POLITIK
12/09/2018 11:53 CEST | Aktualisiert 12/09/2018 16:15 CEST

NRW: Halbe Fußballmannschaft zeigt Hitlergruß – nun ermittelt der Staatsschutz

“Die Jungs können nichts dafür.”

  • Gleich mehrere Spieler eines nordrhein-westfälischen Kreisligisten haben auf einem Mannschaftsfoto einen Hitlergruß gezeigt.
  • Nun beschäftigt sich die Polizei mit dem derben “Spaß”. 

Amateur-Clubs haben mitunter Schwierigkeiten, Sponsoren zu finden. Die Kicker des nordrhein-westfälischen Kreisligisten SC 1920 Myhl aber haben Glück. Schon seit Jahren unterstützt Engin Arslan, Besitzer eines türkischen Imbisses im Ort, den Fußballclub

Anfang des Monats stiftete Arslan der Mannschaft einen neuen Satz Trikots – und bat zum Mannschaftsfoto vor seinem Imbiss. Das Problem: Nicht nur Arslan selbst, sondern auch sieben Spieler der Mannschaft zeigten dabei den verbotenen Hitlergruß.

Mehr noch: Arslan lud das Foto auf Facebook hoch und kommentierte das pikante Foto mit “Nur das wir zählt! Wir gemeinsam sind mehr!”. 

Der Staatsschutz ermittelt

Die Aufnahme, die Arslan bereits nach kurzer Zeit wieder löschte, hat nun ernste Konsequenzen:

► Zum einen hat sich der Staatsschutz eingeschaltet. Ermittelt werde wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gegen “alle, die auf dem Foto den Arm gehoben haben”, sagte ein Polizeisprecher den “Aachener Nachrichten” am Dienstag. Der erklärte weiter: Wenn die Zeugenvernehmungen abgeschlossen seien, werde “das Verfahren an die Staatsanwaltschaft zur rechtlichen Würdigung abgegeben”.

► Zum anderen beschloß der Vereinsvorstand, den Spielern, die den Gruß zeigten, “mit sofortiger Wirkung die Vereinsmitgliedschaft zu entziehen”. Weiter distanzierte sich der Verein in einer Stellungnahme auf der Webseite “von sämtlichen rechtsextremen Darbietungen, Ausdrücken und Einstellungen”.

“Die Jungs können nichts dafür”

Klar ist: Sowohl die Spieler als auch Trikotsponor Arslan bedauern den Vorfall. 

Erstere entschuldigten sich mit einem antirassistischen Plakat bei “allen Menschen, die wir durch unsere unüberlegte Aktion verletzt haben”.

Der “Rheinischen Post” erklärte Arslan, er hätte nicht damit gerechnet, dass das als Satire gemeinte Foto anders interpretiert werden könnte. “Ich möchte mich öffentlich dafür entschuldigen.“

Zugleich nahm er die vom SC 1920 Myhl hinausgeworfenen Spieler in Schutz. Arslan sagte der “Rheinischen Post”: “Die Jungs können nichts dafür.” Sie hätten seinen derben “Spaß” mitgemacht – in dem Wissen, dass dieses Foto nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war.

Aus diesem Grund habe er den Verein gebeten, den Ausschluss der Spieler rückgängig zu machen. Das mache er auch zur Bedingung für die Fortführung seines langjährigen Engagements.

(jg)