POLITIK
08/01/2019 07:32 CET | Aktualisiert 08/01/2019 08:23 CET

Nordkorea: Warum Diktator Kim Jong-un überraschend China besucht

Auf den Punkt.

HuffPost / GETTY / DPA

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un ist überraschend zu einem Besuch in China eingetroffen.

► Nachdem ein mysteriöser Sonderzug am Montagabend über die Grenze bei Dandong nach China gefahren war, bestätigten beide Regierungen am Dienstag den Besuch, der bis Donnerstag dauern soll. 

Dort will sich Kim mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping vor seinem geplanten zweiten Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump abstimmen.

► Der Besuch erfolgt vor allem vor dem Hintergrund der stockenden Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea über eine atomare Abrüstung.

Der Spontanbesuch von Kim Jong-un in China – auf den Punkt gebracht:

Kims Ankunft in China: 

► In den sozialen Medien kursierten bereits am Montagvormittag Videos und Fotos von einem Autokonvoi mit einem hohen Staatsgast und einer Motorradstaffel, der vom alten Pekinger Bahnhof durch die Innenstadt rollte.

DPA

Kim wird bei seiner Reise von seiner Frau Ri Sol Ju sowie dem Chefunterhändler für die Verhandlungen mit den USA, Kim Yong Chol, begleitet, wie die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA berichtete. In seiner Delegation sind auch Außenminister Ri Yong Ho und Verteidigungsminister No Kwang Chol.

Nordkoreas Machthaber feiert an diesem Dienstag auch Geburtstag. Es wird angenommen, dass er 35 Jahre alt wurde. Sein genaues Geburtsjahr ist nicht bekannt.

Die Geburtstage der früheren Machthaber Kim Il Sung und Kim Jong Il – sein Großvater und Vater – werden in Nordkorea immer groß gefeiert. Bei dem jungen Führer ist das heute anders.

Darum reist Kim nach China:

Das vierte Treffen von Kim mit Xi erfolgt vor seinem geplanten zweiten Gipfel mit US-Präsident Trump, das in Kürze stattfinden soll.

► Der erneute Besuch des Machthabers in Peking demonstriert die starken Beziehungen zwischen Nordkorea und China. Beide hatten im Korea-Krieg (1950-53) Seite an Seite gegen die USA und Südkorea gekämpft und feiern in diesem Jahr den 70. Jahrestag der Aufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen.

► Mit den Atom- und Raketentests Kims war das Verhältnis 2017 zwar auf einen Tiefpunkt gefallen, erholte sich Anfang 2018 aber schnell, als Kim seine Annäherung an Südkorea einleitete und seine Provokationen einstellte.

► Laut einem Artikel der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”, der sich auf die Fachwebsite “North Korean Economy Watch” bezieht, ist China bis heute Nordkoreas wichtigster Handelspartner. Demnach gehen vier Fünftel aller Waren, die Nordkorea im Ausland verkauft, nach China.

 

Was ihr über das Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim wissen müsst:

Bei ihrem historischen ersten Gipfel im Juni in Singapur hatten sich Trump und Kim allgemein auf das Ziel einer atomaren Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel geeinigt.

Über den geplanten zweiten Gipfel zwischen Kim und Trump und wo dieser stattfinden soll, werde noch verhandelt, sagte Trump am Sonntag.

► “Es wird möglicherweise in nicht allzu ferner Zukunft verkündet.” Trotz der mangelnden Fortschritte bei der Abrüstung versicherte Trump, der Dialog laufe gut.

Es gibt Spekulationen, dass der Gipfel in Vietnam stattfinden könnte. Auch war in US-Berichten von Indonesien oder der Mongolei die Rede. Ein Termin steht allerdings auch noch nicht fest.

► Der Hintergrund des Gipfels: Bis heute blieben konkrete Zusagen aus, bis wann das nordkoreanische Atomwaffenarsenal abgerüstet werden soll und wie die Gegenleistungen der USA aussehen könnten.

In seiner Neujahrsansprache vor einer Woche hatte Kim aber mit einer Abkehr vom Annäherungskurs gedroht, falls die USA an ihren Sanktionen festhalten:

► Er bekräftigte zwar die Absicht zur atomaren Abrüstung und Fortsetzung der Gipfeldiplomatie mit den USA, warf aber Washington vor, Zusagen nicht einhalten zu wollen und Pjöngjang einseitige Abrüstungsschritte abzupressen.

Kim sagte in seiner Neujahrsansprache:

“Falls die USA ihre vor der ganzen Welt gemachten Versprechen nicht erfüllen, unsere Geduld falsch einschätzen und an Sanktionen und Druckmitteln festhalten, um Dinge einseitig zu erzwingen, werden wir wahrscheinlich keine andere Wahl haben, als einen neuen Weg auszuloten.

Er forderte, dass die USA ihre Militärmanöver mit Südkorea beenden und keine strategischen Waffen auf die koreanische Halbinsel gebracht werden dürften.

Was Nordkorea will:

Nordkorea fordert vor allem eine Lockerung der internationalen Sanktionen.

Als größter Handelspartner spielt China bei der Umsetzung der Strafmaßnahmen eine Schlüsselrolle.

► Trump hatte am Sonntag noch einmal bekräftigt, dass die Sanktionen voll aufrechterhalten werden, bis Fortschritte bei der Abrüstung gemacht werden.

Das sagt Südkorea zu dem Besuch:

Südkoreas Regierung begrüßte den China-Besuch Kims.

Ein Beamter des Außenministeriums äußerte in Seoul die Hoffnung, dass die Gespräche in Peking zu einer vollständigen atomaren Abrüstung und der Schaffung eines permanenten Friedens auf der koreanischen Halbinsel beitragen könnten, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

Kims China-Trip – auf den Punkt gebracht:

Der Besuch des nordkoreanischen Diktators erfolgt vor allem vor dem Hintergrund der stockenden Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea über eine atomare Abrüstung des isolierten stalinistischen Staates, der unter massiven internationalen Sanktionen leidet.

Die Spontan-Visite von Kim verdeutlicht vor allem die Nähe zwischen Nordkorea und China. Die Volksrepublik gilt als wichtigster Handelspartner des nordkoreanischen Diktators.

Vor dem geplanten Gipfel spricht sich Kim daher mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping ab. XI dürfte sich von seiner Rolle als Vermittler, angesichts des eigenen Handelskrieges mit den USA, wohl selbst Zugeständnisse von Donald Trump versprechen. 

(lp)