sein Bestes, um zu helfen.”

► Für den Gouverneur Ducey scheint dieses Zeugnis mehr zu wiegen, als das Einhalten der Bürokratie. 

Nun will sich Ducey dafür einsetzen, dass die Anforderungen für Berufsgenehmigungen im Bundesstaat Arizona gelockert werden.

Insbesondere Menschen in prekären Lebenssituationen sollen nicht länger durch zusätzliche Gebühren daran gehindert werden, “sich ein besseres Leben aufzubauen” – Menschen, wie de Oca, der selbst eine Zeit lang obdachlos war. 

Wie Ducey es in seinem Kampagnen-Video auf den Punkt bringt: “Viele dieser Menschen haben einen Schulabschluss, haben vielleicht sogar schon eine Ausbildung gemacht. Wieso sollten wir uns ihrem Wunsch einer Arbeit nachzugehen in den Weg stellen?”

(tb)