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19/12/2018 12:40 CET | Aktualisiert 19/12/2018 13:00 CET

Obdachlose lebte über drei Jahre im Auto – so kämpfte sie sich zurück ins Leben

Bei "Armes Deutschland" erzählt sie, dass die Rente hinten und vorne nicht reichte.

RTL2
Jutta musste eine Zeit lang in ihrem Auto schlafen, weil sie keine Wohnung mehr besaß.
  • Bei “Armes Deutschland” wird Rentnerin Jutta begleitet, die lange Zeit in ihrem Auto übernachten musste, um ein Dach über den Kopf zu haben.
  • Mit viel Mühe kämpfte sie sich zurück ins Leben.

Die Darmstädterin Jutta hat harte Zeiten hinter sich: Wegen einer ungeklärten Zuständigkeit strich das Amt der 65-Jährigen die Sozialleistungen – sie verlor ihre Wohnung.

Wie sie dem Sender RTL2 in der Sendung “Armes Deutschland” erzählte, wohnte sie danach dreieinhalb Jahre in ihrem Auto.

Neben ihrem Eigentum blieb ihr kaum Platz und so musste sie jeden Tag im Sitzen auf dem Fahrersitz übernachten.

Das hatte eine weitere Konsequenz: Mit ihrer Gesundheit ging es bergab, Wasser sammelte sich in ihren Beinen.

Wie der Sender berichtete, sei Jutta irgendwann in eine Notunterkunft für Obdachlose gekommen, doch auch da habe es Probleme gegeben:

“Ständig musste die Polizei kommen, weil sich Leute die Köpfe einschlagen wollten. Also Angst hab ich da schon gehabt, weil das ist hier nicht machbar.”

Nach langer Suche hat die 65-Jährigen aber dann doch noch Glück gehabt und eine Wohnung für monatlich 630 Euro gefunden.

Doch mit ihrer Rente und den Aufstockungen kam Jutta auf gerade einmal 486 Euro, damit fehlen ihr insgesamt 144 Euro – und das nur, um die Miete zu bezahlen.

Rentnerin braucht Arbeit, um über die Runden zu kommen

“Ich werde vom Sozialamt gehen und gucken, dass sie die Miete bezahlen, also die Grundsicherung soweit aufstocken, damit ich die Miete bezahlen kann.”

Zusätzlich wollte die Darmstädterin aber auch einen Job suchen, weil sie dem Staat nicht weiter auf der Tasche liegen möchte.

Dazu ging sie in mehrere Supermärkte, um sich die Aushänge anzuschauen.

“Gebäudereinigung macht mir Spaß. Das macht man für die Leute, die dort arbeiten, damit die sich wohl fühlen. Und daran habe ich dann wieder Spaß.”

Arbeit zu finden sei ihr wichtig, wie sie dem Sender erklärte: “Wenn man nur zu Hause sitzt und einem die Decke auf den Kopf fällt, ist das auch nicht witzig.”

An einem Aushang fand sie ein Gesuch des Darmstädter Konzertchors als Reinigungskraft für ihr Gebäude – genau das, was Jutta machen wollte.

Die 65-Jährige begeisterte den Arbeitgeber offensichtlich, denn gleich am nächsten Morgen lud er Jutta zum Vorstellungsgespräch ein.

65-Jährige findet: “Womit man sein Geld verdient, ist letztlich egal. Hauptsache, man kann davon leben” 

Der Dirigent und zwei weitere Vorstandsmitglieder unterhielten sich mit der Rentnerin, die sofort versuchte, von sich zu begeistern:

“Mich springt die Arbeit immer an, da machen sie sich mal keine Sorgen.”

Auf die Frage, wie viele Stunden sie maximal die Woche als Reinigungskraft arbeiten wolle, antwortete sie: “Da denke ich an maximal 30 Stunden die Woche.” Ob sich Jutta damit zu viel zumutet?

Auch die Arbeitgeber blieben skeptisch und meinten: “Das ist aber eine sportliche Leistung. Die Arbeit ist ja körperlich anspruchsvoll.”

Doch die 65-Jährige argumentierte sofort: “Zutrauen tue ich mir alles. Ich arbeite gern, ich habe mich noch nie vor Arbeit gedrückt, da habe ich also keine Probleme.”

Um das zu beweisen, legte sich die Darmstädterin sofort los und putzte probeweise: “Dann sieht der Arbeitgeber gleich, was ich leiste.”

Auf die Frage des Senders, ob sie sich für den Job nicht zu schade fände, hatte Jutta eine deutliche Antwort:

“Nein, ich bin mir für gar nichts zu schade. Geld stinkt nicht. Und womit man sein Geld verdient, ist letztlich egal. Hauptsache, man kann davon leben.” 

Die Arbeit machte sich bezahlt: Jutta bekam den Job – und hat damit seitdem 160 Euro mehr im Monat zur Verfügung.

Sie freute sich: “Die Sonne ist am Himmel und in meinem Herzen. Ich habe einen Job.”

Damit hat Jutta den Anfang auf ein besseres Leben gemacht – denn auf den Staat angewiesen sein, möchte die 65-Jährige nicht mehr.

Sie findet: “Arbeiten lohnt sich immer. Das ist nicht der Sinn des Lebens.”

(jr)