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03/07/2018 12:40 CEST | Aktualisiert 03/07/2018 12:45 CEST

NRW will 24-Stunden-Kita – Zahlen zeigen, warum die Reform scheitern wird

Dabei hatten dort letztes Jahr 77.459 Kinder keinen Betreuungsplatz.

skynesher via Getty Images
2020 soll die Kita-Reform in Kraft treten. 
  • Joachim Stamp, NRW-Bildungsminister, hat eine Kita-Reform geplant.
  • Ab 2020 soll es für Kinder auch nachts Betreuungsplätze geben.

Joachim Stamp (FDP) hat Großes vor. Der Bildungsminister aus Nordrhein-Westfalen will die Betreuungszeiten in Kitas reformieren. Ab dem Kita-Jahr 2020/21 soll es Eltern möglich sein, ihre Kinder in auch nachts betreuen zu lassen. Das berichtet die Zeitung “Kölner Stadt Anzeiger”.  

Die Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) soll vor allem Eltern zu Gute kommen, die auf Nachtarbeit angewiesen sind – wie beispielsweise Krankenhauspersonal. “Das kann ich mir an einer Uni-Klinik vorstellen“, sagte Stamp der Zeitung.  

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Ärzte oder Pfleger würden so ihre Kinder abends in die Kita bringen können und sie nach der Nachtschicht morgens wieder abholen, meint der Bildungsminister. 

Kinder dürfen nicht länger als 9 Stunden betreut werden

Länger als neun Stunden dürften die Betreuungszeiten allerdings nicht sein, wie der “Kölner Stadt Anzeiger” schreibt. 

Die 24-Stunden Kita ist in Deutschland kein neues Modell. Die ehemalige Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte sich vor drei Jahren stark für den Ausbau eingesetzt, um gerade Eltern im Schichtdienst zu unterstützen.

Die Planung des weiteren Ausbaus der 24-Stunden-Betreuung klingt zunächst gut. Und zieht vermutlich den ein oder anderen Wähler an. Doch ist die Reform, die Stamp anstrebt, in Nordrhein-Westfalen tatsächlich umsetzbar?  

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Die Zahlen sagen: Nein. Denn laut “Institut für Wirtschaft” fehlten 2017 in ganz Deutschland 300.000 Kita-Plätze für Kinder unter drei Jahren. Und Nordrhein-Westfalen schnitt dabei am zweitschlechtesten ab – nach Bremen.

2017 hatten in NRW 77.459 Kinder keinen Betreuungsplatz

Im bevölkerungsreichsten Bundesland hatten letztes Jahr 16,2 Prozent aller Kinder unter drei Jahren keinen Betreuungsplatz. Das entsprach 77.459 Kinder. Vielleicht wäre es sinnvoll, erst einmal diesen Familien eine Betreuung zu sichern.

Zudem fehlen in ganz Deutschland 130.000 Erzieherinnen und Erzieher. Das sagte Ulrich Silberbach, der Chef des Bundesamtes, dem “Tagesspiegel”.

Der Verband Erziehung und Wissenschaft kritisiert die Reform des NRW-Bildungsministers genau aus diesem Grund. “Zuerst muss das notwendige Personal vorhanden sein, dann kann die Flexibilisierung folgen“, sagte der Landesvorsitzende Stefan Behlau der Zeitung “Kölner Stadt Anzeiger”.

Dennoch will Stamp das neue Gesetz im Januar 2019 vorlegen. Ob und wann Eltern ihre Kinder tatsächlich nachts in der Kita abgeben können, bleibt fraglich. Viele würden sich vermutlich schon darüber freuen, überhaupt einen Kita-Platz zu bekommen – ob tagsüber oder nachts.

(ks)